Grenzkontrolle
: Lkw-Rückstau wegen Corona legt Schwedt lahm

Stoßstange an Stoßstange auf sieben Kilometern standen am Dienstag die Lkw in Schwedt im Stau vor der Grenzkontrolle.
Von
Michael Dietrich
Schwedt
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Zweispuriger Stau: Am Montagabend staute sich der Verkehr in Richtung Polen auf den Zubringenstraßen durch Schwedt. Die Lkw standen auf der Lindenallee bereits bis zum CKS in Zweierreihen.

Oliver Voigt

Die Schließung der polnischen Grenze, die eine Ausbreitung des Virus in Polen eindämmen soll, hat Schwedt einen Verkehrsstau von Lkw und Pendlern beschert, den die Stadt jahrzehntelang nicht mehr erlebt hat. Die Lkw-Schlange vor der Grenzkontrolle wuchs auf sieben Kilometer Länge an und reichte von der Oder bis zur PCK-Straße F. Die Fahrer berichten über Wartezeiten von zwei bis fünf  Stunden.

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Pendler aus Polen, die in Deutschland arbeiten, hatten am Montagabend nach Feierabend bis zu fünf Stunden zwischen den Lkw im Stau gestanden. Melker, Physiotherapeuten, Schlosser, Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern. Sie alle müssen sich an der Grenzkontrolle ausweisen,  einen Nachweis ihrer Arbeitsstelle vorweisen und sich einer Fiebermessung unterziehen. Das und die Kontrolle des Warenverkehrs dauern. Lkw-Fahrer, die von zehn Stunden Stauzeit und mehr in Frankfurt (Oder) hören, suchten teilweise Schwedt als Ausweich. Am Montagabend waren dann beide Fahrspuren der Lindenallee Richtung Grenze komplett mit Sattelzugmaschinen, Holz-Transportern, Lkw und kleineren Lastwagen zugestaut. Die Polizei versuchte irgendwie zumindest die Kreuzungen freizuhalten, damit der Innenstadtverkehr queren konnte. Die Berliner Straße musste zeitweise ganz gesperrt werden. Erst kurz vor 22.30 Uhr war der Stau auf die rechte Fahrspur der Lindenallee begrenzt und löste sich anschließend langsam auf.

Hilferuf nach Potsdam

Eine Abordnung von Ordnungsamt, Polizei und Straßendienst beriet am Dienstag über mögliche Maßnahmen, das Verkehrschaos zu ordnen. „Wir können die Situation nicht lösen, allenfalls das Problem etwas abmindern“, so Ordnungsamtsleiterin Heike Voigt. Den Grenzverkehr mitten durch die Stadt, die  langwierigen Kontrollen und den damit verbundenen Rückstau kann Schwedt nicht verhindern. Deshalb hat Bürgermeister Jürgen Polzehl einen Hilferuf an Ministerpräsident Dietmar Woidke gesandt mit der dringenden Bitte, sich beim Bund für eine zeitweilige Sperrung des Grenzübergangs für Lkw einzusetzen.

„Jetzt rächt sich, dass uns Land und Bund seit 1992 im Stich lassen mit unserem Vorhaben eines Grenzübergangs außerhalb der Stadt“, sagt Jürgen Polzehl. „Wir haben den einzigen Grenzübergang nach Polen, bei dem der Verkehr mitten durch die Innenstadt führt und nicht wie in Frankfurt oder Pomellen über die Autobahn. Der Warenverkehr soll natürlich aufrecht erhalten werden, das ist auch in unserem Interesse. Aber es geht nicht, dass auf absehbare Zeit der Verkehr in der Schwedter Innenstadt dadurch zum Erliegen kommt, die Busse nicht mehr durchkommen und die Pendler aus Polen  viele Stunden von der Arbeit nach Hause brauchen“, erklärt Polzehl.

Unter den gegebenen Umständen sei der  Grenzübergang Schwedt für den Lkw-Verkehr nicht geeignet. Zeitgleich zum Brief an Woidke hat die Stadt ein förmliches  Verfahren eingeleitet, um auf der Grenzzufahrt ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen anzuordnen. Wie lange so ein Verfahren dauert, konnte gestern niemand beantworten. Als erster Schritt ist dafür das Land anzuhören.

Stadt beschließt Maßnahmen zur Verkehrsregelung

Ein Krisenstab von Stadt, Polizei und Landesbetrieb für Straßenwesen hat Sofortmaßnahmen beschlossen, um ein Verkehrschaos in Folge der Grenzstaus von Lkw in Schwedt abzumildern.

- Beschilderung: Lkw dürfen auf der Werner-Seelenbinder-Straße und Lindenallee nur die rechte Spur nutzen

- Hinweis am Pinnower Kreisel auf Wartezeiten am Grenzübergang Schwedt von X + 5 Stunden

- Ampelregelung des Verkehrs an der Drei-Seiten-Kreuzung Berliner Straße / Brückenstraße ab Mittwoch

- Sperrung der Geradeausspur Berliner Straße / Kreuzung Lindenallee in Richtung Grenze

- Alle Beschilderungen werden in deutscher und polnischer Sprache ausgeführt.

- Einleitung eines Verfahrens zur beabsichtigten verkehrsrechtlichen Anordnung zur Begrenzung der Tonnage auf der Grenzzufahrt Brückenstraße auf 7,5 Tonnen.⇥md