Kultur: Leben am Fluss zwischen Stettin und Schwedt
Schwarze Rauchsäulen der Dampfer
Jahrhundertelang war die Oder zwar ein deutscher Strom, aber seit 1945 ist sie ein überwiegend polnischer Fluss. Menschen beidseits der Oder leben von ihm und mit ihm, das heißt auch mit den Hochwassern und Eisgängen. Bereits 1846 gab es eine Dampferverbindung von Stettin über Schwedt, Küstrin nach Frankfurt (Oder). Auch der Dichter Theodor Fontane hat den Oderstrom bereist und 1863 seine Erlebnisse so beschrieben: „Zwischen Frankfurt und Stettin ist während der Sommermonate ein ziemlich reger Dampfschiffverkehr. Die Rauchsäulen der Schlote ziehen ihren Schattenstrich über die Segel der Oderkähne hin.“
Anfang des 20. Jahrhunderts nahm das Verkehrsaufkommen auf der Oder an Fahrt auf. Während 1877 an der Steinauer Oderbrücke (heute Niederschlesien in Polen) nur sieben Dampfer gezählt wurden, stieg ihre Zahl um 1900 schon auf über 100 Schiffe an. 1913 war ein Rekordjahr. Da transportierte die Binnenschifffahrt auf der Oder neun Millionen Tonnen Güter. Dazu gehörten Salz und Baustoffe. Die Menschen verdienten sich als Hersteller dieser Güter ihren Lebensunterhalt sowie auch als Schiffer.
1905 wurde der Bau des Großschifffahrtsweges Berlin–Stettin beschlossen. Ein Jahr später begannen die Bauarbeiten bei Schwedt, und im Sommer 1914 wurde der Wasserweg unter dem Namen „Hohenzollernkanal“ für den Verkehr freigegeben. Dieser Kanal ist heute die Oder–Havel–Wasserstraße. Ihre Gesamtlänge beträgt einschließlich der Weiterführung durch die Hohensaaten–Friedrichsthaler–Wasserstraße 135 Kilometer.
Tausende Schiffe zerstört
Bis Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Oder als Reichswasserstraße geführt. Mit dem Vorrücken der Roten Armee wurde der Fluss zur Hauptkampflinie. 45 Brücken und tausende Schiffe, die die Lebensgrundlage vieler Menschen waren, wurden damals zerstört. Noch heute können Einheimische entlang der Oder von den letzten Kriegstagen erzählen. Günter Höppner aus Mescherin hat den Opfern jener Tage direkt vor seinem Haus am Fluss ein Denkmal gesetzt. Fahrer vom Oder–Neiße–Radweg und Spaziergänger kommen direkt daran vorbei.
Vortrag von Werner Lehmann in der Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Pavillon“ am 19. August, 18 Uhr, zum Thema „Knotenpunkt Stettin“. Karten nur im Vorverkauf im Stadtmuseum.




