Schule
: Als Mann Exot im Lehrerkollegium

Marvin Nartey war Handball-Profi und Personal-Trainer, bevor an der Lindgren-Schule Sportlehrer wurde.
Von
Michael Dietrich
Schwedt
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Der Neue: Marvin Nartey ist seit Schuljahresbeginn Lehrer an der Astrid-Lindgren-Grundschule. Der ehemalige Handball-Profi ist der einzige männliche Kollege im Lehrerkollektiv und unterrichtet Sport und Wirtschaft-Arbeit-Technik.

Michael Dietrich/MOZ

Der junge Mann ist durchtrainiert, 1,91 Meter groß, eine imposante Erscheinung. In den ersten Stunden waren die Schüler überrascht, mittlerweile kleben sie an seinen Lippen und Beinen. Marvin Nartey ist der erste Lehrer der Schule. „Solange ich denken kann gab es an der Schule außer dem Hausmeister keinen Mann. Wir sind froh und glücklich, dass die Stelle der Kollegin, die sich in die Rente verabschiedet hatte, nahtlos wieder besetzt wurde“, sagt Schulleiterin Catrin Deleroi, „und natürlich freuen wir uns auch über den ersten Mann und hoffen, dass so ein junger Kollege wieder neuen Schwung und etwas Pepp mitbringt.“

Marin Nartey ist erst seit kurzem in Schwedt. Im Juni zogen er und seine Frau Pia nach Schwedt. Pia Nartey, geborene Hildebrand ist in Schwedt geboren, hat wie Marvin viele Jahre professionell Handball gespielt. Im dänischen Wybourg haben sich der gebürtige Berliner mit ghanaischen Wurzeln und die Handballerin aus Schwedt, die dort ihr Abi ablegte, kennen und lieben gelernt. Für Sport und Studium hatten beide zuletzt in Hildesheim und Heidelberg zu tun. Marvin Nartey beendete nach mehreren Verletzungen  den Profisport  und wurde Fitnesstrainer, Pia schloss ihr Lehramtsstudium ab. Jetzt zog es beide in die Heimat zurück. In der Nähe von Berlin gaben sich beide das Ja-Wort und mit den Zusagen für die Anstellungen in Schwedt zogen sie in die Nähe ihrer Eltern nach Vierraden.

Entscheidung für Schwedt

„Berlin wäre mir viel zu hektisch und aufregend“, sagt der 35-Jährige und blickt in die Zukunft: „Wenn wir eine Familie gründen, ist es hier auch viel schöner und gesünder für Kinder.“ Dass Marvin Kinder um sich herum mag, kann man schon jetzt an der Schule beobachten. Der frühere Stürmer auf dem Handballparkett, der sich voll für den Torerfolg ins Zeug legte, kümmert sich heute rührend um die Schulmilch der Kinder, holt die Erstklässler schon aus dem Unterrichtsraum ab, um dem einen oder anderen noch beim Taschepacken zu helfen. Sein Alltag dreht sich jetzt um Stundenpläne und Hofpausen, um Sportunterricht und Tipps für gute gesunde Ernährung im Fach WAT. Handball spielt das junge Lehrerpaar zwar nicht mehr. Aber früh vor dem Unterrichtsbeginn wurden beide auch schon zusammen beim Joggen gesehen.

Im Kollegium mit 20 Lehrerinnen nennen ihn einfach alle Kollege, auch wenn er genaugenommen ein Quereinsteiger ist und seinen pädagogischen Abschluss berufsbegleitend einmal in der Woche in Eberswalde nachholt.

„Lehrer an Grundschulen sind ohnehin Exoten, so selten trifft man Männer in dem Job“, sagt Kollegin Susann Scheerer-Graudenz. „Die Schüler aber sind begeistert, und die Jungs finden es auch richtig cool, zum ersten Mal von einem Mann unterrichtet zu werden.“