Konzert: Musik Verzaubert

Begeisterte: Die Leipziger Liedermacherin Sarah Lesch sang sich bei ihrem Konzert im Kleinen Saal der Uckermärkischen Bühnen in die Herzen des Publikums.
Oliver VoigtWer Sarah Lesch in einem Konzert erlebt, könnte in Abwandlung der Liedzeile einer Ikone der deutschsprachigen Musik denken „So´ne kleine Frau und so´n großer Mut“. So zart, sensibel und gefühlvoll wie sie selbst sind die Lieder der Leipzigerin. So stark und kraftvoll wie ihre Stimme aber sind ihre Botschaften, wenn sie zum Beispiel in „Testament“ ihren Zorn über Lüge, Konsum und verratene Träume der angepassten, stumpfen, sogenannten Vernunft entgegensingt.
Ihre „späte Rache im Namen derer, die Kinder sind, waren oder wieder sein wollen“ und mit der sie den Protestsongcontest in Wien gewann. Gänsehaut erzeugt ihre Festansprache des „Kapitän“, der eine Auszeichnung für die Seenotrettung von Geflüchteten erhält, gleichzeitig jedoch dafür verhaftet wurde. Die paradoxe Begebenheit, deren Vertonung sie bereits 2015 als ihr allererstes Lied der wahren Geschichte ihres Schwiegervaters, Stefan Schmidt, widmete und die sich nun mit Carola Rackete wiederholte.
Cover von Musikerfreunden
Um Liebe geht es in Leschs Lieder–Kosmos, um Freiheit und immer wieder um Einsamkeit als rotem Faden, der ihre Songs verbindet. Die Einsamkeit des Einzelnen, aber auch die, an der die Gesellschaft schwer trägt. Sie verleiht Herz und Sprache den Ausgegrenzten, den Verlorenen, den Beladenen und Stigmatisierten. Und nennt deshalb den Liederreigen auf der jüngst erschienenen EP „Den Einsamen zum Troste“, auf der sie Werke ihrer Musikerkollegen, -freunde und -vorbilder covert. Ihr persönliches Lieblingstrostlied ist Bastian Bandts „Alles da“, mit welchem sie ihren Teil des Konzertes begann. Eröffnet hatte den Abend Songwriter Lukas Meister mit fünf wunderbaren poetischen Perlen über das eigene Leben und das der anderen, um anschließend seine Kollegin auf Kontrabass und Akkordeon zu begleiten.
Sarah Lesch mag keine Pauschalisierungen, „dafür liebe ich die Vielfalt zu sehr“. Deshalb hat sie für ihr demnächst erscheinendes Album „Der Einsamkeit zum Trotze“ den titelgebenden Song verfasst, dem man sorgfältig zuhören sollte. Damit wehrt sie sich gegen Instrumentalisierung ihrer Texte, will aber gleichzeitig Brücken bauen, denn „wir schaffen das nur gemeinsam“. Am Freitagabend erlebte er seine Uraufführung. Das Publikum in Schwedt übernahm dabei die Rolle des „Schatz“, der in die Küche kommt, wenn Sarah fragt „Kann ich das vor vielen Leuten spielen?" Sie kann und nicht nur bei der fröhlichen Zugabe, das der Alltagromantik einer Raststättentoilette auf der A9 entsprang, bei „Reise Reise Räuberleiter“, bedauerten die Fans, dass der Kleine Saal der Uckermärkischen Bühnen bestuhlt war.
„Ihr macht diesen Abend gerade unvergesslich für mich“, gestand die gerührte Künstlerin. Auf der elektrischen Gitarre begleitet wurde der Abend von Steffi Narr, die mit einem bezaubernden Gitarrensolo nach dem „Gute–Nacht–Lied“ eine verträumte und getröstete Zuhörerschaft zum Abschied des Konzertes in den Abend entließ.