Medizin
: Schnellere Hilfe bei Atemnot in Angermünde

In den Krankenhäusern der GLG in Angermünde werden nicht erst seit Corona Fachmediziner gegen Atemnot eingesetzt.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
Jetzt in der App anhören
  • Funktionstest der Lunge: Die Atmungstherapeuten Thoralf Abel (l.) und Andreas Talkowsky betreuen eine Patientin im Angermünder Krankenhaus. Sie haben beide eine Zusatzqualifikation zu Atmungstherapeuten absolviert.

    Funktionstest der Lunge: Die Atmungstherapeuten Thoralf Abel (l.) und Andreas Talkowsky betreuen eine Patientin im Angermünder Krankenhaus. Sie haben beide eine Zusatzqualifikation zu Atmungstherapeuten absolviert.

    Daniela Windolff
  • Offen für Neues: Der Chefarzt des Angermünder Krankenhauses bietet auch Videosprechstunden an.

    Offen für Neues: Der Chefarzt des Angermünder Krankenhauses bietet auch Videosprechstunden an.

    Daniela Windolff
1 / 2

Diese Strategie fährt die gesamte GLG, zu der das Angermünder Krankenhaus gehört. Die Ausbildung zum Atmungstherapeuten ist noch relativ jung und sehr anspruchsvoll. Atmungstherapeuten betreuen die Technik ebenso professionelle, wie die Patienten, um die nicht unerheblichen Risiken, die eine künstliche Beatmung mit sich bringt, so gering wie möglich zu halten.

Erst 2005 wurde das Berufsbild des Atmungstherapeuten in Deutschland eingeführt. Derzeit gibt es nur rund 600 dieser Fachkräfte bei aktuell deutschlandweit 1956 Krankenhäusern. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach diesen Spezialisten.

In den GLG Krankenhäusern in Angermünde und Eberswalde haben zwei Pfleger diese Qualifikation erworben. Andreas Talkowsky und Toralf Abel haben die erforderliche zweijährige berufsbegleitende Weiterbildung erfolgreich absolviert. „Wir wollen mit unserer Weiterbildung zu einer modernen, zeitgemäßen Therapie und einer Verbesserung der Behandlungsqualität in den GLG–Krankenhäusern beitragen“, sagt Andreas Talkowsky. Er arbeitet im Krankenhaus Angermünde, Toralf Abel im Werner Forßmann Klinikum Eberswalde. Hier stehen für die Atmungstherapeuten die Patienten auf Intensivtherapiestationen im Vordergrund. Im Krankenhaus Angermünde sind es Patienten mit Lungenkrankheiten, auf die sich die Klinik unter Leitung von Dr. Christoph Arntzen spezialisiert hat. Die Verbindung der Kompetenzen ermöglicht somit im gesamten GLG–Verbund eine Therapie beatmungspflichtiger Patienten nach neuestem Stand.“

Dr. Arntzen erklärt, wann ein Patient künstlich beatmet werden muss:  "Wenn die Spontanatmung für die Versorgung seines Organismus mit Sauerstoff nicht mehr ausreicht, muss der Betroffene beatmet werden. In einer Erste–Hilfe–Situation erfolgt dies durch direkte Atemspende, in der Notfallmedizin oft per Beatmungsbeutel und in der Intensivmedizin mittels verschiedener  Beatmungsgeräte. Diese können die Atmung des Patienten unterstützen oder gänzlich ersetzen.“ Bei einer kompletten Atemlähmung zum Beispiel kann das Atemzentrum die Muskeln des Zwerchfells nicht mehr aktivieren. Daraus entsteht unter Umständen eine lebenslange Beatmungspflicht.

Für sie gibt es inzwischen entsprechende Intensivpflege–Einrichtungen, zum Beispiel in der Intensivpflege–Wohngemeinschaft im Pflegecampus Angermünde, wo bedürftige Beatmungspatienten rund um die Uhr durch einen ambulanten Pflegedienst betreut werden.

Entwöhnung von Maschinen

Eine weitere Aufgabe von Atmungstherapeuten ist die Begleitung der Patienten bei der Entwöhnung von der Beatmungsmaschine, dem sogenannten Weaning. Je länger ein Patient beatmet wurde, desto schwieriger kann sich der Entwöhnungsprozess gestalten, so Dr. Arntzen. Vielen Kliniken fehlen für ein umfassendes Weaning die Strukturen und das Personal. Gerade dies ist aber ein  wichtiger Aspekt für die Patienten mit entscheidendem Einfluss auf die Lebensqualität.

Auch die ausführliche Information und Beratung der Patienten gehören dazu. „Jeder weiß, wie bedeutsam die Atmung für das Wohlbefinden ist, welche Existenzängste Atembeschwerden und Atemnot mit sich bringen“, sagt Dr. Christoph Arntzen. „Darum ist es umso wichtiger, dass die Patienten einfühlsame und hochkompetente Ansprechpartner haben, denen sie vertrauen können.“