Kinderschutz
: Lobbyarbeit für die Jüngsten

Der 2012 in Angermünde gegründete Kinderschutzbund Uckermark agiert uckermarkweit für die Rechte und Hilfen von Kindern. Er initiiert Projekte und Beratung.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Herz für Kinder: Unternehmerpräsident Siegfried Bäsler (l.) und Polizist Steffen Meltzer unterstützen den Kinderschutzbund Uckermark. Bäsler sponserte 200 Ratgeberbücher zur Gewaltprävention von Steffen Meltzer für den Verein.

Daniela Windolff

Laut kreischend rennen die Kinder davon, flüchten vor einem großen Mann, dessen Freundlichkeit ihnen unheimlich und die aufdringliche Nähe unangenehm ist. Das versprochene Geschenk schlagen sie aus. Die Situation wirkt bedrohlich, doch sie ist zum Glück gestellt. Die Kinder sind wohlbehütet in der Schule und haben Spaß bei den Übungen. Der Mann ist kein Fremder, sondern Polizeioberkommissar Steffen Meltzer, der sich als Polizeitrainer und Buchautor auch intensiv mit dem Thema Kinderschutz beschäftigt und Verhaltensregeln zur Gewaltabwehr  spielerisch mit Kindern trainiert. Der Kinderschutzbund Uckermark hat Steffen Meltzer für sein Projekt zur Gewaltprävention in Schulen und Kitas in Angermünde, Schwedt und Joachimsthal gewinnen können. Eine dieser Veranstaltungen fand in der Schwedter Förderschule „Im Odertal“ statt. Gerade Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen seien gefährdet, Opfer von Gewalt, Missbrauch und Mobbing zu werden, betont Steffen Meltzer. Das Projekt zur Gewaltprävention war eines der größten Aktionen des Kinderschutzbundes (KSB) und nur durch die Unterstützung von Sponsoren und Fördermittelgebern möglich. So konnten die Veranstaltungen für die Schulen kostenlos angeboten werden. Obendrein erhielt jedes Kind das Ratgeberbuch „So schützen Sie Ihr Kind“ von Steffen Meltzer als Geschenk, das alltagstaugliche Übungen vermittelt.

Lückenschluss im Norden

Durch die Gründung des Ortsverbandes Uckermark 2012 in Angermünde konnte der Deutsche Kinderschutzbund eine Lücke im Nordosten Brandenburgs schließen. Er setzt sich dafür ein, dass Kinder in sozialer Sicherheit aufwachsen, vor Gewalt geschützt sind und ihre geistige, seelische, soziale und körperliche Entwicklung gefördert wird. Dazu gehören neben Prävention auch Freizeitaktionen, durch die die Kinder Zuwendung und Selbstbewusstsein erfahren. So initiierte der Kinderschutzbund Uckermark ein Theaterprojekt mit dem Freien Amateurtheater Uckermark Fatum. In den Ferien gestaltete er in Angermünde eine Kreativwoche mit Künstlern. Für Kinder aus einkommensschwachen Familien wurde ein Ferienlager in Joachimsthal organisiert. Und auch der Kinderneujahrsempfang in Angermünde war eine Idee des Kinderschutzbundes, die dann von Bürgermeister Frederik Bewer aufgegriffen und gemeinsam weitergeführt wurde.

„Wir verstehen uns als Ideengeber und Koordinator für Projekte und Aktionen und suchen uns für die Umsetzung Partner, weil wir das nicht allein stemmen können“, sagt Vorsitzende Anja Pfeifer. „Wenn die Projekte angelaufen sind können wir uns zurückziehen.“

Doch nicht alle Ideen gehen auf. So wollte der KSB in Angermünde einen Kinder– und Jugendbeirat in Zusammenarbeit mit der IG Frauen und Familie ins Leben rufen und hatte dafür Konzepte beim Jugendamt des Landkreises und bei der Stadt eingereicht und Förderanträge gestellt. Doch die Förderung reichte nicht. Inzwischen haben sich Gesetze geändert und Bürgerbeteiligung, einschließlich Kinder– und Jugendbeiräte, sind Pflicht. Die Stadt ist nun dabei, mit Unterstützung des Jugendkulturzentrums diesen Beirat aufzustellen. Die Ideen gehen den ehrenamtlichen Akteuren des Kinderschutzbundes dennoch nicht aus. Im nächsten Jahr will sich der KSB am Agenda–Diplom beteiligen, beim Angermünder Firmenlauf eine Rollstuhl– und Kinderwagenstrecke initiieren, spezielle Ferienangebote für behinderte Kinder organisieren und die offene Beratungsarbeit und Informationsveranstaltungen für Eltern ausbauen.

Straßenfest am 17. August

Auch die Schul– und Kitabegleitung für Kinder mit besonderem Förderbedarf, die der Kinderschutzbund 2014 als erster Träger in der Region initierte und damit eine große Bedarfslücke füllte, wird weiter fortgeführt. Da ist der Verein auch Arbeitgeber und hat einen Mitarbeiterstamm, der die Kinder über Jahre begleitet. Inzwischen sind auch viele andere, größere Träger in diese Lücke gesprungen, wie die Volkssolidarität oder die Lebenshilfe. „Der Bedarf ist da. Es gibt immer mehr Kinder, die eine individuelle Begleitung und Förderung benötigen. Das ist gelebte Teilhabe und das geht nur gemeinsam mit vielen Trägern und Partnern“, betont Anja Pfeifer. Am 17. August feiert der Kinderschutzbund mit seinen Partnern ein großes Straßenfest in Angermünde. Eine gute Gelegenheit, Kinderfreundlichkeit in Aktion zu erleben.