Kunstwerk: Modell vom Schwedter Tor feierlich übergeben
Angermünde erhält sein 4. Stadttor zurück. Ein doppelter Turmvorbau vor der Stadtmauer soll die Stadt gen Osten vor unerwünschten Eindringlingen schützen. Dennoch wird dieses trutzige Tor zum sensiblen Nadelöhr. Durch eine List gelingt es den Markgräflichen, durch dieses Schwedter Tor in das von Pommern belagerte Angermünde einzudringen. Das war 1420, also vor fast 600 Jahren.
Das alte Stadttor an der Stadtmauer am heutigen Kaisergarten ist längst verschwunden. Doch an dieser Stelle ist es nun als Kunstwerk wieder auferstanden. Der Bildhauer Lars Wilhelm aus Stolpe hat das Schwedter Tor aus einem mächtigen Findling gehauen, als Kunstwerk nach den wenigen historischen Vorlagen und kreativer Fantasie. Es ist das nunmehr 4. und damit letzte Kunstwerk, das die mittelalterlichen Stadttore von Angermünde an den historischen Standorten modellhaft zeigt und damit das Denkmalensemble der Stadtmauer vollendet. Und so wurde die Einweihung selbst zu einem kleinen historischen Augenblick, an dem viele interessierte Angermünder teilhatten.
Biersteuer speiste Stadtsäckel
Nachdem Bürgermeister Frederik Bewer und Bildhauer Lars Wilhelm das Kunstwerk unter dem weißen Tuch enthüllten, unternahm Museumsleiter Ralf Gebuhr einen kleinen Exkurs in die Zeit des Mauerbaus. Im Mittelalter hatten Stadtmauern nicht nur eine wichtige Funktion als Schutzwall. Sie waren auch ein Prestigebauwerk, mit der Städte ihre Macht, ihren Reichtum und ihre besonderen Rechte repräsentierten. Die Städte finanzierten den Bau aus öffentlichen Steuern, vor allem der sogenannten Bierziese, der Biersteuer. Die brachte auch Angermünde mit zahlreichen Brau– und Schankrechten genug Geld ein, immerhin wurden im Mittelalter zwischen 500 und 1000 Liter Bier pro Kopf und Jahr gezecht. Zum Vergleich: Heute sind es um die 120 Liter. „Bier war ein Grundnahrungsmittel, mit dem auch gekocht wurde. Und so wie das Bier floss, bauten die Städte ihre Stadtmauern auch immer weiter aus, ergänzten sie mit Türmen und noch mächtigeren Toren“, erzählt Ralf Gebuhr. Das Kunstwerk des Schwedter Tors zeigt eine Nachbildung aus dem 15. Jahrhundert. Es wurde im Gegensatz zum Original zwar nicht aus Biersteuern bezahlt, jedoch ebenfalls aus dem öffentlichen Stadtsäckel. 15 000 Euro ließ sich Angermünde das Kunstwerk kosten, inklusive Transport und Montage des 3 Tonnen schweren Findlings, der übrigens ein „Abfallprodukt“ aus dem Erdgastrassenbau ist.
Für Kunst im öffentlichen Raum hat die Stadt ein eigenes Budget eingerichtet, das mit jährlich 10 000 Euro gespeist wird. Daraus wurden bisher nicht nur die vier Stadttormodelle finanziert, sondern auch andere Kunstwerke im Stadtgebiet angekauft, von der Hartgesteingalerie und der Lichtstele am Mündesee bis zu den Skulpturen am Kloster.
Geplant: Modell des Klosters
2008 wurde das erste Modell des Berliner Tors übergeben, 2010 folgte das Prenzlauer Tor an der Burg, 2012 das Seetor und nun 2019 das Schwedter Tor. 2020 wird hier übrigens an die Erstürmung des Schwedter Tores vor 600 Jahren erinnert. In Arbeit ist derzeit die Skulpturengruppe „Die Heiden von Kummerow“, die vor dem neuen Museum Platz finden soll. Perspektivisch geplant ist ein Modell der Klosteranlage.


