Nachwuchs-Werbung
: Mit Ködern auf Nachwuchssuche

Vier Unternehmen und die Angermünder Stadtverwaltung stellten am Einstein-Gymnasium ihre Ausbildungsmöglichkeiten vor.
Von
Kerstin Unger
Angermünde
Jetzt in der App anhören

Interesse geweckt: Nach der Vorstellung von Ausbildungsmöglichkeiten durch Unternehmensvertreter konnten die Eltern und Schüler einiges an Informationsmaterialien mit nach Hause nehmen.

Kerstin Unger

Kürzlich stellten sich Brandenburger Universitäten und Hochschulen mit ihren Studienrichtungen am Einstein-Gymnasium vor. Jetzt warben regionale Unternehmen in einer Informationsveranstaltung für ihre Ausbildungsberufe.

Das Einstein-Gymnasium will seinen Schülern neben dem notwendigen Wissen auch die besten Tipps für den weiteren Weg zum Wunschberuf mitgeben. Deshalb hatten Jugendliche und ihre Eltern die Möglichkeit, mehr über Ausbildungsmöglichkeiten und Berufschancen in der Region zu erfahren. Vertreter führender Unternehmen, der Angermünder Stadtverwaltung und des Angermünder Bildungswerkes sprachen über ihre Ausbildungsberufe sowie die Erwartungen an künftige Azubis.

Nie sei die Situation für Bewerber so exzellent gewesen wie jetzt, erklärte PCK-Personalleiter Jens Haselow. „60 bis 80 Mitarbeiter gehen jährlich in den Ruhestand. Wir brauchen gute junge Bewerber. Auch unsere Vertragspartner brauchen Auszubildende.“ Rund 400 Chemikanten hat das Schwedter Spitzenunternehmen. Nach dem Abschluss der zehnten Klasse lernen Schulabgänger dreieinhalb  oder verkürzt drei Jahre. Die betriebliche Ausbildung erfolgt vor Ort, die Schulausbildung am Oberstufenzentrum. Es winken eine unbefristete Übernahme, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind sowie Entwicklungsmöglichkeiten zum Meister oder Techniker beispielsweise, ein Studium. Auch Industriemechaniker und Elektroniker werden ausgebildet. Außerdem bietet PCK duale Studiengänge zum Bachelor of Engeneering im Maschinenbau oder Automatisierungstechnik an. Die Weiterbildung zum Master ist obligatorisch. Naturwissenschaftliche Kenntnisse seien gefragt, aber auch die Liebe zum Fach Mathematik, berichtete Jens Haselow. „Hier gibt es die meisten Probleme und Durchfaller.“

Mit demografischen Problemen hat auch die Schwedter Papierfabrik Leipa zu kämpfen, berichtete Ausbildungsleiter Rüdiger Mägel. Seit rund 20 Jahren bildet das Unternehmen weit über dem Bedarf aus. Das zahle sich aus, viele ehemalige Azubis kämen jetzt zurück. Er sprach von vielen Möglichkeiten, in der Region Fuß zu fassen. Leipa bildet zum Beispiel Kaufleute für Büromanagement, Berufskraftfahrer, Elektroniker, Fachkräfte für Lagerlogistik oder Fachinformatiker aus. Auch Abiturienten seien willkommen, die über das Unternehmen ein Bachelorstudium machen können.

Gleich 18 Ausbildungsberufe hat der GLG-Verbund in seinen vier Hauptstandorten und elf Tochtergesellschaften zu bieten. Neu ist ab 1. April die Ausbildungsrichtung Anästhesietechnische Assistenz. „Es ist ein ganz neues Berufsbild“, berichtete Robert Schindler, stellvertretender Pflegedirektor des Konzerns. Sogar Entbindungspfleger könnte man lernen. „Wir haben aber noch nie einen ausgebildet“, verriet er. Ab 2020 gibt es weitere Neuerungen: Mit der generalistischen Pflegeausbildung, die europaweit anerkannt wird, seien die Berufsmöglichkeiten noch vielseitiger. Auch ein Pflegestudium ist möglich. „Wir haben Bedarf an potenziellen Pflegekräften für die nächsten Jahre. Sie werden nicht nur für die Patienten gebraucht, sondern auch für deren Angehörige, für assistierende Arbeiten, selbstständige Diagnostik und Therapie“, sagte Robert Schindler, der selbst vor einigen Jahren Abiturient des Einstein-Gymnasiums war und von eigenen Erfahrungen berichten konnte. Ab dem dritten Ausbildungsjahr gebe es Arbeitsangebote für eine unbefristete Vollzeitbeschäftigung. Die GLG wird sich am 21. März auch bei der Eberswalder Berufsmesse präsentieren . Die Krankenhäuser in Prenzlau, Angermünde und Eberswalde sind zudem am 28. März beim brandenburgischen Zukunftstag dabei.

Die Stadtverwaltung Angermünde bildet zwar nur jährlich einen Azubi als Verwaltungsfachangestellte/n aus, aber Christin Türpe warb sich dennoch für diesen Job, der fairen Lohn, gute Karrierechancen, feste Urlaubsansprüche und Arbeitszeiten biete. Die Ausbildung erfolgt im dualen System in der Stadtverwaltung und im OSZ in Bernau. Neben guten Leistungen brauche man Liebe zum Gesetz und zum Lesen, müsse man teamfähig und zuverlässig sein.

Susanne Jihlaweg, Mitarbeiterin der Servicestelle Verbundausbildung und des Projektes „Stark in Ausbildung“ beim Angermünder Bildungswerk machte auf die vielen unbesetzten Stellen im Handwerk aufmerksam. "Von über 1000 Stellen in Uckermark und Barnim sind rund 300 nicht besetzt“, sagte sie. Klein- und Kleinstunternehmer suchen Nachfolger. Die Personalnot führt mitunter zum Ködern. Viele Firmen zahlen Gehälter nach Tarifgehalt, Kostenübernahme für den internationalen Führerschein, Wohnung oder Mobilticket, aber auch Zusatzqualifikationen, Sprachzertifikaten und Teilleistungen für die Meisterausbildung während der Ausbildung. Es gäbe aber auch im Handwerk duale Studiengänge.

Susanne Jihlaweg riet zu Praktika in Betrieben, der die Jugendlichen wirklich interessiert. Und bei den kostenlosen Future-Camp im Sommer werden zukunftsorientierte Berufe vorgestellt.

Einige Ideen könnten für die Jugendlichen dabei gewesen sein. Diese Informationsveranstaltungen am Einstein-Gymnasium sollen beibehalten und öffentlich gemacht werden. „Wir wollen eine breit aufgestellte Berufs- und Studienorientierung und deshalb im nächsten Jahr auch andere Unternehmen einladen“, erklärte der dafür verantwortliche Sport- und Physiklehrer Markus Krabisch.