Tierserie
: Der Wachtelkönig (Crex Crex) ruft im Nationalpark Unteres Odertal

Eine neue Reihe stellt bedrohte Tierarten in der Natuionalparkregion Unteres Odertal vor.
Von
moz
Schwedt
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  • Mit Trabi zur Naturschutzarbeit: Joachim Sadlik engagiert sich sehr für die Wachtelkönige.

    Mit Trabi zur Naturschutzarbeit: Joachim Sadlik engagiert sich sehr für die Wachtelkönige.

    Oliver Voigt
  • Rufender Wachtelkönig in den Wiesen des Nationalparks Unteres Odertal.

    Rufender Wachtelkönig in den Wiesen des Nationalparks Unteres Odertal.

    Cezary Korkosz
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Wie viele andere Vogelarten verrät sich der Wachtelkönig eher mit seinem Gesang, als dass man ihn in freier Wildbahn wirklich zu Gesicht bekommt. Ähnlich wie der Kuckuck ruft er seinen lateinischen Namen: „Crex crex“. Der Ruf klingt wie ein Ratschen, etwa als würde man mit einem Finger schnell über einen grobzahnigen Kamm streichen. „Crex crex“ ertönt es in der Brutzeit von Mai bis August – hauptsächlich nachts. Nachdem die Vögel Anfang Mai aus ihren Winterquartieren in Afrika im Brutgebiet eingetroffen sind und auf Partnersuche gehen, kann man die Rufe auch tagsüber hören.

Der Wachtelkönig lebt in feuchten Wiesen, vor allem in Flussniederungen wie dem unteren Odertal, dem bedeutendsten Brutgebiet in Brandenburg. Er stellt dabei sehr spezifische Anforderungen an seinen Lebensraum. Die Wiesen-Vegetation aus Gräsern und Kräutern darf weder zu lückig noch zu dicht sein, damit er sich laufend hindurch bewegen kann. Aufgrund seiner heimlichen Lebensweise bekommt man einen Wachtelkönig sehr selten zu Gesicht. Wird er von Fressfeinden wie dem Fuchs aufgeschreckt, fliegt er kurz mit hängenden Beinen auf, um nach wenigen Metern wieder zu landen. Der Wachtelkönig paart sich im Mai, danach legt das Weibchen etwa vier bis zehn Eier in eine flache,  allenfalls mit Gräsern oder Moos ausgekleidete Mulde direkt am Boden auf Wiesen oder Weiden.

Erst nachdem das Gelege vollständig ist, wird es allein vom Weibchen etwa 16 bis 19 Tage lang bebrütet, damit die Jungen gleichzeitig schlüpfen. Dies ist wichtig, denn Wachtelkönige sind Nestflüchter. Sie können nach dem Schlupf sofort sehen und laufen. Vom Weibchen werden die schwarz gefärbten Küken etwa vier Tage gefüttert, anschließend werden sie geführt und suchen sich selbstständig ihre Nahrung. Sie besteht aus Insekten, um Eiweiß für das Wachstum aufnehmen zu können. Im Alter von 34 bis 38 Tagen werden die Jungen flügge.

Der Lebensraum des Wachtelkönigs liegt heute überwiegend in der ebenfalls vom Menschen genutzten Kulturlandschaft. Grünland, vor allem in den fruchtbaren Flussauen, wird bereits seit Jahrhunderten als Weide und Wiese genutzt. Mit der fortschreitenden Technisierung der Landwirtschaft im 20. Jahrhundert wurde diese Koexistenz jedoch zunehmend zum Problem für den Wachtelkönig sowie auch für weitere bodenbrütende Vogelarten. Besonders die Mahd mit schnellen und breiten Landmaschinen führt zu hohen Verlusten unter den Wachtelkönigen, da diese ins­tinktiv versuchen, laufend zu fliehen und so in das Mähwerk geraten können.

Um dies zu verhindern, wird das Grünland im Nationalpark Unteres Odertal unter besonderen Bedingungen bewirtschaftet. Mithilfe der ehrenamtlichen Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Uckermark gibt es ab Mai spezielle Synchronzählungen. Dabei zählen verschiedene Teams in einer Nacht im gesamten Nationalpark die rufenden Wachtelkönige.

Diese synchrone Vorgehensweise ist wichtig, weil die Vögel gerade zu Beginn ihren Rufplatz auch noch wechseln können. Auf Grundlage der Ergebnisse werden von der Nationalparkverwaltung für jeden Landwirt entsprechende Nutzungsfreigaben erstellt.

Wachtelkönig-Gebiete schonen

Es gilt, dass besetzte Wachtelkönigreviere mindestens bis zum 15. Juli von einer Nutzung ausgenommen werden. Rufen auch Mitte Juni noch Wachtelkönige auf einer Fläche, muss diese bis zum 15. August geschont werden.

Auf freigegebenen Flächen werden zudem, oft auch auf freiwilliger Basis, von den Landwirten spezielle Schutzstreifen nicht gemäht, in die sich die Vögel zurückziehen können. Auf diese Weise kann erfolgreicher Schutz mit angepasster Landnutzung einhergehen. Die Ertragseinbußen durch eine spätere Nutzung von Wiesen werden aus Mitteln des Vertragsnaturschutzes kompensiert.

Die Zahl der Wachtelkönige im Nationalpark Unteres Odertal schwankt jährlich. Im Jahr 2019 konnten im Nationalpark nachweislich 66 Wachtelkönige festgestellt werden. Das bisherige Rekordjahr war 2007 mit über 200 rufenden Männchen.

Trotz der umfangreichen Schutzmaßnahmen in dem Gebiet zeigt sich dennoch ein negativer Trend. Die Entwicklung von Wildnisgebieten, wie im Polder 10 bei Gatow, spielt hierbei ebenfalls eine Rolle. Aufgrund der Vegetationsveränderung verschwinden hier die vom Wachtelkönig bevorzugten Brutgebiete. Andere Arten wie die Rohrdommel, die große Schilfgebiete besiedelt, nehmen hier jedoch zu.

Der Wachtelkönig ist auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands als „stark gefährdet“ eingestuft. Auf der Roten Liste für Brandenburg steht er als „vom Aussterben bedroht“.

MOZ-Serie: Tieren auf der Spur

"Tieren auf der Spur" ist die Märkische Oderzeitung in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Unteres Odertal einmal im Monat. Im Mittelpunkt der neuen Reihe stehen Tiere, die sich rund um das Naturreservat wohl fühlen und im schönsten Auenland jenseits von Mittelerde eine Heimat finden. Denn oft sind im Nationalpark die bedeutendsten Vorkommen bedrohter Arten in Brandenburg. Mit einzelnen Tierarten kann die Region sogar bundesweit glänzen. Das Projekt von MOZ und Nationalpark bietet dem Reservat in seinem Jubiläumsjahr die Möglichkeit, sich mit seinen besonderen tierischen Kleinoden zu präsentieren. Experten aus dem Team des Parks stellen dafür die bekannten, weniger bekannten und bedrohten Tierarten vor. Im ersten Teil geht es um den Wachtelkönig, der auf den urigen  lateinischen Namen "Crex Crex" hört.⇥pif