Special Olympics: Kleines sporthistorisches Ereignis im Kanu

Gelungene Premiere: Deutsche und polnische Kanuten aus dem Bereich "special olympics" (Sportler mit geistiger und Mehrfachbehinderung) absolvierten beim richtigen Weltcup Demonstrationsrennen und fanden zudem viel Gehör bei den Profis.
SOD-VerbandSo übernahmen insbesondere die „Specials“ vom Verein Wassersport PCK diese Aufgabe – allen voran die erfolgreichen Paddler von Abu Dhabi, Leona Johs und Jan Eichler, sowie der Doppelolympiasieger von Los Angeles, Sebastian Girke. Dabei waren zudem Christopher Giese, Johannes Schwenzer und Alexander Block bei den Männern, Natalie Linde sowie aus Berlin die beiden Goldmedaillen-Gewinnerinnen Michaela Arndt (Los Angeles) und Juliana Rößler (Abu Dhabi).
So kam es erstmalig zur Begegnung von olympischen, Para- und „special-olympic“-Kanuten auf internationaler Ebene. Ein kleines sporthistorisches Ereignis! Damit demonstriert Kanu Inklusion im Bereich des Wettkampfsports. Je ein Rennen im männlichen und weiblichen Bereich über 200 m wurde ausgetragen.
Organisiert wurden die Rennen von der polnischen „special- olympics“-Trainerin Roza Zaranska. Sie hatte auch die Regatta in Abu Dhabi geleitet. Je vier polnische „Specials“ traten gegen vier aus Deutschland an. Im Rennen der Männer gab es eine Besonderheit: Außer Konkurrenz startete Sebastian Girke auf Bahn 5 (auf dieser war sein Trainer vor fast genau sieben Jahren erster Weltmeister im Parakanu für Deutschland geworden). Er fuhr nicht im Wettkampfboot der Specials, sondern in seinem Rennkajak, den er von Olympiasieger Sebastian Brendel bekommen hatte. Dabei bewies er, dass auch „Special“-Kanuten in der Lage sein können, ein Boot aus dem nichtbehinderten Bereich und zudem in beachtlicher Zeit zu fahren. Mit seinen 43,2 Sekunden war er schneller als die deutschen Parakanuten an diesem Tag. Das Rennen der Männer gewann ein polnischer Kanute knapp vor Johannes Schwenzer und Christopher Giese. Bei den Damen siegte die Oderstädterin Leona Johs klar vor einer polnischen Kanutin. Dritte wurde Natalie Linde. Alle Sportler gaben bei widrigen Bedingungen ihr Bestes.
Weitere Vorbehalte abgebaut
Beim Gruppenfoto mit dem Präsidenten des internationalen Parakanuverbandes und dem Präsidenten des Deutschen Kanu-Verbandes gab es viel Lob für die Leistung der Sportler und das Engagement von Sebastian Brendel. Der Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft sagte zum Schwedter Auftreten: „Mit euren Leistungen in den Rennen habt ihr gezeigt, das special-olympic- Kanuten in eine so große Regatta passen. Ihr wart in der Lage, die Anforderungen einer Regatta zu bewältigen und habt damit vor allem bestehende Vorbehalte aus der Welt geschafft.“ Ein besonderer Dank der Schwedter galt noch Pjotr Lorek, der als Fahrer und Dolmetscher agierte.
Gemeinsam mit dem DKV-Präsidenten besuchten die Sportler die Bootshalle der deutschen Nationalmannschaft. Gerade waren die Kajakmänner um Roland Rauhe dabei, sich für ein Rennen vorzubereiten. Bei der Vorstellung der „Specials“ staunten sie nicht schlecht, wie viele Olympiasieger unter ihnen sind. Im Anschluss gab es dann Autogramme und ein Erinnerungsfoto. Im Catering-Zelt trafen die Oderstädter dann auch Jan Vandrey und Sebastian Brendel. Auch die begleitenden Trainer Ulrike Eichler und Gerhard Bowitzky erhoffen sich nun neue Kontakte und Impulse für eine weitere Zusammenarbeit. Denkbar wären Besuche von Regatten und gemeinsame Trainings in der deutsch-polnischen Begegnungsstätte in Schwedt.
Der Deutsche Kanu Verband hat am 18. Mai beim Spitzen-gespräch mit „special olympics“ Deutschland (SOD) angeregt, einen Kooperationsvertrag abzuschließen. Das wäre eine bundesweite Premiere zwischen SOD und einem Sportfachverband. Gerade für die Entwicklung des inklusiven Sports werden hier – auch bereits in Vorbereitung der Weltspiele „special olympics“ 2023 in Berlin – Kräfte gebündelt und damit ein Zeichen für andere Sportverbände gesetzt.