Hohe Spritpreise in Deutschland
: Warum ist Tanken in Polen so günstig?

Warum ist der Sprit in Deutschland so teuer, aber in Polen vergleichsweise günstig? Das sind die Gründe.
Von
Lukas Böhl
Berlin
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Inflationsrate: 11.03.2026, Baden-Württemberg, Stuttgart: Deutlich über zwei Euro pro Liter liegen am Morgen alle angebotenen Spritsorten an einer Tankstelle in Stuttgart. Foto: Katharina Kausche/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Spritpreise in Deutschland steigen weiter.

Katharina Kausche/dpa

Der Liter Benzin kostet in Polen aktuell deutlich weniger als in Deutschland. Anfang März 2026 lag der durchschnittliche Preis für Super E10 in Deutschland laut ADAC bei etwa 1,94 Euro pro Liter, während Super 95 in Polen rund 1,46 Euro pro Liter kostete, wie die Polnische Presseagentur PAP berichtet.

Steuern und Abgaben sorgen für Preisunterschied

Der wichtigste Faktor sind die Steuern und staatlichen Abgaben. In Deutschland machen sie den größten Anteil des Benzinpreises aus. Anfang März 2026 entfielen nach Angaben des ADAC auf einen Liter Super E10 im Schnitt rund 1,12 Euro an Steuern und Abgaben, was etwa 58 Prozent des Gesamtpreises entspricht.

Besonders ins Gewicht fällt die Energiesteuer: Für Benzin beträgt sie 65,45 Cent pro Liter. Hinzu kommen die Mehrwertsteuer von 19 Prozent sowie weitere Abgaben wie die Erdölbevorratungsabgabe und der CO₂-Preis (ca. 16 Cent), der seit einigen Jahren schrittweise erhöht wird.

In Polen fällt der staatliche Anteil deutlich geringer aus. Auch dort bestehen die Preise zur Hälfte aus Steuern und Gebühren, doch absolut betrachtet ist die Belastung niedriger. Bei einem Benzinpreis von rund 1,46 Euro pro Liter entfielen nach einer Rechnung der Polnischen Presseagentur PAP zuletzt etwa 70 Cent auf Steuern und Abgaben. Dazu gehören die Mehrwertsteuer, die Verbrauchsteuer, eine Kraftstoffabgabe sowie eine Emissionsgebühr.

Wodurch der Spritpreis beeinflusst wird

Globale Faktoren beeinflussen die Preise in beiden Ländern. Der wichtigste Treiber ist der Rohölpreis auf den Weltmärkten. Für Europa ist vor allem die Sorte Brent entscheidend. Steigen die Notierungen an den Börsen, verteuert sich zunächst der Großhandelspreis für Benzin und Diesel, bevor die Preise schließlich auch an den Tankstellen steigen.

Anfang März 2026 spielt unter anderem die geopolitische Lage im Nahen Osten eine Rolle: Nachdem Israel und die USA Angriffe auf Ziele im Iran durchgeführt hatten, kletterte der Preis für Brent-Rohöl zeitweise auf mehr als 100 Dollar pro Barrel. Solche Entwicklungen schlagen sich meist schnell in höheren Kraftstoffpreisen nieder.

Ein weiterer Einflussfaktor ist der Wechselkurs des US-Dollars. Rohöl wird weltweit fast ausschließlich in Dollar gehandelt. Wenn der Dollar gegenüber dem Euro stärker wird, verteuert sich der Einkauf von Rohöl für europäische Raffinerien automatisch. Dieser Effekt wirkt sich sowohl auf deutsche als auch auf polnische Preise aus.