Mordkommission
: Polizei in Schwedt nimmt Speichelproben zur Aufklärung des Babytods

Kripo und Staatsanwaltschaft wollen mit DNA-Abgleich die Mutter des im Kanal gefunden toten Säuglings identifizieren.
Von
Oliver Schwers
Schwedt
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Dauert nicht lange: Ein Polizist nimmt eine Speichelprobe. 138 Frauen in und um Schwedt hat die Polizei zu einem freiwilligen Test gebeten. (Symbolbild)

picture alliance / Sven Hoppe/dpa

Der tote Säugling, ein Mädchen, war am 22. März von Spaziergängern durch Zufall an einem Wehr an der Teerofenbrücke an der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße gefunden worden. Wie die Obduktion ergeben hat, soll das Neugeborene lebensfähig gewesen sein. Warum es ins Wasser geworfen wurde und welche Umstände dazu führten, muss die Mordkommission klären.

Nach intensiver Suche mit Einsatz von Polizeitauchern und Suchtrupps am Fundort und entlang des Kanalufers bis zur Schwedter Querfahrt gab es keine Hinweise oder Fundstücke, die zur Aufklärung beitragen könnten. Nach einem Zeugenaufruf meldeten sich verschiedene Menschen. Insgesamt geht die Polizei 27 Hinweisen nach.

In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Neuruppin geht die Kripo nun zu einer Speichelprobe über. Der Test soll helfen, die Mutter identifizieren zu können und dann mit ihrer Unterstützung die Umstände des Todesfalls zu ermitteln.

Genau 138 Frauen haben dazu eine Aufforderung der Mordkommission erhalten, sich auf dem Schwedter Polizeirevier zu melden. Die Sache ist vollkommen freiwillig. Sie diene dem Ziel, die Angeschriebenen "als potentielle Mutter des Säuglings auszuschließen“, heißt es in dem Schreiben. Die Beamten setzen auf ein hohes Maß an Freiwilligkeit und hoffen auf die Unterstützung bei der Aufklärung des Tötungsdelikts.

Ausgewählt wurden die Frauen auf der Basis eines Rasters. Man geht davon aus, dass es sich bei der Mutter um eine junge Frau handelt, die in der Nähe des Fundortes beheimatet ist.

UPDATE, 18.08.2020: Speichelproben nach Fund von Babyleiche in Schwedt bisher negativ

Suche nach Zeugen geht weiter

Die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus. Allerdings gestalten sich die Ermittlungen äußerst schwierig. Der leblose Säugling hat schon längere Zeit im Wasser gelegen, weshalb der Todeszeitpunkt wie auch der Geburtszeitraum nur schwer datierbar sind. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Baby an anderer Stelle ins Wasser gelangte und erst später an der Teerofenbrücke ans Ufer trieb. Der Todeszeitpunkt liegt zumindest einige Wochen zurück. Deshalb sucht die Kripo weiter nach möglichen Zeugen, die zwischen dem 1. Januar und dem 22. März im Bereich der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße zwischen Schwedt und Friedrichsthal Personen- oder Fahrzeugbewegungen wahrgenommen haben, welche mit dem toten Säugling in Verbindung stehen könnten. Das Gelände ist dort wenig frequentiert. Allerdings könnten Angler, Radfahrer, Spaziergänger oder Jogger durchaus etwas bemerkt haben. Entsprechende Aufrufe sind auch an den Brücken rund um den Fundort befestigt worden.

Mögliche Hinweise könnten auch Menschen geben, die in dem genannten Zeitraum eine schwangere Frau wahrgenommen haben, deren Schwangerschaft zwar beendet ist, bei der aber ganz offensichtlich kein Baby lebt.

Erster Fall wurde nie geklärt

Schon einige Jahre zuvor hat es einen ähnlichen Fall ganz in der Nähe direkt in Friedrichsthal gegeben, als ein frisch geborenes totes Baby in einer schwarzen Plastiktüte einfach auf einem Wiesenstück abgelegt wurde. Beide Fälle haben aber offenbar nichts miteinander zu tun, wie der DNA-Vergleich ergab. Auch damals haben die Kriminalisten intensiv nach der Mutter gesucht und sie bis heute nicht gefunden.

Sachdienliche Hinweise zu dem Fall nimmt weiterhin die Polizei in Prenzlau unter der Telefonnummer 03984 350 entgegen, auch vertraulich.