Trinkwasser: Trockenheit sorgt für Rekorde beim Wasserverbrauch in Schwedt

Das Trinkwasser in Schwedt stammt aus 40 bis 60 Metern Tiefe und ist noch reichlich vorhanden. Die Trockenheit und die hohen Temperaturen bescheren dem Zowa aber rekordverdächtige Nachfragen nach dem kühlen Nass. (Symbolbild)
Jens Büttner/dpaSo weit will Zowa-Chef Jens Arnold jedoch noch nicht gehen. Allerdings: Wenn es weiter so trocken bleibt, könnte das Wasser aber auch in der Uckermark knapp werden. Da helfen auch die paar Regentropfen nicht viel, die in den vergangenen Tagen über der Stadt niedergegangen sind.
Die Kunden profitieren vom hohen Verbrauch
Von Wasserknappheit wie in anderen Regionen der Republik ist aktuell allerdings nichts zu spüren und vom hohen Verbrauch profitieren zurzeit sogar die Kunden. Denn weil der Zowa gute Geschäfte macht, klingelt es reichlich in der Kasse. Und weil der Zowa als Verband keinen Gewinn erwirtschaften darf, helfen die zusätzlichen Einnahmen die Wasserpreise zu stabilisieren. „Ich gehe davon aus, dass die Wasserpreise auch 2021 stabil bleiben“, hat Arnold daher eine gute Nachricht parat.
An hervorragenden Tagen verbrauchen die Bürger in Schwedt zwischen 7263 und 7578 Kubikmeter Wasser, das entspricht zwischen 4000 und 4200 Badewannen mit einem Vollbad. „Wenn wir an mehreren Tagen hintereinander solche Mengen Wasser liefern müssen, kommen wir schon an die Grenzen“, sagt Arnold. Dennoch ist in den Speichern, den Erdschichten in 40 bis 60 Metern Tiefe, noch ausreichend Wasser vorhanden.
Die Verfügbarkeit wird ständig von externen Experten überwacht. Und aktuell bewegt sich der Wasserstand in diesen Schichten leicht unterhalb des langjährigen Mittels. „Wir müssen uns allerdings damit abfinden, dass das kostbare Trinkwasser immer häufiger zum Wässern des Gartens eingesetzt wird“, sagt der Zowa-Chef. Dass die Brunnen aktuell in einer guten Verfassung sind, zeigt Arnold anhand einer Untersuchung des Grundwassers rund um Görlsdorf. Der Grundwasserleiter sei gut geschützt, heißt es in dem Papier, das zeige die Homogenität des Wassers und seiner Qualität an unterschiedlichen Untersuchungsstellen. Auch die Entwicklung über die vergangenen 15 Jahre zeigt bei einzelnen Werten keine auffälligen Tendenzen.
Die Brunnen in der Umgebung fallen mehr und mehr trocken, denn sie sind oft nicht so tief und da macht sich die Trockenheit der vergangenen Jahre bemerkbar. Wegen der Trockenheit greifen auch Landwirte immer mehr auf die künstliche Bewässerung zurück: „Landwirtschaft und Trinkwasserversorger geraten immer mehr in eine Konkurrenzsituation. Letztlich hat die Trinkwasserversorgung aber Vorrang“, sagt Arnold.
Angesichts der aktuell noch zur Verfügung stehenden Wassermengen in der östlichen Uckermark sieht Arnold keinen Anlass, die Bürger vehement zum Sparen aufzufordern. Er schließt aber nicht aus, dass dies in den kommenden Jahren anders wird, wenn die Trockenheit anhält und sich die Wasserspeicher nicht wieder auffüllen.
Zähler für Gartenwasser gefragt
Fest steht, die Zähler für im Volksmund „Gartenwasser“ genanntes Trinkwasser sind zurzeit stark nachgefragt. Mithilfe dieser „Absetzmengenzähler“ lässt sich feststellen, wie viel Wasser im Haus verbraucht worden ist und damit vermutlich auch in die Kanalisation fließt. Gartenwasser ist von den Abwassergebühren befreit.
Hat der Zowa-Chef denn keine Bedenken, dass die Bürger das Gartenwasser wiederum im Haus nutzen? Schließlich handelt es sich immer noch um hochwertiges Trinkwasser. „Wir erkennen ja an der verbrauchten Gesamtmenge im Verhältnis zum im Garten und im Haus genutzten Wasser, ob dort alles mit rechten Dingen zugeht“, erklärt er, dass größere Schwindeleien am Ende schnell auffliegen.
Der Zowa
Der Zweckverband Ostuckermärkische Wasserversorgung und Abwasserbehandlung ist 1993 im damaligen Landkreis Angermünde und der Stadt Schwedt gegründet worden. In den folgenden Jahren sind die Ausrüstung und die Steuerung in den Wasserwerken erneuert worden. Bis 2013 hat der Zowa im gesamten Verbandsgebiet Teile des Rohrnetzes ausgewechselt. Da etliche Leitungen 50 Jahre und mehr auf dem Buckel haben, muss laut Zowa-Chef Jens Arnold dieses Projekt fortgesetzt werden. 2006 und 2007 ist eine Leitung der PCK-Raffinerie gebaut worden, die seitdem auch mit Trinkwasser versorgt wird. Insgesamt flossen in die Sanierung etwa 31 Millionen Euro. ⇥pif
