Oldtimer
: Staatskarossen in der Angermünder Tatra-Galerie

In ihrer neuen Ausstellung dokumentiert Iris Riesebeck die Zeitgeschichte rund die beliebte tschechische Automarke.
Von
Oliver Schwers
Angermünde
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Die Welt der Tatras: Iris Riesebeck führt durch die neue Ausstellung in der Tatra-Galerie Angermünde.

Stefan Csevi

Auf der Suche nach der Seele alter Tatra-Automobile ist Iris Riesebeck. Denn Oldtimer dokumentieren nicht nur als erhalten gebliebene Fahrzeug die Technikgeschichte. Vielmehr können sie Auskunft geben über ihre Zeit, über den Geschmack vergangener Jahrzehnte, über ihre Besitzer und Einsatzzwecke.

Mit ihrer neuen Ausstellung in der Angermünder Tatra-Galerie hat Iris Riesebeck in ihrem Fundus gestöbert und alte Fahrzeugbriefe ausgepackt. Da ist der Tatra 603, gebaut 1975 und eingesetzt für den Fahrdienst der SED-Bezirksleitung Neubrandenburg. Vier Jahre später mustern ihn die Genossen aus. Der stolze Wagen geht danach zum VEB Lausitzer Glas nach Weißwasser. Später gelangt er in Privatbesitz.

„Mir ist dabei bewusst geworden, wieviel menschliche Geschichten dahinter stecken“, sagt Iris Riesebeck zur Eröffnung inmitten vieler Tatra-Freunde und Besucher. „Man muss sich versuchen vorzustellen, was so ein Wagen erlebt hat.“ Leider berichten die chromglänzenden Luxus-Karossen der tschechischen Nobelmarke nichts selbst. Und so bleibt den Oldtimerliebhabern immer nur die Suche nach den Details. Einer bringt ein Buch mit Dokumentationen vorbei. Ein anderer lichtet einen zufällig geretteten Fahrzeugbrief von 1946 ab. Der Wagen dazu ist längst verschrottet. Das Neufahrzeug kostet nach dem Krieg 70 000 Kronen.

Nach Deutschland gelangt ist auch der Dienstwagen der Chefetage der Zeitung Rudé právo, dem Zentralorgan der kommunistischen Partei der Tschechoslowakei.

Das Material in der Tatra-Galerie nimmt ständig zu. Fotos, Embleme, Poster, Zeichnungen, selbst Spielzeug belegen Wände, Vitrinen und Schränke. Und mittendrin die Ausstellung der gepflegten Typen aller Epochen, etliche im Originalzustand. Draußen biegen die sanft wiegenden Karossen auf den Parkplatz ein. Passanten bleiben stehen und schauen hinterher. Der Tatra schafft es bis heute, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. „Es ist heute unvorstellbar, wie viele Menschen mit sehr einfachen Mitteln vor Jahrzehnten Fahrzeuge produzierten, die immer noch zu Oldtimerveranstaltungen gefahren werden“, so Iris Riesebeck.