Geschichte von Schwedt: Das Schwedter Schloss – die barocke Pracht und der tragische Verlust

Das Schwedter Schloss von der Stadtseite verewigte Eberhardt Hückstädt auf einer Leinwand. Dem Künstler diente als Vorlage eine Postkarte aus dem 20. Jahrhundert.
Repro: Oliver VoigtVor dem 2. Weltkrieg zählte Schwedt zu den schönsten preußischen Barockstädten. Das bis dahin älteste Denkmal der Stadt, das Stadtschloss, brachte zusammen mit den umliegenden Residenzbauten Schwedt nicht von ungefähr den Beinamen „Potsdam der Uckermark“ ein.
1553 bis 1569 entstand in Schwedt der ursprüngliche Renaissancebau. Das Schloss in seiner ursprünglichen Form hatte jedoch nicht lange Bestand. Starke Zerstörungen gab es durch den Dreißigjährigen Krieg.
Erster Wiederaufbau scheitert an fehlendem Geld
Ein 1645 in Auftrag gegebener Wiederaufbau des abgebrannten Schlosses wurde aus Geldmangel nicht vollendet. 1671 beauftragte Kurfürstin Dorothea den niederländischen Baumeister Cornelius Ryckwert mit dem Aus- und Umbau des zum Teil in einem ruinösen Zustand befindlichen Schlosses. Bis 1685 dauerten die Arbeiten an dem Mittelbau, in den die noch gut erhaltenen Bauteile integriert wurden, an. Wechselnde Baumeister veränderten das Erscheinungsbild bis hin zu einer typisch barocken, dreiflügeligen Anlage, die sich an niederländischen Vorbildern orientierte.

Eine Luftaufnahme von 1940 aus der Postkartensammlung von Eckhard Bending zeigt das Schloss nur wenige Jahre vor seiner Zerstörung in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs.
Repro: Oliver VoigtSchloss Schwedt wird durch Granatenhagel zerstört
Erst unter Dorotheas Enkel Friedrich Wilhelm erfolgte die Vollendung der Dreiflügelanlage. Nach dem Tod des letzten Markgrafen fiel die Herrschaft 1788 wieder an das Hohenzollerhaus zurück, das Schloss war nur noch selten bewohnt, dennoch wurde stetig etwas zum Erhalt und Pflege getan. Bis zum 20. April 1945, als das Schloss im Granatenhagel der Roten Armee ausbrannte.
In den 50er Jahre keimte noch die Idee auf, aus dem Schloss ein Kulturzentrum zu machen, doch daraus wurde nichts. Mitte Oktober 1962 erfolgte die Sprengung, die Mauern fielen. Auch ein im Juni vorangegangener Besuch Walter Ulbrichts rette das Schloss nicht.

Die Postkartensammlung von Eckhard Bendig beinhaltet historische Aufnahmen des barocken Gebäudes.
Repro: Oliver VoigtNutzungskonzept wird nicht umgesetzt
Nach den Zerstörungen in den letzten Kriegstagen gab es ein Nutzungskonzept, das jedoch stark von dem abwich, was letztendlich umgesetzt wurde. Bereits im Jahr 1954 wurde im Auftrag des Landkreises Angermünde ein Planungsentwurf für den westlichen Seitenflügel vorgelegt. In diesem Entwurf wurde bereits der Begriff „Wiederaufbau“ des Schlosses verwendet, wobei die Hauptnutzung als Schule mit Speisesaal und Küche vorgesehen war. Zusätzlich war ein „Kino-Hörsaal“ und ein Fotolabor geplant. Fünf Jahre später wurden neue Aufmaße von Peter Hentschel und Hans Joachim Papke aufgenommen. Die Absolventen der Technischen Universität Dresden lieferten einen Entwurf für ein modernes, seitlich angebautes Kulturhaus, welches die Länge des Schlossseitenflügels quer gelagert aufnahm.

Auf das Jahr 1917 datiert ist die Ansicht des Laubengangs im königlichen Schlossgarten (Postkartensammlung Eckhard Bendig).
Repro: Oliver VoigtNeues Kulturhaus statt Wiederaufbau
Ein langer, eingeschossiger Verbindungsbau sollte den westlichen Seitenflügel mit dem Kulturhaus verbinden. In diesen nie umgesetzten Planungen waren die Räume, vor allem die Funktionsräume, wie Garderobe, Küche und Gastronomie, nun umverlagert in den Verbindungsbau außerhalb der historischen Schlossräume. Das Kulturhaus selbst war in hochmoderner Architektursprache mit herausgezogenem Sockelgeschoss und im Hauptbau adäquat in Höhe des Dachgesims des Schlossflügels geplant. Die Entscheidung fiel jedoch bald ganz anders.
Keine Genehmigung zum Abriss
Am 31. Juli 1962 beschloss der Rat des Bezirkes Frankfurt/Oder, die Ruine des Schwedter Schlosses abzureißen. Die Vorbereitungen zur Sprengung begannen am 17. September 1962 und wurden in mehreren Phasen durchgeführt. Der VEB Montagebau Berlin führte die Sprengungen schrittweise durch, die schließlich im Januar 1963 abgeschlossen wurden. Trotz des Appells des Instituts für Denkmalpflege, diesen kulturgeschichtlich wertvollen Bau zu erhalten, wurde die Gesamtanlage - Schloss und Schlossfreiheit - nicht geschützt. Das Institut hatte die Anlage als monumentale künstlerische und städtebauliche Leistung des 18. Jahrhunderts gewertet. Obwohl das Institut für Denkmalpflege keine Abrissgenehmigung erteilt hatte, wurde der Abriss dennoch durchgeführt.

Obwohl es bereits 1962 endgültig abgerissen wurde, ist das Schwedter Schloss in der Stadt noch immer präsent. Ein Wiederaufbau war aus Kostengründen illusorisch, aber im Kleinen kehrte das Schloss 2018 nach Schwedt zurück.
Oliver VoigtHeute steht auf dem Areal des Schlosses das Theater, in moderner Architektursprache der 1970er Jahre. Im Hugenottenpark können Besucher zumindest an einem Modell die einstige Schönheit der Residenz erahnen und die vor über 300 Jahren von Kurfürstin Dorothea in Auftrag gegebene barocke Dreiflügelanlage mit wenigen Schritten umrunden. Die Gartenfassade wurde von zwei Türmen eingerahmt, während der Mittelbau durch einen Risalit mit Giebelschmuck betont wurde. Für die damals 100 Meter breite Kastanienallee gab es auf dem Sockel des Modells keinen Platz, doch ihr Ziel, die stadtseitige Fassade mit dem Ehrenhof wirkt durch die kleinen Details fast lebendig.

Im Schwedter Schloss fand sich auch die Sammlung von Jagdtrophäen des Kaisers. (Postkartensammlung von Eckhard Bendig)
Repro: Oliver VoigtPrinz von Preußen zu Gast in Schwedt
Die Errichtung des Modells des Schwedter Schlosses geht auf eine Initiative des Schlossgittervereins Schwedt zurück. Im April 2018 kamen hunderte Schwedter, ein echter Nachfahre der alten Schlossherren, fiktive Könige, Prinzessinnen, Markgrafen und Dragoner zur Einweihung. Mit Georg Friedrich Ferdinand Prinz von Preußen, dem amtierenden Familienoberhaupt des Hauses Hohenzollern, war tatsächlich einer der Nachfahren der einstigen Schlossherren zu Gast in Schwedt und verlieh der Feier herrschaftliche, adelige Würde sowie der Stadt ein wenig Glanz, als der Prinz Schwedt „eine wunderbare Stadt“ nannte, die „ein Stück ihrer Geschichte wieder bekommen“ habe.
Berliner Residenz an der Oder
Anke Grodon ist die Leiterin des Schwedter des Stadtmuseums. Für sie steht fest, dass Dorothea noch heute als Glücksfall für die Stadt gilt. „Die Etablierung der Herrschaft ging einher mit einem residenzartigen Ausbau. In Schwedt entstand durch bauliche und kulturelle Erneuerungen die „kleine Berliner Residenz“ an der Oder und es entwickelte sich eine innerpreußische Parallelgeschichte im Grenzbereich von Uckermark, Neumark und Pommern“, so Grodon. „Schwedt hatte um 1700 etwa 1400 Einwohner. Dem gegenüber standen ein großer Hofstaat sowie bedeutende Baumeister und Künstler. Handel und Handwerk blühten auf, wenn die Markgrafen und hohe Gäste im Schloss weilten. Sie waren zahlungskräftige Auftraggeber.“



