Race 61
: Rock ‘n‘ Roll und heiße Reifen beim Roadrunners Paradise

Am schnellsten auf der Achtelmeile und dabei gut aussehen – das 22. Roadrunner’s Paradise auf dem Flugplatz Finowfurt.
Von
Marco Marschall
Finowfurt
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  • Start: Der Motor läuft. Das Startergirl hebt die Fahne. Im Oldtimer kocht das Benzin. Auf der Tribüne schauen die Gäste aufs nächste Beschleunigungsrennen über die Achtelmeile auf dem Flugplatz.

    Start: Der Motor läuft. Das Startergirl hebt die Fahne. Im Oldtimer kocht das Benzin. Auf der Tribüne schauen die Gäste aufs nächste Beschleunigungsrennen über die Achtelmeile auf dem Flugplatz.

    Marco Marschall
  • Barfuß: Marcus Degen aus Brandenburg an der Havel mit Bordtrack Racer. Der Motor ist Baujahr 54. Der Rest auf Alt gemacht.

    Barfuß: Marcus Degen aus Brandenburg an der Havel mit Bordtrack Racer. Der Motor ist Baujahr 54. Der Rest auf Alt gemacht.

    Marco Marschall
  • Schneller als die Polizei erlaubt: Zuschauer verfolgen die Rennen.

    Schneller als die Polizei erlaubt: Zuschauer verfolgen die Rennen.

    Marco Marschall
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Per Druckluft fährt Daniel Lehmann das Fahrgestell seines schwarzen 50er-Jahre Mercury hoch und runter. Die Karosse ist original, das Innere des Wagens jünger.  „Ratte“ nennt ihn sein Besitzer, wohl wegen des etwas fiesen Äußeren mit den flachen Fenstern, das die Fahrt im Straßenverkehr für Ungeübte riskant machen dürfte. Für 50 000 Euro würde der Autospezialist aus Berlin verkaufen „Wie eine russische Frau. Schön aber teuer“, sagt er über das Gefährt.

Wenngleich viele Festivalgäste noch vor ihren Zelten dösen, herrscht Samstagvormittag reger Betrieb auf dem Gelände. Ein roter Cadillac fährt über den Platz und lässt sich von den Passanten bestaunen. Immer wieder rollen alte und ungewöhnliche Fahrzeuge vorbei. Die Bedingung: sie müssen älter als Baujahr 1976 sein, zumindest Teile von ihnen. Bis vor ein paar Jahren galt Baujahr 1961 oder älter.

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3000 Besucher werden erwartet. „Für ein Festival sind wir klein, aber speziell“, sagt Markus Ernst vom Veranstalterteam und Fahrer eines Dodge Pickup. Es gebe eine große Gästeliste, viele freiwillige Helfer. Auch die Feuerwehr aus Finowfurt ist dabei. Angefangen hatte alles viel kleiner, als Treffen für Motorrad-Fans in Ahlimbsmühle  (Uckermark). Seit 2002 ist der Flugplatz in der Gemeinde Schorfheide Anziehungspunkt. Dabei ging es immer auch um Musik. Rock ’n’ Roll.

Bevor am Abend die Bands und DJs auf der Hauptbühne, im Casino und im Party-Shelter loslegen, geht es an die Rennstrecke. Mehr als 100 Starter werden erwartet. Gefahren wird ein Beschleunigungsrennen über eine Achtelmeile – ein Zeitvertreib, wie ihn die aus dem Krieg heimgekehrten US-Soldaten sich ausgedacht hatten. Damals, so erklärt der Moderator an der Strecke, habe es sehr viele preiswerte Autos und Motoren in den Vereinigten Staaten gegeben. In Finowfurt gehen die Fahrer mit echten Liebhaberstücken an den Start. Zwei Fahrzeuge pro Rennen. Welche Klasse, ob Motorrad gegen Auto, spielt zunächst keine Rolle. Es geht um die Zeit.

Erst am Nachmittag tragen die Besten der einzelnen Klassen ihre Finals aus. Wo es lang und wann es losgeht, bestimmen die Startergirls, die zwischen vorbeiröhrenden Fahrzeugen die Fahne herunterreißen. Die Wagen und Motorräder könnten unterschiedlicher kaum sein. Amerikanischer Polizeiwagen oder Bordtrack-Racing-Motorrad aus den USA des beginnenden 20. Jahrhunderts. Eine Gruppe aus Brandenburg an der Havel hat die Maschine diesem Vorbild nachempfunden. Für sie steht Finowfurt fest im Terminplan.  Ihre nächste Station ist Mitte Juli das „Rust and Dust“ in Teterow (Mecklenburg Vorpommern). Die Macher des dreitägigen Roadrunner’s Paradise haben nun mit dem Abbau zu tun. Unfälle, so die Veranstalter, gab es keine. Das Festival sei friedlich verlaufen.