Pleinair
: Künstler im Schaffensrausch

Zehn Maler, Grafiker und Fotografen nehmen am Landschaftspleinair in der Galerie am Kietz teil. Sie fühlen sich von Schwedt und Umgebung inspiriert.
Von
Eva-Martina Weyer
Schwedt
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In der Schwedter Galerie am Kietz: Denise Kamp aus den Niederlanden gestaltet aus Draht, Gips und Papier ein Schiff. Es könnte aber auch ein Vogel oder ein Wegweiser sein. Das liegt im Auge des Betrachters. Das Kunstwerk ist noch nicht fertig.

Oliver Voigt

Cornelia Zabinski ist Künstlerin aus Chemnitz. Sie nimmt am Interna–tionalen Landschaftspleinair teil, das zum 28. Mal in Schwedt stattfindet. Zu Schwedt hat sie eine ganz besondere Beziehung: Hier hat sie 1989 geheiratet.

„Der Kunstverein als Ausrichter des Landschaftspleinairs wurde mir von befreundeten Malern wärmstens empfohlen. Deshalb habe ich mich um eine Teilnahme beworben und bin froh, hier zu sein“, erzählt Cornelia Zabinski. Außerdem wolle sie sehen, wie die Stadt sich verändert hat. Sie habe Schwedt vor 30 Jahren nur über Neubauten und die PCK–Fackel wahrgenommen.

Nachdenken über die Welt

Jetzt steckt die Künstlerin, wie die neun anderen Teilnehmer auch, im Schaffensrausch. Sie fühlen sich inspiriert von Schwedt und der Kanutour, auf der sie sich am Dienstag über Wasserläufe und durch Dickicht gekämpft haben. Denn das ist ein Grundgedanke des Pleinairs: Künstler malen im Nationalpark. Die Teilnehmer reizt das Thema, das der Kunstverein als Anregung über das diesjährige Künstlertreffen gestellt hat. Es heißt „Koexistenz der Habitate“.

Kathrin Edwards aus Berlin sagt über sich: „Ich bin eine klassische Pleinair–Malerin. Da ich mich in meinen Arbeiten viel mit der Natur beschäftige, bin ich hier genau richtig. Ich will in meinen Grafiken die Fragilität der Natur zeigen. Ich will zum Nachdenken anregen, dass wir eine Verantwortung für sie haben.“ Neben ihrem Ateliertisch in der Galerie am Kietz hat Kathrin Edwards Skizzen auf eine Leine gehängt. Sie sind auf der Kanutour entstanden und stellen die Grundlage dar für Radierungen, deren Platten sie gerade vorbereitet hat. Bald wird gedruckt.

Neuerdings arbeitet sie auch an Wandobjekten, die sie mit dem 3–D-Stift herstellt. Hauchzarte Gebilde entstehen. Angeregt wird sie von Skizzen, die sie in freier Natur gemacht hat. Denn das ist der Kern des französischen Wortes Pleinair — draußen schaffen.

Agnes Wojtas stammt aus Polen und arbeitet mit Sound, Zeichnungen und Installationen. Sie sagt: „Ich sehe mich absolut im diesjährigen Thema über die Koexistenz vertreten. Ich will mit der Natur arbeiten, den Klängen des Nationalparks lauschen. Vielleicht kommt etwas Unverhofftes dabei heraus.“

Für den Kunstverein Schwedt ist es das 15. Künstlertreffen, das er ausrichtet. Es kann nicht einfach so jeder Maler mitmachen. Man muss sich um eine Teilnahme mit Arbeitsproben bewerben. Eine Jury wählt dann aus. Bettina Rulf aus Berlin hat zum dritten Mal einen der begehrten zehn Plätze ergattert.

Sie weiß, in Schwedt kann sie enorm produktiv sein. „Ich fahre gern an einen Ort zurück, wo es schön gewesen ist. In Schwedt war das der Fall“, erzählt sie. „Hier ist es ein sehr befreites und konzentriertes Arbeiten. Der Verein und seine Helfer, die das Pleinair tragen, entheben uns aller Alltagssorgen. Niemand hat hier Zwänge von außen, die einen drücken. Das Pleinair ist für mein Schaffen gewonnene Zeit.“

Das Thema Koexistenz findet sie toll. „Ich überlege aber auch, wie sähe der Nationalpark aus, wenn es das PCK als wichtigen Geldgeber nicht gäbe? Es gibt im Leben nicht nur schwarz–weiß, sondern auch viele Grautöne.“ Bettina Rulf hat in ihre Arbeiten aus Naturmaterialien Dinge eingeflochten, die zum Nachdenken anregen:  Durch ein gefundenes Vogelnest windet sich ein kleines Schild mit der Aufschrift „fair traide“ (fairer Handel). Es ist ausgerechnet aus Plastik.

Zum Schluss eine Ausstellung

Schwedts Vizebürgermeisterin Annekathrin Hoppe hatte sich bei der Pleinair–Eröffnung am Montagabend an die Künstler gewandt: „Ich bin gespannt, was Sie am meisten anspricht in dieser Koexistenz. Denn treffender kann man es in unserer Region nicht sagen. Hier sind die Pole Himmel und Erde, Natur und Kultur, Natur in der Stadt und Industrie und Natur.“ Annekathrin Hoppe sagte, sie sei neugierig, welche Kunstwerke dabei entstünden. Sie freue sich auf die große Abschlussausstellung.

Diese Werkeschau zum Schluss wird am 27. Juli eröffnet und widerspiegelt das Schaffen von zwei Wochen. Schon am 20. Juli ab19 Uhr sind alle Interessenten zum Hoffest mit den Künstlern eingeladen. Es gibt Musik und die Chance auf Gespräche.