Dieter Fiebig (82) konnte es kaum fassen: „Als ich in der MOZ ‚Eine Art von Kapitulation’ zur beabsichtigten Auslösung der IG Sport las, musste ich zwangsläufig an unsere Anfänge nach der politischen Wende im Sport und auch später in der IG denken“, sagt deren erster Vorsitzender im Gespräch mit dieser Zeitung.
„Ich behaupte nach wie vor, dass es allen Beteiligten in unserer Stadt gut gelungen ist, trotz der Wirren in den ersten Jahren zielführend für den Sport zu arbeiten.“ Er selbst habe sicher auch Glück gehabt, dass ihn „tolerante neue Politiker“ wegen seiner Kompetenzen im Sport nach dem „Was tun?“ fragten und ihn zum Fachamtsleiter machten.
„Ich kann mich tatsächlich an fast keinen einzigen Tag mit einem echten Durchhänger erinnern. Mit etlichen Mitstreitern, von denen ich Michael Lange und Manfred Schneider wirklich nur stellvertretend nennen möchte, ließ sich vieles auch mit wenigen Worten klären und viele zogen dann mit. Ich sage nur Behindertensportfest, als so ein Beispiel.“
Sportentwicklungskonzept, Förderrichtlinien, Sicherung von Eigentum im Sportbereich – das seien Themengebiete gewesen, erinnert sich Fiebig, der zeitgleich Amtsleiter, Vereinschef bei Blau-Weiß und IG- Sport-Vorsitzender war, ehe er zum Präsidenten des Landessportbundes gewählt wurde und der IG-Vorsitz ziemlich geräuschlos an Lothar Behn übergeben habe.

Ist der Ehrenhain vergessen?

„Es kam uns eigentlich nie wirklich der Gedanke, dass unser Tun irgendjemandem nicht gefallen könne oder nütze. Jetzt sagen die Wortführer der IG: Das, was wir hier tun, will offenbar in den Vereinen keiner mehr!“ Es klinge vielleicht etwas krass, aber Fiebig findet diesen Vergleich: „Wenn eine Mannschaft schlecht spielt, dann kann sie nicht erwarten, dass sie großen Beifall erhält.“
Man merkt dem 82-Jährigen an, dass ihn die Auflösungsabsicht umtreibt, auch wenn er längst nicht mehr in Verantwortung steht. Was habe Schwedt für grandiose Sportler hervorgebracht? Welche tollen Traditionen seien hier gewachsen? Sportlerball, Kinderolympiade und einiges mehr hätte es doch ohne die IG nie und nicht so früh gegeben, meint er. Und es gab noch viele weitere Ideen: Der stärkste Mann der Stadt sollte gesucht werden, ein Stadtsportfest zu organisieren, ist auch nicht gelungen. „Ein kleines Beispiel ist auch der Ehrenhain für unsere Erfolgreichsten, über den wir schon zu meiner Zeit gesprochen haben. Bis heute ist nichts Greifbares passiert. Hätte ich es bloß nicht aus der Hand gegeben“, macht sich Fiebig fast selbst Vorwürfe.
Und er meint auch: „Was soll ich den Verantwortlichen heute raten? Ich will keinesfalls als Besserwisser dastehen! Also überlege ich mir und spreche darüber auch mit anderen Leuten wie beispielsweise Gerhard Bowitzky vom Wassersport, wie wir vielleicht rettend wirksam werden können“, so Fiebig.

Viel Freiraum für neue Ideen

Die Antwort, wie es jetzt weitergehen solle in Sachen Interessengemeinschaft, fällt freilich auch Dieter Fiebig nicht leicht. Er habe keine schlüssige parat und denke dann aus alter Gewohnheit immer gleich daran, wie er sich einbringen könnte. Aber alles einfach wegzuschieben, halte er „in höchstem Maß für unverantwortlich gegenüber den vielen Ehrenamtlichen im Sport“.
Es sei doch viel Freiraum für neue Ideen, für Traditionen und gemeinsame Höhepunkte, wofür die Vereine auch ein gemeinsames Dach bräuchten. Fiebigs Fazit lautet momentan: „Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn sich das jetzige Leitungsgremium und möglichst viele andere noch einmal fragen würden, ob es in unserer Sportstadt wirklich möglich ist, diese zentrale Verantwortung für den Sport aufzulösen. Und ich erwarte, das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich sagen, unbedingt auch eine Reaktion aus der Politik. Da höre ich bisher überhaupt keinen Aufschrei auf die Information, dass die IG ihre eigene Auflösung beantragen will. Interessiert das niemanden?“
Der für den 14. Dezember avisierte Mitgliedertreff der IG Sport ist jetzt zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben worden.