One Billion Rising 2026
: Angermünde tanzt gegen Gewalt an Frauen und Kindern

Angermünde beteiligt sich schon seit zehn Jahren an dem weltweiten Protest One Billion Rising, um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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One Billion Rising 2026 in Angermünde: Mädchen der Tanzgruppen der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde tanzten als Ausdruck des Protestes gegen Gewalt an Frauen und Kindern und als Zeichen der Solidarität. Die Aktion gegen Gewalt an Frauen und Kindern fand erstmals auf dem Rewe-Parkplatz statt.

One Billion Rising 2026 in Angermünde: Mädchen der Tanzgruppen der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde tanzten als Ausdruck des Protestes gegen Gewalt an Frauen und Kindern und als Zeichen der Solidarität. Die Aktion gegen Gewalt an Frauen und Kindern fand erstmals auf dem Rewe-Parkplatz statt.

Daniela Windolff
  • Angermünde tanzt seit zehn Jahren bei One Billion Rising gegen Gewalt.
  • 2026 fand die Aktion erstmals auf dem Rewe-Parkplatz statt.
  • Christina Greßmann führt das Projekt mit Tanzgruppen der Musikschule.
  • Genannt wurden Zahlen: 135.713 betroffene Frauen 2024, 132 getötet.
  • Über 1.000 Euro Spenden für das Frauenhaus Schwedt; Motto 2026: „Women on Fire – Ni una menos“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In Angermünde wurde ein Supermarkt-Parkplatz zur Tanzbühne. Musik lockte viele Zuschauer an. Bei eisigem Wetter tanzten Mädchen und Frauen unter freiem Himmel. Luftballons wippten im Februarwind, Lachen mischte sich mit Tränen. Doch das war keine normale Tanzshow, es war One Billion Rising, die größte Protestdemo der Welt gegen Gewalt an Frauen und Kindern. Was steckt dahinter?

Überall auf der Welt, in über 200 Ländern, erheben sich am 14. Februar, dem Valentinstag der Verliebten, Menschen, um gegen die Unterdrückung, gegen patriarchalische, physische, psychische und sexuelle Gewalt an Frauen und Kindern zu kämpfen. Mit gemeinsamem Tanzen geben sie Betroffenen eine Stimme, ein Gesicht. In Deutschland haben sich in diesem Jahr 149 Städte und Gemeinden der Initiative One Billion Rising angeschlossen und es werden jedes Jahr mehr.

Angermünde beteiligt sich bereits seit zehn Jahren an dieser globalen Aktion, als bisher einzige Kommune im Landkreis Uckermark. Hinter One Billion Rising in Angermünde steht Initiatorin Christina Greßmann, Tanzlehrerin an der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde, die über die Jahre ein festes Projektteam engagierter Frauen und Mädchen aufbauen konnte und auch ihre Kinder- und Jugendtanzgruppen der Musikschule dafür begeistert.

Rewe in Angermünde unterstützt die Aktion

Doch das Tanzen ist an diesem Tag keine normale Show der fröhlichen Stimmung, es ist ein Aufschrei und ein kraftvolles Zeichen solidarischer Verbundenheit aller Mädchen und Frauen. Es zeigt Lebensfreude, aber mit einem bitteren Beigeschmack, denn diese Aktion erinnert an Tausende Frauen und Kinder, denen diese Lebensfreude verwehrt wird oder die sogar ihr Leben verlieren durch häusliche Gewalt, sexuellen Missbrauch und Femizide.

One Billion Rising 2026 in Angermünde: Die Tanzgruppen der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule unter Leitung von Christina Greßmann (links) machen auf alltägliche Gewalt gegen Frauen und Kinder aufmerksam und wollen symbolisch das Schweigen brechen.

One Billion Rising 2026 in Angermünde: Die Tanzgruppen der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule und das OBR-Projektteam unter Leitung von Christina Greßmann (links) machen auf alltägliche Gewalt gegen Frauen und Kinder aufmerksam und wollen symbolisch das Schweigen brechen.

Daniela Windolff

Das Thema ist nicht weit weg, es passiert auch hier hinter verschlossenen Haustüren, im Netz oder ganz offen und brutal, wie das Tötungsdelikt an einer jungen Frau in Biesendahlshof 2025 zeigte. Täter war der Ex-Freund.

Das machte Initiatorin Christina Greßmann bei der diesjährigen One Billion Rising-Aktion in Angermünde deutlich. Diese fand erstmals mit Unterstützung des Rewe-Marktes auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums statt. Sie konfrontierte die Zuschauer mit schockierenden Zahlen: „Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 135.713 Frauen Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt. 132 wurden durch ihren Partner oder Expartner getötet. 308 überlebten gerade so einen Tötungsversuch.

Hier gibt es bei häuslicher Gewalt Hilfe

In Notsituationen ist die Polizei unter 110 erreichbar.

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen. Unter der Nummer 116 016 und werden Betroffene aller Nationalitäten, mit und ohne Behinderung beraten – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte werden anonym und kostenfrei beraten.

Alle Frauen und trans Personen, die Beziehungsgewalt erleben, können sich an die Beratungsstelle Häusliche Gewalt von Frauen helfen Frauen e.V. wenden. Dort gibt es kostenlose Unterstützung. Die Telefonnummer ist (07071) 26457. Und per E-Mail: fhfberatung.tue@t-online.de

Eine Übersicht über Hilfsangebote und Beratungsstellen, auch für Eltern, Kinder und Jugendliche sowie von sexualisierter Gewalt betroffene Männer, gibt es hier: www.werhilftweiter.de

Das bedeutet, fast jeden Tag versucht in Deutschland ein Mann eine Frau zu töten, weil sie eine Frau ist. 2025 stiegen laut Polizeistatistik die Zahlen sogar noch weiter. Mehr Gewalt, mehr digitale Übergriffe, mehr Kontrolle und Einschüchterung, mehr Angst, mehr Schweigen, weil Frauen oft nicht wissen, wo sie Hilfe bekommen“, klagt Christina Greßmann an.

Frauenhaus Schwedt ist Zuflucht für betroffene Frauen und Kinder

Die Dunkelziffer ist viel größer. Doch nicht nur Frauen sind betroffen. 2024 wurden 17.000 Kinder direkt Opfer häuslicher Gewalt, Zehntausende mussten Gewalt gegen ihre Mütter miterleben, viel zu früh lernen, was Angst ist und was es heißt, machtlos zu sein, die Dinge erleben, die kein Kind je erleben sollte. Deshalb sind wir heute hier und tanzen, sagte Christina Greßmann, gegen Tränen ankämpfend. Und das fühlten viele mit, die an diesem eiskalten Februartag One Billion Rising in Angermünde unterstützten.

One Billion Rising in Angermünde: Mädchen der Tanzgruppen der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule tanzen als Zeichen des Protestes gegen Gewalt an Frauen und Kindern. Die Aktion 2026 fand bereits zum 10. Mal statt.

One Billion Rising in Angermünde: Mädchen der Tanzgruppen der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule tanzen als Zeichen des Protestes gegen Gewalt an Frauen und Kindern. Die Aktion 2026 fand bereits zum zehnten Mal statt.

Daniela Windolff

Unter den Zuschauern waren Mitarbeiter des Frauenhauses in Schwedt, das einzige in der Uckermark. Sie erleben jeden Tag, dass diese Zahlen nicht abstrakt sind, sondern Schicksale, die Namen, Gesichter, Narben haben. Die zwölf Plätze im Frauenhaus sind immer belegt und reichen nicht aus.

Die Aktion One Billion Rising in Angermünde unterstützt seit einigen Jahren das Frauenhaus in Schwedt und zeigt diesen betroffenen Frauen und Kindern, dass sie nicht allein sind.

„Wir wollen mit dieser Veranstaltung aber auch Frauen und Kindern Mut machen, die noch schweigen, ihnen zeigen, dass und wo sie sich anvertrauen und Hilfe bekommen können“, so Christina Greßmann.

Cristina Greßmann, Tanzlehrerin der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule ist Initiatorin von One Billion Rising in Angermünde. 2026 fand die Aktion hier zum 10. Mal statt.

Christina Greßmann, Tanzlehrerin der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule ist Initiatorin von One Billion Rising in Angermünde.

Daniela Windolff

„Durch Tanzen in der Gemeinschaft mit vielen anderen, finden auch Betroffene, die noch keine Worte haben, wieder einen Zugang zu ihrem Körper, den sie durch seelische oder körperliche Gewalterfahrung verloren haben, und sie spüren die Solidarität, dass sie nicht allein sind“, betont die Tanzlehrerin.

Tanzaktion in Angermünde unterstützt das Frauenhaus Schwedt

One Billion Rising 2026 in Angermünde brachte am Ende einen Spendenerlös von über 1.000 Euro für das Frauenhaus Schwedt ein. Auch der Rewe-Markt Angermünde hatte im Vorfeld zu Pfandspenden zugunsten des Frauenhauses aufgerufen, die knapp 500 Euro einbrachten.

Mit Songs und einer eindrucksvollen, emotionalen Tanz-Performance, die Christina Greßmann und ihr Team erarbeitet und wochenlang geprobt hatten, gaben die jungen Tänzerinnen den Gefühlen von Angst, Scham, Wut und schließlich Mut zum Aufbegehren starken Ausdruck.

Höhepunkt war wie in jedem Jahr die weltweit getanzte One-Billion-Rising-Hymne „Break the chain“ (Sprengt die Ketten), zu der auch Angermünde tanzte.

Was ist One Billion Rising?

„One Billion Rising“ ist eine weltweite Bewegung, die sich für die Beendigung von patriarchaler Gewalt gegen Frauen und Mädchen einsetzt. Sie wurde 2012 in New York (USA) von der selbst betroffenen Künstlerin Eve Ensler ins Leben gerufen und findet jedes Jahr am 14. Februar statt, dem Valentinstag. An diesem Tag werden weltweit Veranstaltungen, Demonstrationen, Flashmobs und andere Aktionen organisiert, um auf die Problematik der patriarchalen Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen und Solidarität mit den Betroffenen zu zeigen.

Der Name „One Billion Rising“ bezieht sich auf die Schätzung, dass weltweit etwa eine Milliarde Frauen und Mädchen im Laufe ihres Lebens Opfer von Gewalt werden.

Das Motto für One Billion Rising (OBR) 2026 in Deutschland heißt: „Women on Fire – Ni una menos“ („Frauen in Flammen – Nicht eine weniger“). Diese Symbole sollen den Protest gegen den massiven Anstieg von patriarchaler Gewalt und Femiziden mit globaler Solidarität verknüpfen.