Glaziale Brandenburg 2023: Kunst in Schwedt – diese Skulpturen sind entstanden

„Mond über der Oder“, ist der Titel des Werks von Ton Kalle, das zum Finale der Glaziale Brandenburg in Schwedt unter großem Beifall enthüllt wurde.
Oliver VoigtNach vier Wochen buchstäblich harter Arbeit ging das internationale Hartgestein-Symposium „Glaziale Brandenburg“ zu Ende. Sieben Bildhauer aus Deutschland, Niederlande, Australien und Japan haben auf der Schwedter Festwiese an riesigen Findlingen gearbeitet und Einzigartiges hinterlassen. Die Bildhauer Jörg Steinert, Jo Kley und Thomas Reifferscheid aus Deutschland, Karin van Ommerern und Ton Kalle aus den Niederlanden sowie Antone Bruinsma aus Australien und Tatsumi Sakai aus Japan schufen in Rekordzeit beeindruckende Skulpturen. Während die Künstler nun wieder die Heimreise antreten, bleiben ihre Werke hier.
In der gesamten nordeuropäischen Region ist ein solches Symposium in dieser Form einzigartig. Während Bildhauer eigentlich eher in Steinbrüchen oder Steinwerken zusammenkommen und sich ganze Blöcke herausschneiden lassen, wird bei der „Glaziale Brandenburg“ dieser Ansatz umgedreht. Mit den Findlingen aus der Uckermark treffen die Künstler auf eine Welt des Unbekannten, ohne Vorwissen über Form oder Aussehen ihrer Rohlinge. Einen Entwurf konnten sie nicht einfach so mitbringen. Die Idee musste vor Ort wachsen. Und das tat sie in jedem von ihnen. Mehr als 200 Besucher überzeugten sich zum großen Finale mit Enthüllung der Skulpturen von der Kreativität der sieben Künstler. Viele fanden bereits in den vergangenen Wochen regelmäßig den Weg zum Open-Air-Atelier in der Flemsdorfer Straße und verfolgten den Prozess der Entstehung von etwas Einmaligem.

Karin van Ommeren aus den Niederlanden entschied sich für eine Schlange, die einen Neuanfang symbolisieren soll.
Oliver VoigtEine Rose versteckte sich im Inneren des Steins
„Mond über der Oder“ nennt Ton Kalle seine Arbeit in Anlehnung an die Endmoränenlandschaft der Uckermark, die er immer wieder gern besucht. Antone Bruinsma entlockte seinem Rohling eine Rose, die er aus ihrem Versteck im Inneren des Steins befreite. Mit „The Gift – das Geschenk“ danke er auch für die großartige Gastfreundschaft, die er in Schwedt erlebt habe. Der japanischen Bildhauer Tatsumi Sakai hat es mit seiner dreiteiligen Arbeit lange spannend gemacht. Auch seine Mitstreiter bekamen erst zwei Tage vor dem Finale, als die Steine zusammen aufgestellt wurden, einen „echten“ Blick auf die Skulptur „Berg und Gletscher“.

The Gift zeigt eine von Antone Bruinsma aus dem Inneren des Stein befreite Rose.
Oliver Voigt
Die „Europa“-Skulptur von Jörg Steinert ist zum Finale noch nicht ganz fertig.
Oliver VoigtJörg Steinert wurde häufig von seiner eigentlichen Arbeit abgelenkt. Immer wieder nahm sich der Schönermarker die Zeit für Gespräche und kurze Führungen mit den Besuchern. Klemmte es bei Werkzeugen, sorgte der „Glaziale-Vater“ Steinert für Ersatz. Darum sei es auch natürlich kein Drama, dass Steinert mit seiner Skulptur nicht bis zum Finale fertig wurde. „Europa“, die phönizische Prinzessin und der sich als Stier verwandelnde Zeus werden aber schon bald in fertiger Pracht zu sehen sein.
Neuanfang für Schwedt
Die Schlange von Karin van Ommeren stehe für einen Neuanfang, den auch Schwedt bewältigen werde. Jo Kley liebt, wie seine Kollegen auch, sich über die Arbeit als Bildhauer respektvoll mit der Geologie und der Erdgeschichte auseinanderzusetzen. „Dieser Stein hat wahrscheinlich 800 Millionen Jahre auf dem Buckel, und nun habe ich eine Ringform daraus gemacht.“ Und weil diese Form in den letzten Tagen die Menschen häufig dazu bewegte, durch das Loch in der Mitte miteinander zu kommunizieren, nennt der Kieler Künstler es „Orakel“.

Das „Orakel“ von Jo Kley. Das Loch in der Steinmitte wird gern zur Kommunikation genutzt.
Oliver VoigtHerr der Ringe schafft Wolke 9
Während das Gros der Findlinge aus der Penkuner Kieskuhle angefahren wurde, kommt der von Thomas Reifferscheid bearbeitete Stein aus Schwedt. Ringe zählen zum Lieblingsthema des in der Nähe von Köln lebenden Künstlers. Gleich neun von ihnen finden sich in „Cloud Nine“.

Ringe haben es Thomas Reifferscheid schon immer angetan, entsprechend inspiriert war er für „Cloud Nine“.
Oliver VoigtDie Stadt Schwedt kauft vier der auf der Glaziale geschaffenen Kunstwerke an, die Kosten für die übrigen drei übernimmt der Landkreis Uckermark. Ein Stückpreis von 15.000 Euro wurde benannt. In naher Zukunft werden alle Skulpturen im Schwedter Stadtgebiet zu sehen sein.
Spur der Steine durch Schwedt
„Über die Standorte wurde noch nicht abschließend entschieden“, so Bürgermeisterin Annekathrin Hoppe. Im Bereich der Dreiklangschule und der Alten Tabakfabrik, die heute Polizei und Stadtverwaltung beherbergt, solle das Werk von Jörg Steinert einen festen Platz finden. Man könne sich auch vorstellen, im Külzviertel oder im Bereich des Jugendufers gut frequentierte Standorte zu finden, an denen die Besucher die Kunst auch anfassen und erleben können.

Dreiteilig ist der „Berg und Gletscher“ von Tasumi Sakai.
Oliver VoigtWie in Angermünde entlang der Uferzone am Mündesee, wo aus Findlingen geschaffene Kunst seit Jahren zu sehen ist, dürfen Interessierte sich endlich auch in Schwedt auf einer „Spur der Steine“ freuen.
„Die neuen Skulpturen ergänzen das kulturelle Angebot in dieser Stadt“, hebt Vizelandrat Frank Bretsch noch einmal hervor. Die Künstler hinterlassen etwas, womit sich auch zukünftige Generationen auseinandersetzen werden.
Die Tatsache, dass ein begehbares offenes Atelier zahlreichen interessierten Besuchern aus Schwedt und Umgebung, aber auch vielen Touristen die Kunst auf ganz besondere Weise nahe bringen konnte, machte die erstmals in Schwedt stattfinde Glaziale so erfolgreich, sind die Teilnehmer überzeugt.

Bürgermeisterin Annekathrin Hoppe und Projektleiter Stadtplanung Johann Reichstein bekamen als Dankeschön der Teilnehmer einen „kleinen“ Findling von Jörg Steinert überreicht.
Oliver Voigt

