Die Kreuzung Lindenallee/Marchlewskiring/Vierradener Chaussee gehört zu den Unfallschwerpunkten in Schwedt. Im Volksmund wird sie Europa-Kreuzung genannt. In der ersten Oktoberhälfte hat es zwei schwere Unfälle mit Verletzten gegeben.
Genau dort wird es 2021 für alle Autofahrer, Radler und Fußgänger spannend. Die ganze Kreuzung wird umgebaut, Fußwege werden erneuert und die Fahrbahn saniert. Die Einschränkungen während der Bauphase lassen Mitglieder des Schwedter Auto Club Europa (ACE) nichts Gutes ahnen.

Grüne Pfeile werden abgebaut

Auf ihrem jüngsten Treffen erfuhren die ACE-Mitglieder von Ordnungsamtsleiterin Heike Voigt: „Der Landesbetrieb Straßenwesen hat festgelegt, dass es auf dieser Kreuzung dann keine separate Rechtsabbiegerspur mehr geben wird. Die grünen Pfeile werden entfernt.“ Die ACE-Leute hielten den Atem an. Heike Voigt erklärte weiter: „Wir haben als Stadt Einspruch dagegen erhoben. Doch der Landesbetrieb argumentiert, dass die Unfälle auf dieser Kreuzung mit Verstößen gegen Ampel-Rot und der Missachtung der Regeln zusammenhängen, die der grüne Pfeil vorschreibt.“
Michael Fritz, Leiter des Polizeireviers Schwedt, kann das nur bestätigen: „An dieser Kreuzung gibt es viele Konfliktstellen. Wir als Polizei haben in letzter Zeit dort deshalb verstärkt kontrolliert und Verstöße gegen die Grünpfeilregelung bzw. ein Missachten der Vorfahrt festgestellt und geahndet. Die Reaktion der Kraftfahrer schwankt zwischen Verständnis und Uneinsichtigkeit.“

Anzahl verletzter Personen gestiegen

2019 hat es im Stadtgebiet 1036 Verkehrsunfälle gegeben. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 75 Unfälle, also 7,8 Prozent mehr Kollisionen. Dabei ist zwar die Zahl der Unfälle mit Personenschaden leicht gesunken. Aber die Schwere und Anzahl verletzter Personen stieg an. Im vergangenen Jahr gab es sogar drei Tote. Über diese Entwicklung hat Michael Fritz die ACE-Mitglieder informiert.
„Bei den Hauptunfallursachen spielen das Missachten der Vorfahrt und zu geringe Sicherheitsabstände eine große Rolle. Außerdem ist die Anzahl der Unfälle mit Wild sehr hoch“, erläutert Fritz. „Die Zahl der Radfahrer, die im Jahr 2018 an Unfällen beteiligt waren, ist von 56 auf 68 Unfälle im Jahr 2019 gestiegen. Dabei wurden 25 Unfälle von Radlern selbst verursacht.

Lindenallee/Karl-Marx-Straße ebenfalls gefährlich

Die Schwedter Verkehrsunfallkommission kommt regelmäßig zusammen und hat diese Entwicklung im Blick. So betrachtet die Kommission neben der Europa-Kreuzung auch die Kreuzung Lindenallee/Karl-Marx-Straße als Unfallschwerpunkt. 2019 hat es dort zehn Unfälle gegeben. Bis Mai dieses Jahres kam es dort zu drei Unfällen.
Wie Heike Voigt sagt, sollte durch ein Entflechten der Fahrspuren und eine neue Beschilderung Abhilfe bei Unfällen geschaffen werden. Aber: „Nicht alle Verkehrsteilnehmer halten sich an die Beschilderung, weil sie zum Beispiel von der Karl-Marx-Straße schnell geradeaus über die Lindenallee wollen und nicht zwingend rechts abbiegen möchten.“ Sie sieht deshalb diese Kreuzung immer noch als einen Schwerpunkt für die Unfallkommission an.

Konflikte beim Linksabbiegen

Die Kommission, zu der Polizei, Stadt und Vertreter des Landesbetriebs Straßenwesen gehören, hat mit der Kreuzung Lindenallee/Bahnhofstraße eine weitere Stelle ausgemacht, an der sich Unfälle häufen. Dort gibt es häufig Konflikte beim Linksabbiegen. „Die Unfallkommission hat festgelegt, dass die Verkehrsführung dort entflochten werden soll. Die innere Fahrspur soll reine Linksabbiegerspur werden“, erläutert Heike Voigt. „Verkehrsspezialisten haben vorher in einem Rechenmodell nachgewiesen, dass die angedachte Verkehrsführung alle Fahrzeuge ableiten kann und praxistauglich ist.“ Möglicherweise wird die neue Wegeführung noch in diesem Jahr realisiert.

Verstöße von Radfahrern

Wegen ihres Gefahrenpotenzials ist die Kurve an der Kavelheide hinter dem PCK Richtung Prenzlau eine besondere Beobachtungsstelle für die Unfallkommission. „Gerade in der Kavelheide gibt es viele Wildunfälle. In der Dämmerung müssen dort bei allen Kraftfahrern die Alarmglocken leuchten“, sagt Polizeichef Fritz.
Auch der Platz der Befreiung hat sich als Schwerpunkt herauskristallisiert. „Das ist ein reiner Fußgängerbereich“, sagt Michael Fritz. „Wir führen dort ebenfalls oft Kontrollen durch und stellen viele ältere Fahrradfahrer fest, die dort nicht absteigen. Wir hören dann manchmal Ausreden wie: Mein Bein tut weh. Oder: Ich muss meine Einkäufe transportieren.“ Kurioserweise stammen die Beschwerdeführer über die Radfahrer aus der gleichen Altersgruppe. Michael Fritz hat noch eine weitere Feststellung gemacht: „Entsprechend der Altersstruktur gehören in Schwedt zunehmend Ältere zu den unfallbeteiligten Personen . Dieser Personenkreis ist besonders gefährdet.“

Aufgaben der Verkehrsunfallkommission


Die örtliche Unfalluntersuchung ist eine Voraussetzung für die Festlegung von Maßnahmen zur Verhinderung von Verkehrsunfällen. Zur Beseitigung möglicher Ursachen kommen polizeiliche, verkehrsrechtliche und straßenbauliche Maßnahmen in Betracht. Größere Städte, so auch Schwedt, haben eine Verkehrsunfallkommission gebildet. Zu ihren ständigen Mitgliedern gehören Vertreter der Straßenbaulastträger (Landesbetrieb Straßenwesen und Stadt Schwedt), der Verkehrsbehörde der Stadt Schwedt und der Polizei.

Aufgabe der Kommission ist es, Vorschläge zur Entschärfung bzw. Beseitigung von unfallauffälligen Bereichen zu untersuchen sowie Maßnahmen zur Beseitigung zu beschließen.