Krankenhaus Angermünde
: Protest zur Rettung der Klinik – Demo mit über 1200 Menschen

Über 1.200 Menschen gingen bei der Demo in Angermünde auf die Straße, um gegen die Spar-Pläne der GLG zu kämpfen, mit Wut und Entschlossenheit. Das sind die Eindrücke.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Prostet-Demo in Angermünde gegen die geplante Schließung der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus der GLG. 1.200 Menschen gingen am 19. Dezember 2024 auf die Straße.

Prostet-Demo in Angermünde gegen die geplante Schließung der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus der GLG. 1.200 Menschen gingen auf die Straße.

Daniela Windolff
  • Über 1.200 Menschen protestierten in Angermünde gegen die Schließung der Klinik für Innere Medizin.
  • Die Demo wurde von Bürgermeisterin Ute Ehrhardt, Verdi und dem Marburger Bund organisiert.
  • Die geplante Umstrukturierung sieht eine Umwandlung in eine Ambulanz vor.
  • Unternehmen, Landwirte und Feuerwehr zeigten ihre Solidarität bei der Demonstration.
  • Weitere Proteste in Prenzlau sind angekündigt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die vorweihnachtliche Besinnlichkeit wird in Angermünde gerade mächtig aufgewühlt. Die Pläne der kommunalen Krankenhausgesellschaft GLG für die Zukunft des Standortes Angermünde sorgen für heftigen Widerstand und Proteste in der Stadt. Höhepunkt der bisherigen Aktionen war eine Groß-Demo am Donnerstagabend (19.12.) in Angermünde, zu der die Bürgermeisterin der Stadt, Ute Ehrhardt, gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi und dem Ärztebund Marburger Bund kurzfristig aufgerufen hatten.

Mehr als 1.200 Menschen gingen auf die Straße und setzten deutlich ein Zeichen der Solidarität und der Geschlossenheit, für ihr Krankenhaus zu kämpfen. Denn das gehört für sie nicht nur zu einer sicheren Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum, sondern auch als größter Arbeitgeber als Standortfaktor zur Stadt Angermünde.

Demo gegen geplante Schließung der Klinik in Angermünde

Die Klinik für innere Medizin mit Pulmologie, Intensivstation und Rettungsstelle soll nach den Plänen der GLG geschlossen und in eine Ambulanz umstrukturiert werden, das Krankenhaus Angermünde zu einer reinen Fachklinik für Psychiatrie geschrumpft werden.

Dagegen formiert sich seit Bekanntwerden der Pläne heftiger Protest. Die ganze Stadt Angermünde und viele Unterstützer aus Kommunalpolitik, Gewerkschaft, Wirtschaft und natürlich Ärzte und Pflegekräfte zeigten nun geschlossen Flagge. So eine große Demonstration hat Angermünde bisher selten erlebt.

Prostet-Demo in Angermünde gegen die geplante Schließung der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus der GLG. 1.200 Menschen gingen am 19. Dezember 2024 auf die Straße.

Prostet-Demo in Angermünde gegen die geplante Schließung der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus der GLG. Die Menschen verschafften sich mit Trillerpfeifen und ihren Stimmen Gehör.

Daniela Windolff

Vom Krankenhaus setzte sich ein riesiger Menschenzug in Bewegung Richtung Marktplatz und Rathaus, angeführt von einem Truck mit Bühne, motivierenden Ansprachen und immer wieder lautstarken Rufen, Trillerpfeifen, Tröten, Trommeln und Musik. Von Senioren bis zu Familien mit kleinen Kindern liefen Bürger aller Generationen und gesellschaftlichen Schichten mit.

Unternehmen, Landwirte, Feuerwehr – Solidarität in Angermünde

Am Marktplatz solidarisierten sich Unternehmen, Landwirte, Feuerwehr mit ihren Fahrzeugen zu einem Tross. „Nee wir stehen nicht im Stau, wir wollen zusammenhalten, denn das Krankenhaus in Angermünde ist für eine sichere Gesundheitsversorgung in unserer Region wichtig, hier ist der Patient keine Nummer, sondern Mensch“, sagt Landwirt Matthias Klamann, der mit einem Traktor am Marktplatz steht und aus eigener Erfahrung spricht. Bei den Bauernprotesten Anfang 2024 erlebte er eine ebenso große Solidarität.

Lucienne Grenz aus Angermünde hat sich mit ihrer Familie, mit kleinen Kindern, der Demo angeschlossen. Ein Krankenhaus gehöre zur wichtigsten Infrastruktur und Lebensqualität einer Stadt. Für die Familie war es wichtig, eine starke Gemeinschaft zu demonstrieren.

Prostet-Demo in Angermünde gegen die geplante Schließung der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus der GLG. 1.200 Menschen gingen am 19. Dezember 2024 auf die Straße.

Prostet-Demo in Angermünde gegen die geplante Schließung der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus der GLG. Auf Plakaten machten die Menschen deutlich, was sie von den Plänen halten.

Daniela Windolff

Emotionaler Protest der Angermünder

Die war den ganzen Abend lautstark und emotional zu spüren. Auf der Bühne kamen verschiedene Redner zu Wort, die auf die Hintergründe, die Notwendigkeit und die Forderungen an GLG, Aufsichtsrat und Politik um den Erhalt der Klinik für Innere Medizin in Angermünde und zur Krankenhausstruktur im gesamten Land mit Nachdruck hinwiesen. Von der Angermünder Bürgermeisterin, über Gewerkschaft, Ärzteschaft des Krankenhauses, bis zum Vertreter des Gesundheitsministeriums und der Uckermark-Landrätin als Mitgesellschafterin der GLG.

Während die einen Jubelrufe und Beifall erhielten, wie zum Beispiel Dr. Lorenz Gold, Chefarzt der Psychiatrie Angermünde, der an Politik und Gesellschaft appellierte, die mühsam erkämpfte Gleichstellung psychiatrischer Patienten nicht dem Profit zu opfern, oder Stationsärzte der Inneren Medizin in Angermünde, die vor den Folgen der Schließung für die Notfallversorgung von Patienten und für die Fachkräftesicherung an Ärzten und Pflegepersonal in Angermünde warnten, wurden andere Redner von den Demonstranten ausgebuht.

Prostet-Demo in Angermünde gegen die geplante Schließung der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus der GLG. 1.200 Menschen gingen am 19. Dezember 2024 auf die Straße. Junge Stationsärzte des Krankenhauses warnten vor den Folgen für die Patienten und die Fachkräftesicherung in Angermünde.

Prostet-Demo in Angermünde gegen die geplante Schließung der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus der GLG. Junge Stationsärzte des Krankenhauses warnten vor den Folgen für die Patienten und die Fachkräftesicherung in Angermünde.

Daniela Windolff

Landrätin Karina Dörk, Mitgesellschafterin der GLG, hatte es schwer, die Menge zu überzeugen, dass es bisher nur um einen Wirtschaftsplan für die GLG und noch nicht um ein beschlossenes Konzept gehe und die Zukunft des Krankenhauses in Angermünde entschieden sei.

Runder Tisch und Petition der Stadt Angermünde

Die Angermünder Bürgermeisterin Ute Ehrhardt will einen runden Tisch mit allen Beteiligten, von GLG, Ministerium, Ärzteschaft und Kommunalpolitik einberufen und eine Petition an die GLG-Geschäftsführung und den Kreistag Barnim verabschieden.

Gewerkschaft Verdi fordert das Land zum Handeln

Ivo Garbe von der Gewerkschaft Verdi fordert, dass die kommunalen Verantwortungsträger ihren Einfluss in der GLG geltend machen, um die geplanten Schließungen zu stoppen. Von der neu konstituierten Landesregierung aus SPD und BSW fordert Verdi finanzielle Unterstützung, um die Standorte mit ihrem bestehenden Leistungsangebot zu erhalten.

Prostet-Demo in Angermünde gegen die geplante Schließung der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus der GLG. 1.200 Menschen gingen am 19. Dezember 2024 auf die Straße.

Prostet-Demo in Angermünde gegen die geplante Schließung der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus der GLG. 1.200 Menschen gingen am 19. Dezember 2024 auf die Straße.

Daniela Windolff

Der überwältigende Protest in Angermünde wird nicht die letzte Aktion sein, war die Botschaft auf der Demo. Nicht nur die Stadt Angermünde, auch Prenzlau, dessen Krankenhaus ebenso von Schließungen betroffen ist, wird aufstehen.

Prenzlau kündigt ebenfalls Groß-Demo an

Prostet-Demo in Angermünde gegen die geplante Schließung der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus der GLG. 1.200 Menschen gingen am 19. Dezember 2024 auf die Straße. Im Podium sprach auch der Bürgermeister von Prenzlau, Hendrik Sommer.

Prostet-Demo in Angermünde gegen die geplante Schließung der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus der GLG.Auf dem Podium sprach auch der Bürgermeister von Prenzlau, Hendrik Sommer.

Daniela Windolff

Viele Prenzlauer kamen zur Demo nach Angermünde, auch Bürgermeister Hendrik Sommer. Er kündigte ebenfalls eine große Demo in seiner Stadt gegen die GLG-Pläne an und hofft da auf Unterstützung auch aus Angermünde. Großen Jubel der Angermünder Demonstranten kann er als Bestätigung mitnehmen.