Am Dienstag feierte Edmund (Eddy) Schulz, Vorsitzender des MC Schwedt, seinen 75. Geburtstag. Die ganz große Party startet ein paar Tage später – und wo? Natürlich auf dem Motocrossgelände in den Müllerbergen – seinem zweiten zuhause.
Mit dem Motorsport ist er von klein auf verbunden. Der 1945 in Dortmund Gebürtige hatte schon in frühester Kindheit durch Verwandte den Kontakt zu Benzingestank und Motorenlärm. Er erinnert sich noch genau, als er als Vier- oder Fünfjähriger aufs Motorrad gesetzt wurde, um auf dem Hof eines Betonwerkes erste Runden zu drehen. Von nun an war er infiziert, schraubte auch schon mal hier und da herum. Ab zehn Jahren fuhr er erste Rennen mit, probierte sich später auch mal im Go-Kart-Fahren.

Ausbildung führt Schulz in die DDR

Durch die Ausbildung als Kfz-Schlosser verschlug es ihn nach Dessau. 1964 kam er in die Oderstadt, arbeitete dann im Tiefbau und schloss sich dem MC Erdöl Schwedt an, der dann zur BSG Tiefbau wurde. 1965 als Zwanzigjähriger gründeten Eddy und einige Mitglieder den MC Tiefbau. Das Tiefbaukombinat hatte ja ein großes Herz für den Motorsport. In Schwedt förderte es den Motocross, spendierte unter anderem die Maschinen, in Eberswalde den Go-Kart-Sport, in Strausberg den Ralley-Sport und am Rande von Berlin die Formel 3.
1966 gab es die erste Motocross-Veranstaltung in den alten Müllerbergen nahe Schwedt. „In toller Erinnerung ist mir aber das Rennen am 14. Juli 1968 in der CSSR geblieben. Am Start waren Fahrer aus Polen, Ungarn, Tschechien und eine Minidelegation von drei Fahrern aus der DDR – darunter ich in der Klasse C bis 500 Kubikzentimeter. Ich war bester Ausländer, erreichte Platz 6“, erinnerte sich Schulz. Den ersten Renn-Sieg bis
250 ccm landete Schulz im Mai in Sternberg. Auch an den Wettkampf in Wriezen 1969 konnte er sich noch genau erinnern. „Es war ein Reinfall. Nach dem guten Start fing der Motor der CZ an zu streiken. Damit nicht genug – dann klemmte plötzlich der Gasschieber und ich fand mich wenig später in einem Steinhaufen mit ein paar Zuschauern wieder. Zum Glück ist niemandem etwas passiert“, so Eddys Schilderungen.

Eddy Schulz war mal Vierter bei einer DM

Die größten Erfolge feierte Schulz mit dem 4. Platz bei der Deutschen Meisterschaft auf der 125-er und dem 3. Platz in der Juniorenmeisterschaft. International bewegten sich die Platzierungen der Schwedter Fahrer um Rang 10 herum. Zu seinen alten Mitstreitern gehörten unter anderem Gerhard Tömpler, die Brüder Eberhard und Peter Wolf (Peter war 1990 der letzter DDR-Meister in der CZ-Klasse), Jürgen Piepenburg (DDR-Junioren-Meister), Helmut Mielenz, Klaus Konrad, Lothar Wegemund und Horst Mahlke.
1980 fuhr Eddy Schulz sein letztes Rennen – der Motorsport ließ ihn aber einfach nicht los. Als die alte Strecke in den Müllerbergen 1986 auf Beschluss dicht gemacht wurde (die Umweltschützer hatten hier ihre Finger im Spiel), zog es Schulz wieder in den Westen. Hier war er im Rennservice tätig. Im Oktober 1994 kehrte er zurück in die Oderstadt und übernahm den 1990 gegründeten MC Schwedt. Seine erste Amtshandlung war, auf dem neu gepachteten Areal in den Müllerbergen bei Blumenhagen aus einer Wiese eine Rennstrecke zu machen. Der Verein kam gut voran und so wurde die Strecke offiziell am 23. Oktober eröffnet. Mit brennendem Elan haben es die Mitglieder des MC Schwedt Stück für Stück geschafft, die Strecke zu dem zu machen, was sie heute ist – EM- und WM-zertifiziert. Sie wird in aller Munde als hervorragend bezeichnet und der Service hier auf dem Gelände stimmt auch. Nicht umsonst kommen so viele Sportler hierher zum Trainieren und nicht umsonst bekommt der MC Schwedt immer wieder Zuschläge für die Ausrichtung von Europa- und Weltmeisterschaftsläufen oder für den Cross der Nationen. Zuletzt war die Weltelite Anfang Oktober 2019 zu Gast auf der Stecke bei Blumenhagen, einem Schwedter Ortsteil. 22 Nationen mit Seitenwagen- und Quad-Fahrern wetteiferten hier.
Seit seinem 65. Geburtstag ist Schulz Rentner, aber rasten kommt für ihn nicht infrage. Und an seinem Geburtstag vor zehn Jahren heiratete er auch seine Monika – natürlich auf dem Areal des MC Schwedt. „Moni ist meine allergrößte Stütze“, sagte er voller Stolz. Heute mit 75 Jahren möchte er gern etwas kürzer treten und diesen Vereinschef-Posten an Jüngere übertragen, doch noch ist niemand bereit dafür. „Das einzige, was ich immer höre, ist: Eddy mach du mal, du kennst die Leute alle“, erzählte Schulz. Eins steht fest: Zeit und Herzblut für den Motorsport hat er jede Menge. „Mit der Zeit hapert es aber bei vielen unserer Mitglieder, die in ihrem Beruf angespannt sind“, fügte er hinzu. Zur Zeit hat der Verein 46 Mitglieder. Der jüngste Fahrer ist der fünfjährige Ben Malow, das erfolgreichste Mitglied ist Marnique Appelt (aus Woltersdorf bei Berlin), der zurzeit EM-Rennen fährt und auch meistens um die Top-Ten herum platziert ist.
Auf der Strecke in den Müllerbergen gab es in diesem Jahr wegen Corona und der abgesagten Landesmeisterschaft keine Wettkämpfe, in Schuss gehalten werden muss das Areal aber trotzdem.

Eddy ist international willkommen

Privat zieht es Eddy Schulz immer wieder auf die Strecken verschiedener Länder – meistens ist er mit seiner Moni unterwegs. Zuletzt fuhr er mit seinem Wohnmobil 1600 Kilometer nach Belgien zur Motocross-Weltmeisterschaft und zurück. Eddy hat das Glück, dass er eine internationale Einladungskarte besitzt, mit der er an jeder Cross-Veranstaltung teilnehmen kann. Er war auch schon in Frankreich, Italien, Holland und Großbritannien unterwegs.