Lost Places Angermünde
: Neues Leben in alter Post Greiffenberg – Treffpunkt und Filmkulisse

Andere würden dankend ablehnen, ein Paar aus Berlin hingegen stellt sich der Herausforderung: Es rettet ein geschichtsträchtiges, fast 300 Jahre altes Denkmal in der uckermärkischen Provinz vor weiterem Verfall. Was plant das Pärchen?
Von
Jeanette Bederke
Greiffenberg
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  • Svea Weiß (r) und Rainer Schmitt stehen vor ihrem Haus der alten Post. Andere würden dankend ablehnen, das Paar aus Berlin hingegen stellt sich der Herausforderung: Es rettet ein geschichtsträchtiges, fast 300 Jahre altes Denkmal in der uckermärkischen Provinz vor weiterem Verfall und schafft für den Ort einen neuen Treffpunkt.

    Svea Weiß (r) und Rainer Schmitt stehen vor ihrem Haus der alten Post. Andere würden dankend ablehnen, das Paar aus Berlin hingegen stellt sich der Herausforderung: Es rettet ein geschichtsträchtiges, fast 300 Jahre altes Denkmal in der uckermärkischen Provinz vor weiterem Verfall und schafft für den Ort einen neuen Treffpunkt.

    Patrick Pleul/dpa
  • Blick auf das Gebäude der alten Post.

    Blick auf das Gebäude der alten Post.

    Patrick Pleul/dpa
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Wenn Svea Weiß und Rainer Schmitt Besucher durch die alte Post in Greiffenberg führen, ist ihnen die Begeisterung für das fast 300 Jahre alte Gebäude anzumerken. Im Inneren sind die meisten Fachwerk-Wände noch intakt und inzwischen von unzähligen Farbschichten befreit. Freigelegt haben sie die alten Holzdielen und altertümlichen Kachelöfen. Stolz sind die Neu-Greiffenberger auf die alte Kneipe gleich neben den früheren Posträumen. „Der Tresen ist noch original, hintendran eine Küche. Hier haben wir schon Partys gefeiert – mit Freunden und Nachbarn“, erzählt Schmitt.

Vor 13 Jahren hatten die beiden aus Hessen und Rheinland-Pfalz stammenden Wahl-Berliner erstmals eine Fahrradtour durch die Uckermark gemacht. „Wir interessierten uns aber nicht nur für malerisch blühende Mohnfelder, sondern suchten nach den Geschichten dieser Region“, erinnert sich der hauptberufliche Kameramann und Filmemacher Schmitt.

Menschen, die gern ihre Heimat sprechen

Sie hätten damals Menschen getroffen, die gern über ihre Heimat und Herkunft, die Erlebnisse seit der Wende sprachen. Zwei Jahre lang reifte bei ihm die Idee, diese Geschichten filmisch zu dokumentieren. „Über eine Crowdfunding-Kampagne haben wir die ersten Streifen 2014 finanziert“, sagt der 45-Jährige.

Damals pendelten die studierte Philosophin und der Diplom-Geograf, für die Aufnahmen aus Berlin in die Uckermark, dachten noch gar nicht daran, der Großstadt dauerhaft den Rücken zu kehren. Weiß arbeitet in einem Architekturbüro, Schmitt dreht Werbe- und Imagefilme. Er bekam zunehmend auch Aufträge in der Uckermark, beispielsweise für die Stadt Angermünde, deren Ortsteil Greiffenberg ist.

Schmitt dreht Filme für das Museum in Angermünde

„Die beiden sind geschichtlich sehr interessiert, bringen viel Vorwissen mit, hören aber auch gut zu“, lobt der Angermünder Regionalhistoriker und Leiter des Stadtmuseums „Haus Uckermark„, Ralf Gebuhr. Schmitt habe für die Internetseite des Museums Filme über die alte Mälzerei und den Angermünder Marktplatz gemacht.

„Wir wollten schließlich doch in der Uckermark eine neue Heimat finden, haben uns jahrelang vieles angeschaut, doch meistens gab es bei den Objekten einen Haken“, erzählt Weiß von ihren Erfahrungen. Für sie und Schmitt sollte es nicht irgendwo in die Abgeschiedenheit gehen und das Haus sollte so groß sein, dass es auch Platz für gemeinschaftliche Arbeitsräume sowie Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste bietet.

Trotz des Sanierungsaufwands waren Schmitts sofort begeistert

Durch Zufall entdeckte sie ein Verkaufsinserat für die alte, unter Denkmalschutz stehende ehemalige Post Greiffenberg im Internet. Während andere spätestens beim Besichtigungstermin angesichts des sichtbaren Sanierungsaufwandes dankend abgelehnt hätten, waren Weiß und Schmitt sofort begeistert.

„Das Dach war erst in den 1990ern saniert worden und damit dicht, das Mauerwerk ist intakt. Zum Anwesen gehört ein Hektar Garten mit zwei Teichen, alten Obstbäumen, einem Gewächshaus. Und wir konnten in ein Nebengebäude sofort einziehen“, beschreibt der Filmemacher, der sich sofort vorstellen konnte, die filmischen Uckermark-Geschichten an diesem Ort mit der Historie der alten Post zu kombinieren.

2020 zog das Paar nach Greiffenberg

2018 unterschrieben die beiden den Kaufvertrag, zwei Jahre später zogen sie ganz nach Greiffenberg. Mut gemacht haben ihnen dabei Architektin Kiri Westphal und Zimmermann Mats Ciupka, die als „Häuserretter“ bekannt wurden, weil sie sich seit 30 Jahren für den Erhalt alter, fast vergessener Gebäude engagieren, vor allem in der Uckermark. „Alles, was steht, ist zu retten„, lautet ihr Credo.

„Man braucht einen langen Atem, muss viel selbst machen, um so ein Häuserprojekt finanziell stemmen zu können – aber es ist machbar“, sagt Ciupka. Insofern würden Weiß und Schmitt es genau richtig machen – ohne Hektik, Schritt für Schritt und harmonisch. „An dem Gebäude ist nirgendwo Gefahr im Verzug, da bricht nichts zusammen. Sie können sich getrost auf den Innenausbau konzentrieren“, sagt der Fachmann, der sich die alte Post genauer angesehen hat und gern andere unterstützt, die sich wie er und seine Partnerin geschichtsträchtiger Häuser annehmen. „Wir haben Sanitärfachmann, Dachdecker und Tischler im Freundeskreis“, erzählt Schmitt, der auch dankbar ist für die Unterstützung aus der Greiffenberger Nachbarschaft, die er einen „Glücksfall“ nennt.

Filmische Hommage an Greiffenberg

Der 45-Jährige hat – mit finanzieller Unterstützung von Landkreis und Stadt – eine filmische Hommage an Greiffenberg gedreht, dafür die Einheimischen befragt. „Wenn ein bisschen mehr los wäre“ nennt sich der 45-Minuten-Streifen, der seine Premiere in der alten Post hatte und sicherlich auch eine Art „Türöffner“ für die Zuzügler in der neuen Heimat war.

„In und um Greiffenberg gibt es viele Geschichtsinteressierte – den Mühlenverein oder den Verein zur Erhaltung und Rekultivierung alter Nutzpflanzen. In dieses Umfeld passen Weiß und Schmitt perfekt hinein“, ist der Angermünder Museumsleiter Gebuhr überzeugt. Was bei den Greiffenbergern offenbar auch ankommt, sind die Pläne der neuen Post-Eigentümer. Der einstige Mittelpunkt des Ortes soll es auch wieder werden.

Treffen in der „alten Kneipe“

„Einen öffentlichen Treffpunkt gibt es in Greiffenberg schon lange nicht mehr – weder ein Gasthaus noch ein Café“, weiß Schmitt. Lesungen und Ausstellungen haben er und seine Partnerin bereits veranstaltet. Die soll es künftig regelmäßig geben, wenn auch keinen regulären Gaststättenbetrieb.

„Die alte Kneipe bei uns im Haus kennen noch viele, da hängen Erinnerungen dran. Deswegen wollen wir sie auch kaum verändern, aber für unterschiedlichste Veranstaltungen nutzen“, sagt Weiß, wohl wissend, dass der geschichtsträchtige Gebäudekomplex ihr „Lebensprojekt“ ist.

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