Medizin
: Kaiserschnitt kein Königsweg

Nur noch 29 Prozent aller Kinder werden in Schwedt per Kaiserschnitt geboren. Früher war es bis 47 Prozent.
Von
Dietmar Rietz
Schwedt
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  • Frisch geboren: Im Asklepios Klinikum Uckermark sind die Kaiserschnitt-Geburten deutlich zurückgegangen. Früher kam fast jedes zweite Kind so zur Welt. Von den 2019 geborenen 113 Babys sind es nur 29 Prozent. Prognose: Es wird noch mehr natürliche Geburten geben.

    Frisch geboren: Im Asklepios Klinikum Uckermark sind die Kaiserschnitt-Geburten deutlich zurückgegangen. Früher kam fast jedes zweite Kind so zur Welt. Von den 2019 geborenen 113 Babys sind es nur 29 Prozent. Prognose: Es wird noch mehr natürliche Geburten geben.

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  • Dr. Anne Manthey: Oberärztin auf der Gynäkologie des Asklepios Klinikums

    Dr. Anne Manthey: Oberärztin auf der Gynäkologie des Asklepios Klinikums

    Dietmar Rietz
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Jedes dritte Kind in Deutschland wird per Kaiserschnitt geboren. In Brandenburg jedes vierte. Am Asklepios Klinikum Uckermark war es in Hochzeiten sogar fast jedes zweite. Der Trend schien unaufhaltsam: Immer mehr Frauen ließen einen Kaiserschnitt auf eigenen Wunsch vornehmen.

Das hat sich geändert, sagt Dr. Anne Manthey, Oberärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtsthilfe. Nur noch 29 Prozent aller Kinder werden in Schwedt nach ihrer Statistik im ersten Quartal 2019 in Schwedt per Kaiserschnitt entbunden. Der Kaiserschnitt ist nicht mehr der Königsweg.

Dr. Anne Manthey arbeitete seit 2009 am Asklepios Klinikum Uckermark in Schwedt. Die Klinik stand über Jahre in der Kritik, außergewöhnlich viele Geburten per Kaiserschnitt  zu realisieren. Zuletzt erst wieder von der Initiative zur Verbesserung der Geburtshilfe. 47 Prozent aller Geburten sollen per Kaiserschnitt von den Schwedter Asklepios-Ärzten bewirkt worden sein. Jahrelang hatte das Krankenhaus in der deutsch-polnischen Grenzregion den Ruf eines Kaiserschnitt-Krankenhauses.

Beim Kaiserschnitt wird das Kind mit einem chirurgischen Eingriff aus dem Bauch der Mutter geholt, erklärt Dr. Manthey. Dabei werden Bauchdecke und Gebärmutter der Schwangeren mit einem Schnitt geöffnet, um das Kind direkt aus der Gebärmutter auf die Welt zu holen. Die Schnittentbindung selbst ist aufgrund der Betäubung zwar schmerzfrei, nach der Operation ist jedoch mit länger anhaltenden Wundschmerzen zu rechnen. Der Klinikaufenthalt danach dauert in Schwedt vier Tage.

Warum ist in Schwedt in Spitzenzeiten fast jedes zweite Kind per Kaiserschnitt zur Welt gebracht worden? Dr. Anne Manthey: „Es gab viele Führungswechsel. Ich bin hier seit Anfang 2017 Oberärztin. Vorher war die Geburtshilfe relativ operativ ausgerichtet. Es gibt selbstverständlich Situationen, in denen ein Kaiserschnitt unumgänglich ist, um das Leben von Mutter und Kind zu schützen“, sagt Oberärztin. Aber auch bei Risikosituationen wie Beckenendlage, Zwillingsgeburt oder einem vorherigen Kaiserschnitt, bei denen eine natürliche Geburt im Prinzip trotzdem möglich ist, sei es damals häufig zum Kaiserschnitt gekommen.

Weshalb? Das hing wohl auch mit der Zunahme an Risikoschwangerschaften aufgrund des erhöhten Alters der gebärenden Frauen zusammen – und deren Angst vor Geburtsschmerzen. Auch mit der zunehmenden Größe der Kinder und vielem anderen mehr.

Die DAK hatte jedoch schon vor Jahren darauf hingewiesen, die individuelle Risikobewertung der Geburtshelfer wäre am Ende ausschlaggebend. Denn in Deutschland gebe es keine einheitlichen Richtlinien, wann ein Kaiserschnitt notwendig ist.

Trotzalledem werden heute in Schwedt wieder mehr als 70 Prozent der Kinder auf natürlichem Wege geboren. Wie wurde das erreicht? "Wir beraten schwangere Frauen intensiv in der Geburtssprechstunde ab sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin“, sagt Dr. Manthey. „Wir schauen uns die Geschichte der Schwangeren genau an, erkunden etwaige Risikofaktoren und planen gemeinsam den risikoärmsten Geburtsweg. Dabei können wir den Frauen viele Ängste nehmen.  Gute Beratung, das Kennenlernen der Ärzte und der Möglichkeiten unseres Kreißsaals lassen das Pendel in Richtung natürliche Geburt schwingen.“ Zu den Freitagssprechstunden von Dr. Anne Manthey muss man sich mittlerweile wieder vorher anmelden. Sie sind gefragt bei werdenden Müttern.

Wie kam der Kaiserschnitt zu seinem Namen?

Der römische Schriftsteller Plinius der Ältere hat behauptet, der römische Herrscher Julius Caesar sei aus dem Bauch seiner Mutter geschnitten worden. Caesar heißt übersetzt Kaiser. So kam der Kaiserschnitt zu seinen Namen. Der Mediziner François Rousset schlug 1581 einen Kaiserschnitt bei lebenden Schwangeren vor. In Deutschland führte ihn Jeremias Trautmann erstmals am 1610 in Wittenberg durch. Den ersten modernen Kaiserschnitt nahm 1881 der deutsche Gynäkologe Ferdinand Adolf Kehrer vor. Er schnitt Bauchdecke und Gebärmutter erstmals nicht von oben nach unten, sondern quer, und vernähte die Gebärmutter fest mit dem Bauchfellüberzug.⇥red