Neue Firmen braucht die Stadt und mit dem Unternehmen Bio-Lutions ist es den Stadtvätern gelungen, einen neuen Betrieb für die Stadt zu begeistern. Seit Mittwoch wird am Hafen in Schwedt gebaut. Für knapp zehn Millionen Euro entsteht an dem Standort eine neue Fabrik für nachhaltige Verpackungen und umweltfreundliches Einweg-Geschirr.

Bio-Lutions seit 2018 in Schwedt

„Der Zeitplan ist eng gestrickt“, sagt Eduardo Gordillo, einer der Firmengründer. Im Vorfeld des ersten Spatenstichs hat Schwedts Bürgermeister Jürgen Polzehl das Unternehmen besucht, das seit 2018 an der Kuhheide im Schatten des Papier-Riesen Leipa ein Technikum betreibt. Spätestens Mitte kommenden Jahres sollen die ersten Produkte aus Schwedt auf dem Markt sein. Denn dann tritt die neue EU-Verordnung in Kraft, nach der Einweg-Besteck und Einweg-Geschirr aus Plastik verboten ist.

Produkte aus Pflanzenfasern

Bio-Lutions stellt seine Produkte aus Pflanzenfasern her. Eine Fabrik des Unternehmens steht bereits in Indien. Für den europäischen Markt soll die Produktion in Schwedt geschaffen werden. Das ist in Corona-Zeiten kein Zufall. Die Krise habe gezeigt, wie instabil Lieferketten sein können, erklärt Stefan Dircks, der ebenfalls an der Firmengründung mitwirkte.
Im ersten Schritt sollen in Schwedt 40 neue Arbeitsplätze entstehen. Bereits für 2021 ist ein zweiter Bauabschnitt geplant. Mit der Erweiterung sollen insgesamt 100 Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Produktion soll dann von zunächst 6000 Tonnen auf 18.000 Tonnen gesteigert werden. Mit einem dritten Abschnitt, der für 2022 geplant ist, sollen 200 Beschäftigte in Schwedt tätig sein. An insgesamt zwölf Produktionslinien sollen dann 72.000 Tonnen Material hergestellt werden. „Das sind die Zahlen, mit denen wir aktuell realistisch rechnen“, sagt Gordillo. Es sei aber auch möglich, die Produktion innerhalb des Zeitraums weiter auszubauen.

Lösung für EU-Verbot von Plastikgeschirr

Bio-Lutions hat die Lösung für die neue EU-Verordnung. Denn dort sollen die Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden – und nicht nur das. „Wir wollen vor allem Teile von Pflanzen nutzen, die sonst keine Anwendungen mehr finden“, sagt Gordillo. Das können die grünen ungenießbaren Teile der Tomaten-Pflanze sein oder kurze Fasern von Industrie-Hanf, die für klassische Anwendungsgebiete wie die Herstellung von Kleidung und Seilen nicht geeignet sind.
Bürgermeister Polzehl zeigte sich von der innovativen Technik sehr angetan. Doch auch die Beweggründe des Unternehmens, sich in Schwedt anzusiedeln, ließen ihn aufhorchen. Denn das steht durchaus im Zusammenhang mit dem geplanten Innovations-Campus, der in Sichtweite des Firmensitzes an der Kuhheide entstehen soll.

Auf Fachkräfte aus Schwedt angewiesen

Bio-Lutions hat zwar die eigene Technologie, doch für die Herstellung der Materialien ist die Firma auf Fachkräfte angewiesen, die ein großes Wissen über die Zusammenhänge der Verarbeitung von Fasern mitbringen müssen. Daher war es für Bio-Lutions bereits ein Glücksfall, dass das Unternehmen in die Räume des Papier-Verarbeiters Hartmann eingezogen ist. Denn die Mitarbeiter, die blieben, hätten dieses Fachwissen bereits mitgebracht.
Inzwischen kann Bio-Lutions schon mit einer ganz neuen Technologie seine Produkte herstellen. Denn eigentlich wird immens viel Wasser bei der Produktion benötigt, um die Pflanzenfasern formbar zu machen. Bei den Planungen für den Standort Schwedt mitten im Beginn der Pandemie habe sich jedoch herausgestellt, dass die Maschinen für die „Nass-Produktion“ nicht lieferbar waren. „Da haben wir nach Alternativen gesucht und sind auf Maschinenbauer gestoßen, die ein Trockenverfahren entwickelt hatten“, sagt Dircks.

Maßstäbe in Sachen Umweltschutz

Diese innovative Technik soll jetzt in Schwedt zum Einsatz kommen. Damit wird nicht nur mit den Produkten selbst die Umwelt geschont, weil weniger Plastik benötigt wird. Auch bei der Produktion setzt Bio-Lutions nun Maßstäbe in Sachen Umweltschutz.