Robbe im Nationalpark
: Seehund tummelt sich in der Oder bei Schwedt

UPDATE 17. Juli: Seit einigen Tagen gibt es einen ungewöhnlichen Gast in der Oder bei Schwedt. Der tierische Besuch eines Seehunds ist für Experten etwas Besonderes.
Von
dpa
Schwedt
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Seehunde: ARCHIV - 16.08.2023, Niedersachsen, Juist: Zwei Seehunde schwimmen am Ostende der Insel Juist in der Nordsee. (zu dpa: «Hauptgeburtenzeit bei Seehunden im Wattenmeer läuft») Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

In der Oder bei Schwedt soll sich seit ein paar Tagen ein Seehund tummeln. (Symbolbild)

Hauke-Christian Dittrich/dpa

Seit einigen Tagen tummelt sich offenbar ein Seehund in der Oder bei Schwedt. Bereits vergangene Woche habe es mehrere Sichtungen von Besuchern und Anglern im Nationalpark Unteres Odertal gegeben, sagte eine Sprecherin des Nationalparks.

Daraufhin macht sich die Naturwacht auf und wurde fündig: Fotos und Videos des ungewöhnlichen Gastes schickte sie an das Meeresmuseum in Stralsund.

Eher Seehund als Kegelrobbe in der Oder bei Schwedt

Die Meeresbiologen in Stralsund halten das Tier mit hoher Wahrscheinlichkeit für einen Seehund. Auch eine junge Kegelrobbe sei denkbar - wenn auch unwahrscheinlich, sagte eine Sprecherin des Museums. „Vom Aussehen tendieren wir eher zum Seehund, von der Ausbreitungsgebiet wäre es eher eine Kegelrobbe.“ Mitunter ähnelten junge Kegelrobben den Seehunden sehr mit Blick auf das Fell.

Der Aufenthaltsort sei „sehr ungewöhnlich“, so die Sprecherin. „Deswegen sind wir auch sehr an der Sichtung interessiert.“ Seehunde gingen mitunter zwar gern ins Süßwasser, allerdings sei das in den hiesigen Breitengraden selten gesichtet worden, führte die Sprecherin aus. Der Wechsel der Wasserart mache den Seehunden aber per se keine großen Probleme. Auch Nahrung sei vorhanden.

Entdeckung mutmaßlicher Robbe kein Grund zur Beunruhigung

Für Robben sei es kein Problem, Flüsse hinaufzuschwimmen, sagte Guido Dehnhardt, Professor an der Universität Rostock. „Man muss sich um das Tier keine Sorgen machen. Wenn es gesund ist, wird es auch den Weg zurück finden.»

Dehnhardt leitet das Marine Science Center, ein Robbenforschungszentrum in Rostock-Hohe Düne in Mecklenburg-Vorpommern. Junge Seehunde und Kegelrobben ziehen allein durch die Ostsee und suchen nach neuen Ansiedlungsgebieten, wie er sagte. „Sie sind sehr wanderlustig.“ In Flüssen bleiben sie meist nicht längere Zeit.

Es kommt immer wieder vor, dass Robben - der Oberbegriff für verschiedene Arten, also auch für Seehund oder Kegelrobbe - in Flüssen auftauchen. Sie gehören zu den größten Raubtieren in Deutschland. Im Rhein wurden etwa 2014 und 2020 Robben entdeckt. Laut des Nationalparks Unteres Odertal wurde in der Oder bei Schwedt bereits 2012 eine Kegelrobbe nachgewiesen.

Roben sind hervorragend an das Leben im Wasser angepasst und haben ein dickes Fettpolster unter der Haut. Kegelrobben etwa können im Wasser um die 100 Kilometer an einem Tag zurücklegen. In der Ostsee leben laut Dehnhardt rund 40.000 Kegelrobben, die meisten von ihnen aber in Skandinavien.