Raritäten: Besucher stürmen Münzbörse
Es gab Zeiten, da wurde in der Uckermark Geld hergestellt: Münzen, Scheine, Ersatzmarken. Solcherart Raritäten sammeln Numismatiker aus Schwedt und Angermünde. Ihre gemeinsame Börse mit Ausstellung hatte eine völlig überraschende Resonanz.
„Carl Bardeleben“ steht auf der Rückseite eines Schützenordens, verliehen 1910. Der Mann war Pfefferkuchenbäcker, besaß eine berühmte Fabrik in Angermünde und konnte offenbar gut schießen. Sein Orden hat ihn überlebt, liegt wohlgehütet in einer Schatulle von Harry Lorenz. Der Schwedter Numismatiker sammelt alles, was mit der Uckermark zu tun hat. Jüngste Errungenschaft, ersteigert über ebay: Ein originaler Geldversandbrief an ihre Durchlaucht – die Fürstin Lynar, Gräfin Redern. Abgeschickt 1938 aus ihrer Güterverwaltung in Greiffenberg. Drinnen waren einst 2000 Reichsmark. Auf der Rückseite prangt das stolze Siegel des Adelsgeschlechts. Eine absolute Rarität. Und ein Stück Heimatgeschichte.
Seit 60 Jahren sammelt Harry Lorenz Münzen. Angefangen hat es mit ein paar Einzelstücken, die seine Eltern und Großeltern in irgendwelchen Schächtelchen vergaßen. Auch wenn sie nicht viel wert waren: Geld wird offenbar nie weggeworfen. Es behält für die meisten Menschen einen besonderen Reiz. Egal ob Silberstück oder Notgeld in schlechter Papierqualität — all die Stücke erzählen Geschichte über gute und schlechte Zeiten, über Metallmangel und Inflation.
Doch die Numismatiker sind an diesem Vormittag im Angermünder Haus der Generationen völlig perplex. Es herrscht Gedränge. Leute bringen Schachteln und Tüten vorbei, lassen Erbstücke schätzen, kramen höchst interessiert in Alben. „Das hätte ich nicht gedacht“, sagt Eckhard Walther, Chef des Angermünder Heimatvereins. „Wenn das so ist, müssen wir regelmäßig eine solche gemeinsame Börse machen.“ Er gehörte einst zu einer Gruppe von Numismatikern im Rahmen des Kulturbunds. Im Clubhaus am Bahnhof gab es zu DDR–Zeit Fachvorträge, sogar regionalhistorische Forschung. Nach der Wende änderten sich die Interessen, Menschen verließen die Uckermark. Die restlichen Sammler kamen beim Heimatverein unter und sind älter geworden.
„Das ist ja unser Problem überall“, erklärt Harry Lorenz. „Kein Nachwuchs.“ Die Schwedter haben auch nur noch zwölf Mitglieder. Sie sind diesmal nach Angermünde gekommen, weil es hier günstigere Räume gibt als in der Oderstadt. Und nun auch noch der Zuspruch. Der zeigt, dass die uralte Sammelleidenschaft weiterlebt. Allerdings nicht in der Öffentlichkeit. „Die Leute sammeln allein, nur für sich, zu Hause, und übers Internet“, erzählt Harry Lorenz. Manche denken vermutlich, dass ihre Schätze in Gefahr wären, meint Volkhard Maaß vom Heimatverein. „Aber wir gehen bei Begutachtungen auch vertraulich vor.“ Und die meist erhofften Wertsteigerungen kommen ohnehin nicht zustande. Bei Schätzungen müssen die erfahrenen Sammler manches Mal Enttäuschungen aussprechen. „Nicht mal im Lutherjahr hat die sehr gute DDR–Luther–Münze eine Steigerung eingebracht“, berichtet Helfried Kurth aus Crussow.
Wenn alle Heimatfreunde ihre Raritäten zusammenlegen würden, dann käme eine enorme Ausstellung über die Geldgeschichte zustande. Mitsamt dem Orden des Pfefferküchlers Carl Bardeleben.


