Die Grenznähe zu Polen ist Fluch und Segen zugleich. Nach dem Wegfall des Tankrabattes, von 30 Cent je Liter, haben die Kraftstoffpreise wieder deutlich angezogen. Können die Schwedter Tankstellen so überleben? Wie wirkt sich die Grenznähe und der Wegfall des Tankrabattes aus und wie können die Tankstellen in Schwedt überleben?
MOZ.de im Gespräch mit dem Tankstellenpächter Ronny Brüß. Brüß ist Betreiber der Shell Tankstelle in Schwedt und besorgt über die Entwicklung der Kraftstoffpreise und der steigenden Kosten für sein Unternehmen. Die Umsätze, gerade im Bereich der Kraftstoffe, sind stark rückläufig. So wurden beispielsweise im Jahr 2020 durchschnittlich 14.000 Liter Benzin und Diesel täglich umgesetzt. Im Lockdown waren sogar bis zu 20.000 Liter täglich.
Davon kann Brüß heute nur noch träumen. 6500 Liter beträgt der derzeitige Tagesumsatz, an einem Wochentag. Am Wochenende sei es noch weniger, sagt Brüß. Diese Zahl klingt erstmal viel, jedoch verkauft er nicht seine eigenen Kraftstoffe, sondern die von Shell. Dafür bleibt ihm durchschnittlich 1 Cent pro Liter Kraftstoff. Dass die Kraftstoffe, so nah an einer Raffinerie teurer sind als zum Beispiel in Berlin, sei ebenfalls eine Folge des geringen Absatzes. Die Mineralölkonzerne würden so den geringeren Umsatz kompensieren, ohne dass jedoch was an den Pächter geht. Gleichzeitig steigen auch hier die Energiekosten für Heizung und Strom. Beim Strom schätzt Brüß, dass sich die Kosten im kommenden Jahr verdreifachen werden. Genaues könne man ihm auch bei den Stadtwerken, als Versorger, noch nicht sagen.

Womit verdient die Tankstelle eigentlich noch Geld?

Seine Tankstelle lebt vom Shop, so Brüß. „Die Produkte sind etwas teurer als im Supermarkt, aber dafür rund um die Uhr verfügbar“. Aber auch dort ist ein Einbruch bemerkbar. „Durch die ausbleibenden Tankkunden fehlt der Mitnahmeeffekt und somit sinkt auch im Shop der Umsatz“. Die Stammkunden kommen jedoch weiter und schätzen die kurzen Wege.
Besonders gefragt sind Kaffee, Snacks oder die Bockwurst zwischendurch. Für dieses Jahr geht Brüß davon aus, dass die Tankstelle sich zwar selbst trägt, aber keine Gewinne abwirft. Um die Gesamtkosten zu reduzieren, hat er bereits in seinem Autohaus die Beleuchtung reduziert und die Heizung runtergedreht. Eine zusätzliche Belastung stellt natürlich die Mindestlohnerhöhung dar.

Keine Entlassungen geplant

Trotz der Befürchtung, im kommenden Jahr Verluste einzufahren, sagt Brüß ausdrücklich, „es wird keine Entlassungen geben, da wir auch schon gute Gewinne gemacht haben und das den Mitarbeitern verdanken.“ Er denkt stattdessen über neue Konzepte nach, um die Umsätze zu steigern. In der Vergangenheit gab es bereits die Idee, eine Wasserstofftankstelle einzurichten. Dies scheiterte an der geringen Nachfrage. Bis neue Konzepte gefunden sind, will er mögliche Verluste der Tankstelle mit seinem Autohaus kompensieren. Das sei zwar keine dauerhafte Lösung, aber eine gewisse Zeit könne man so überbrücken. Jedoch bevor er einen seiner sechs Mitarbeiter entlässt, würde der Nachtbetrieb eingeschränkt.

Warum kommen die Kunden?

Moz.de sprach auch mit den Tankkunden. Die Gründe für eine Tankentscheidung in Deutschland sind vielfältig. Eine Kundin, die namentlich nicht genannt werden möchte, sagte, dass sie ausschließlich dann Tanken fährt, wenn sie Zeit hat und ihr somit der Weg über die Grenze zu weit ist. Außerdem hat sie schlechte Erfahrungen mit Betrugsversuchen an einer polnischen Tankstelle gemacht. Ein weiterer Kunde sagte, er sei Stammkunde und schätze den Service und den Umgang der Mitarbeiter mit den Kunden. Er könne aufgrund seiner Geschäftstätigkeit die Kosten auch nur geltend machen, wenn er in Deutschland tankt.
Von diesen Preisen Träumen Deutsch Verbraucher
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© Foto: Matthias Wagner

Die Rente reicht nicht mehr

MOZ.de warf auch einen Blick nach Polen, um mit Kunden zu sprechen, die dort tanken. Ein älteres Ehepaar mit einem Kleinwagen tankt für 50 Euro voll. „Wir kaufen viel in Polen“, sagt die Dame und ihr Mann ergänzt, „mit unserer Rente können wir uns vieles in Deutschland nicht mehr leisten. Bei einer kleinen Rente sind 30 Cent pro Liter Benzin viel Geld“. Man wolle ja den Enkeln ab und zu auch noch etwas zustecken. Eine Junge-Frau berichtet, dass sie neben dem preiswerten Benzin auch direkt noch Zigaretten kauft. „Die sind ja auch nur halb so teuer wie in Deutschland“.
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