Radfahren in Angermünde
: Stadt setzt voll aufs Fahrrad ‒ wo es noch hapert

Freie Fahrt für E-Bike und Lastenrad heißt es in Angermünde. Die Stadt will klimafreundliche Mobilität stärken und Radwege sicherer machen. Wie soll das gelingen? Der Aktionstag „FahrRad!“ zeigt es.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
Jetzt in der App anhören
Angermünde will Fahrradstadt werden und macht die Straße frei.  Bei der Fahrrad-Demo "kidical mass" geht es um sichere Radwege für Kinder und Jugendliche.

Angermünde will Fahrradstadt werden und macht die Straße frei. Bei der Fahrrad-Demo "kidical mass" geht es um sichere Radwege für Kinder und Jugendliche.

Daniela Windolff

Angermünde dreht am Rad. Von Rikscha, E-Bike über Lastenrad bis zum Rollstuhl und Kinderroller rattern und rumpeln die unterschiedlichsten Gefährte über das historische Pflaster autofreier Straßen. Sieht so die Mobilität der Zukunft in der Stadt aus?

Das konnten Bürger direkt vor Ort testen, von der Familie bis zum Gewerbetreibenden, vom Radsportler bis zum gehbehinderten Menschen. Wie gut ist Angermünde für klimafreundlichen Verkehr aufgestellt, und vor allem wie sicher?

Angermünde verleiht kostenlos Lastenfahrräder

Darum geht es beim großen Aktionstag „FahrRad!“, den die Stadt gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC 2024 zum zweiten Mal organisiert hat. Denn Angermünde will Fahrradstadt werden. Was gehört dazu? Wie motiviert man noch mehr Menschen fürs Radfahren? Welche Probleme gibt es in der Stadt und im Umland noch?

Dass Angermünde nicht bei null anfängt, bewies das große Interesse am Aktionstag 2024. Rund um den Marktplatz wimmelte es von Fahrrädern. Das lag nicht nur daran, dass viele Besucher damit angereist waren, sondern auch an den zahlreichen Aktionen zum Informieren und Ausprobieren.

So hatte die Stadt Angermünde schon 2023 die ersten Lastenfahrräder angeschafft, die man sich kostenlos ausleihen kann. Die mit einem Elektromotor unterstützten Räder sind für Gewerbetreibende zum Transport von Waren ohne Auto ebenso geeignet, wie für Familien für den großen Wochenendeinkauf oder den Fahrradausflug mit Kindern.

Aktionstag "FahrRad!": Mit der Rikscha durch Angermünde

Ein besonderes Angebot für Senioren und gehbehinderte Menschen hält das AWO-Seniorenzentrum „Am Stadtwall“ vor. Hier kann man Fahrrad-Rikschas ausleihen. Damit können sogar Menschen, die sonst kaum mehr mobil sind, auf eine Radtour mitgenommen werden.

Im Seniorenzentrum kann man den „Rikscha-Führerschein“ machen, das heißt, eine kleine Einführung und Probefahrt mit den Gefährten in Anspruch nehmen und sich gern als Freiwillige für Ausflüge mit Bewohnern bzw. Angehörigen melden.

Aktionstag: Rollstuhl-Parcours in Angermünde

Wie Rollstuhlfahrer das Angermünder Pflaster erleben und Hindernisse überwinden, testete die Trickfabrik Schwedt, ein Verein, der sich nicht nur dem Actionsport auf zwei Rädern widmet, sondern sich auch in der Inklusion engagiert.

Rollstuhl-Parcours beim Aktionstag "FahrRad!" in Angermünde: Die Trickfabrik Schwedt e.V., die sich auch für Inklusion starkmacht, macht den Test.

Rollstuhl-Parcours beim Aktionstag "FahrRad!" in Angermünde: Die Trickfabrik Schwedt e.V., die sich auch für Inklusion starkmacht, macht den Test.

Daniela Windolff

Bei einem Mitmach-Parcours konnten Interessierte selbst einmal testen, wie es sich anfühlt, mit einem Rollstuhl unterwegs zu sein und welche Hürden es in Angermünde dabei noch gibt. Historisches Kopfsteinpflaster und hohe Bordsteine machen es Betroffenen nicht leicht.

Angermünde: Demo für kinderfreudliche Verkehrspolitik

Ein Höhepunkt des Aktionstages „FahrRad!“ war der Fahrradkorso für Kinder „kidical mass“. Die Kleinen konnten an diesem Nachmittag mit Fahrrad, Roller oder Laufrad die Straßen durch Angermünde sicher erobern, begleitet vom ADFC und der Polizei Uckermark.

Neben dem Spaß geht es bei der Aktion, die auch in anderen Städten in Brandenburg stattfindet, vor allem um das Thema Sicherheit von Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr. Es ist eine besondere Demo, die für eine kinderfreundlichere Verkehrspolitik und sichere Radwege werben will.

Angermünde: ADFC wirbt für sichere Radwege

Norbert Hüsers, Angermünder Gründungsmitglied der ADFC Regionalgruppe Uckermark: „Alle Kinder und Jugendlichen sollen sich sicher und selbstständig mit dem Fahrrad und zu Fuß bewegen können, ob auf dem Weg zur Schule, zu Freunden, zum Sportverein oder zum Spielplatz. Dazu brauchen wir eine sichere Infrastruktur für den Rad- und Fußverkehr, ein LKW-Fahrverbot an Schulwegen, ein Schulwegenetz und autofreie Schulstraßen.“

Die Stadt Angermünde hat bereits ein Radwegekonzept unter Beteiligung der Bürger und Mitwirkung des ADFC beschlossen. In der Kernstadt gibt es bereits Radwege an allen wichtigen Straßen. Auch das touristische Radwegenetz ist bereits gut ausgebaut. Wo es noch hapert, sind Verbindungen zwischen den Ortsteilen und in die Stadt.

Deshalb geht auch die Initiative „Mürow radelt für den Radweg“ jedes Jahr an den Start beim Stadtradeln, eine bundesweite Initiative des Netzwerkes Klima-Bündnis, das zum Umsteigen vom Auto aufs Fahrrad motivieren soll. Seit drei Jahren macht Angermünde mit. Das Team Mürow holte 2024 zum dritten Mal den Pokal mit insgesamt über 20.000 erradelten Kilometern. Am 9. Mai 2024 beginnt die neue Wettbewerbsrunde.

Uckermark Update
Freitag um 16.30 Uhr
Von Schwedt bis Templin, von Angermünde bis nach Prenzlau: Wir zeigen Ihnen was die Region in dieser Woche bewegt hat und geben Ausblick.