Nationalpark: Wo bleiben die Singschwäne im Unteren Odertal?

Singschwäne im Nationalpark Unteres Odertal
Oliver VoigtHerr Treichel, warum fallen die Singschwantage aus?
Ganz einfach, weil wir in diesem Jahr nur wenige Singschwäne vor Ort haben und nicht garantieren können, dass die Besucher an den Singschwantagen auch Exemplare zu Gesicht bekommen. Da wäre die Enttäuschung groß, das wollen wir vermeiden.
Warum meiden die Vögel die Region?
Die Oderauen sind ein wichtiges Überwinterungsgebiet für Singschwäne. Sie brauchen ein gutes Nahrungsangebot und flache überflutete Bereiche als Rückzugszonen in der Nacht. Als natürliche Feinde haben sie beispielsweise den Wolf zu fürchten, zuweilen auch den Fuchs. Diese Bedingungen finden sie im Nationalpark nur, wenn die Oder wie meistens im Winter Hochwasser führt und die Auen überschwemmt sind. Das ist in diesem Jahr nicht der Fall. Und wenn ich mir die Pegel im oberen Verlauf anschaue und die Wetteraussichten, wird sich das kurzfristig auch nicht mehr ändern. Aktuell halten sich die Singschwäne eher im Bereich der Ostseebodden auf.
Ist dies das Aus der Singschwantage?
Ich habe die Hoffnung, dass die Flussauen trotz der klimatischen Veränderungen in den kommenden Jahren wieder stärker überflutet sind. Das Format habe ich selbst mit entwickelt. Denn mit den Singschwänen haben wir ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Das ist es, was die Leute sogar aus Berlin angezogen hat.
Wird es künftig noch Singschwantage geben?
Wir wollen das Format nicht dauerhaft absagen. Im Zweifelsfall würden wir uns aber andere Themen überlegen, um auch im Winter Touristen anzuziehen.
