Mittelalterfest Angermünde
: Ritter, Wikinger und Kanonen – Zeitreise auf der Burg Greiffenberg

Premiere in Angermünde: Zum ersten Mal gab es ein großes Mittelalterfest auf der sanierten Burg Greiffenberg mit Fans aus ganz Brandenburg. Was fasziniert Menschen an der alten Zeit?
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Burgfest in Greiffenberg bei Angermünde. Zum ersten Mal seit über 300 Jahren ist wieder Leben auf dem mühsam sanierten Burghof. Die Birg soll ein neuer Ort der Kultur, Geschichte und Feste werden.

Burgfest in Greiffenberg bei Angermünde. Zum ersten Mal seit über 300 Jahren ist wieder Leben auf dem mühsam sanierten Burghof. Die Burg soll ein neuer Ort der Kultur, Geschichte und Feste werden.

Daniela Windolff

Angermünde bekommt den Ritterschlag. Neben der wunderschön sanierten Altstadt lädt nun auch eine Ritterburg als neuer Ort für Kultur, Geschichte und Begegnung ein: die Burg Greiffenberg. Hier wird das Mittelalter lebendig, mit Ritterlager, Schwertkämpfen, altem Handwerk, Tradition und Geschichte. Eine der historisch bedeutendsten Festungen zwischen Pommern und Mark Brandenburg wurde durch jahrelanges, aufopferndes ehrenamtliches Engagement vor dem Verfall gerettet, gesichert, restauriert und touristisch und kulturell wieder nutzbar gemacht.

Zum ersten Mal seit Jahrhunderten ist der historische Burghof öffentlich zugänglich. Und nicht nur das. Restauriertes Eingangsportal, begehbarer Aussichtsturm, Sitzplätze, Bühne samt Technik und behindertengerechte Sanitäranlagen machen die Burgruine künftig zu einer einzigartigen Kulisse für Führungen, Vorträge, Konzerte, Theater, Feste, Mittelaltermärkte oder einfach nur für romantische Spaziergänge oder Stunden zu zweit. Bei der Premiere allerdings blieb man nicht allein.

Burgfest in Greiffenberg bei Angermünde. Der restaurierte Innenhof der mittelalterlichen Burgruine ist als neuer Ort für Begegnung, Kultur und Feste öffentlich nutzbar gemacht worden.

Burgfest in Greiffenberg bei Angermünde. Der restaurierte Innenhof mit Aussichtsturm der mittelalterlichen Burgruine ist als neuer Ort für Begegnung, Kultur und Feste öffentlich nutzbar gemacht worden.

Daniela Windolff

Das erste Burgspektakel im Burghof seit der Zerstörung durch die Schweden lockte nicht nur Hunderte neugierige Besucher an, sondern auch zahlreiche Mittelaltervereine und Ritterorden aus ganz Brandenburg, die hier ihr Zeltlager und Stände aufschlugen, um Brauchtum, Handwerk, Kampfkunst und Lebensart im Mittelalter zu zelebrieren.

Treffen der Ritter und Wikinger aus ganz Brandenburg

Quasi hier zu Hause ist Ritter Alexander von Sparr zu Steinhöfel. Seit 19 Jahren lebt er in seiner Gruppe Gleichgesinnter die Geschichte derer von Sparr, die die Burg in Greiffenberg im Mittelalter gründeten und besiedelten, und hält Geschichte und Traditionen wach. Es sei nicht nur ein Hobby, sondern eine komplette Lebenshaltung, betont Ritter Alex. Das Interesse erweckte eine persönliche Begegnung mit einem echten Nachfahren von Friedrich Wilhelm Reichsgraf zu Sparr in Greiffenberg zur 700-Jahrfeier der Gemeinde auf der Burg. Burgen waren oft die Wiegen der Siedlungen und Städte. Die Stadt Greiffenberg entwickelte sich am Fuße und im Schutze der Burg.

Burgherr und Mitglied im Denkmalverein Greiffenberg: Oliver Schwers. Der Verein engagierte sich jahrelang ehrenamtlich für die Sicherung und Restaurierung der Burgruine Greiffenberg bei Angermünde. Jetzt ist es geschafft.

Burgherr und Mitglied im Denkmalverein Greiffenberg: Oliver Schwers. Der Verein engagierte sich jahrelang ehrenamtlich für die Sicherung und Restaurierung der Burgruine Greiffenberg bei Angermünde. Jetzt ist es geschafft.

Daniela Windolff

In der Kirche Greiffenberg wurde ein neuer Ritter geschlagen

Die Geschichte, Aura, Rituale, Tugenden und Traditionen werden gelebt. So werden noch heute Ritter mit großer Zeremonie geschlagen. In der Nacht vor dem Burgfest in Greiffenberg, wo die neuzeitliche Ritterfamilie von Sparr zum ersten Mal auf dem Burggelände der Vorfahren ihr Lager aufschlug, wurde aus dem Knappen Fabian ein Ritter. Dafür stellte sogar die Kirchengemeinde Angermünde die Greiffenberger Dorfkirche zur Verfügung. Eine ganze Nacht musste Fabian hier vor dem Altar Buße tun, in sich gehen.

Ritter Fabian zu Sparr zeigt eine Rüstung, die bei Veranstaltungen und Kampfvorführungen getragen wird. Kettenhemd, Lederrüstung und dickes Unterkleid wiegen zusammen schonmal über 50 Kilogramm, bei über 30 Grad im Schatten eine Tortur.

Ritter Fabian zu Sparr zeigt eine Rüstung, die bei Veranstaltungen und Kampfvorführungen getragen wird. Kettenhemd, Lederrüstung und dickes Unterkleid wiegen zusammen schonmal über 50 Kilogramm, bei über 30 Grad im Schatten eine Tortur.

Daniela Windolff

Der Aufstieg bedeutet, dass er nicht mehr dienen muss, sondern Rechte und Pflichten hat und selbst jungen Menschen als Pagen und Knappen ausbilden darf. Auch ein eigenes Wappen trägt er.

Harte Ausbildung vom Knappen zum Ritter

Der Weg zum Ritterschlag ist nicht leicht. Zur Ausbildung gehören Geschichtskenntnisse, Kampftechniken, körperliche Fitness, Disziplin und Manieren, auch bei Tisch. Das Schmatzen, Rülpsen und Schweinereien an Rittertafeln sei eine Legende. Manieren, Respekt, Achtung, Ehre, Genügsamkeit und Höflichkeit seien ritterliche Tugenden, die viele der jungen Neu-Ritter in der heutigen Gesellschaft vermissen.

Ritterkämpfe auf Burg Greiffenberg bei Angermünder: Zum Burgfest wurde alles geboten, was Mittelalter erleben lässt.

Ritterkämpfe auf Burg Greiffenberg bei Angermünder: Zum Burgfest wurde alles geboten, was Mittelalter erleben lässt.

Daniela Windolff

Ihr Ritterleben sei ein Ausgleich zum Alltag und ein Bekenntnis zu Werten, die sie mit Ritterlichkeit verbinden. Vor allem aber die Gemeinschaft. In der Szene kennt man sich durch unzählige Treffen, Veranstaltungen und Feste, landes- und sogar bundesweit.

Auszeit aus dem Alltag und Gemeinschaft auf Augenhöhe

Diese Auszeit aus dem Hamsterrad und den Zwängen der Gesellschaft lieben auch Denny und Claudia aus Bernau. Er ist selbstständig, sie Altenpflegerin. „Man geht jeden Tag zur Arbeit, hat Stress, Rechnungen, Telefonate. Da ist tut es so gut, privat in eine andere Welt abzutauchen, ohne Handy, ohne Internet, Konsum und Luxus“, sagt Denny. Doch er ist kein Ritter. Er lebt als Wikinger.

Auszeit aus dem Alltag: Ob Wikinger, Ritter oder nur Besucher, Mittelalterfeste wie das Burgfest in Greiffenberg lassen Geschichte lebendig werden. Jeder sucht seine Nische, ohne Vorurteile, Hektik, Handy oder Luxus.

Auszeit aus dem Alltag: Ob Wikinger, Ritter oder nur Besucher, Mittelalterfeste wie das Burgfest in Greiffenberg lassen Geschichte lebendig werden. Jeder sucht seine Nische, ohne Vorurteile, Hektik, Handy oder Luxus.

Daniela Windolff

Die waren im Gegensatz zu den Rittern Heiden, eigentlich Bauern und Seefahrer, erzählt Denny interessierten Besuchern.

Friedliches Nebeneinander von Christen und Heiden

Beim Burgfest in Greiffenberg leben Ritter und Wikinger in reizvoller Spannung friedlich miteinander und sitzen gemeinsam im Zelt oder am Feuer. Die Faszination an dieser Lebensart sei nicht nur die Rückkehr zum Rustikalen, zum Wesentlichen, das Leben mit den Schönheiten und Härten der Natur, in der Gemeinschaft Gleichgesinnter, sondern auch die Beschäftigung mit der Geschichte. So hätten Wikinger nie Helme mit Hörnern getragen, das sei eine Hollywooderfindung. Hörner dienten zum Trinken und zum Rufen. Wikinger besiedelten übrigens großräumig den Norden, von Skandinavien bis Russland.

Doch die Burg Greiffenberg bietet beim ersten Burgfest noch mehr Geschichte. Mit ohrenbetäubenden Bollerschüssen erinnert die Landiner Garde an ein weiteres Kapitel Brandenburger Geschichte um die Zeit der Völkerwanderung und Napoleon Kriege.

Landiner Garde. Der Traditionsverein aus Schwedt lässt echten Kanonendonner ertönen.

Landiner Garde. Der Traditionsverein aus Schwedt lässt echten Kanonendonner ertönen.

Daniela Windolff

Das Garde-Artillerie-Regiment Landin bei Schwedt erzählt Militärgeschichte zwischen Verteidigung und Befreiung, stellt historisch bedeutsame Gefechte nach und ist inzwischen sogar bei Filmaufnahmen in Babelsberg gefragt. Krachende Böllerschüsse feuern die Kanoniere übrigens mit einer echten Kanone ab, die unter das Kriegswaffengesetz fällt und strengen Auflagen unterliegt. 3000 Meter können die Geschütze fliegen.

Burgruine Greiffenberg wird Kulturort in Angermünde

So etwa könne man sich die Angriffe der Schweden auf die Burg Greiffenberg im 17. Jahrhundert vorstellen, die sie völlig zerstörte und nur noch drei Mauern stehen ließ, die jetzt nach über 300 Jahren wieder restauriert wurden und als Denkmal und Kulturort öffentlich nutzbar sind, betont Burgherr Oliver Schwers vom Denkmalverein Günterberg, der das Jahrhundertprojekt mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 1,2 Millionen Euro initiierte und maßgeblich begleitete.

Neben EU-Fördermitteln hat auch die Stadt Angermünde als Eigentümerin erhebliche Eigenmittel investiert. Die Stadtverordneten standen stets hinter dem Projekt, dankt Oliver Schwers. Dass sich Angermünde auch weiterhin zu seinen historischen Orten bekennt, versicherte die neue Bürgermeisterin Ute Ehrhardt zu Eröffnung der Burgfestpremiere.

Angermünde fördert Denkmale und historische Orte

Und was hier noch künftig stattfinden könnte, zeigten im bunten Kulturprogramm auf der neuen Bühne die Greiffenberger Kita „Burgzwerge“, die Theatergruppe Greiffenberg, der Chor aus dem benachbarten Günterberg, die Vereine des Ortes und die Mittelaltergruppen aus ganz Brandenburg mit Tanz, Musik und Feuershow.