Uckermark gegen Leukämie
: Diagnose Krebs – wie in Angermünde letzte Wünsche in Erfüllung gehen

Den Tod vor Augen hat Brigitte aus Angermünde nur noch einen Wunsch: noch einmal ans Meer. Was der Verein Uckermark gegen Leukämie für sie und andere sterbenskranke Menschen tut.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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  • Glücklicher Moment: Brigitte und Werner aus Angermünde genießen einen Tag am Meer. Vielleicht zum letzten Mal. Es war ihr Herzenswunsch. Denn sie haben nicht mehr viel Zeit. Brigitte hat Krebs.

    Glücklicher Moment: Brigitte und Werner aus Angermünde genießen einen Tag am Meer. Vielleicht zum letzten Mal. Es war ihr Herzenswunsch. Denn sie haben nicht mehr viel Zeit. Brigitte hat Krebs.

    Mandy Knuth
  • Wünscheerfüller: Frank Wernicke vom Verein Uckermark gegen Leukämie fuhr das Ugli-Patientenmobil bis nach Heringsdorf. Hier spaziert er mit den Patienten auf die Seebrücke.

    Wünscheerfüller: Frank Wernicke vom Verein Uckermark gegen Leukämie fuhr das Ugli-Patientenmobil bis nach Heringsdorf. Hier spaziert er mit den Patienten auf die Seebrücke.

    Paula Baumgarten
  • Wünscheerfüller: Der Verein Uckermark gegen Leukämie erfüllt einem Paar aus Angermünde einen letzten Wunsch: Einmal noch ans Meer, nach Heringsdorf. Hier haben sich Brigitte und Werner einst verobt. Das Patientenmobil macht es möglich. Und ein gratis Fotoshooting, das Inselfotografin Mandy Knuth sponsert, ist eine Überraschung.

    Wünscheerfüller: Der Verein Uckermark gegen Leukämie erfüllt einem Paar aus Angermünde einen letzten Wunsch: Einmal noch ans Meer, nach Heringsdorf. Hier haben sich Brigitte und Werner einst verobt. Das Patientenmobil macht es möglich. Und ein gratis Fotoshooting, das Inselfotografin Mandy Knuth sponsert, ist eine Überraschung.

    Paula Baumgarten
  • Wünscheerfüller:  Der Verein Uckermark gegen Leukämie erfüllt einem Paar aus Angermünde einen letzten Wunsch: Einmal noch ans Meer, nach Heringsdorf. Paula und Ines Baumgarten (links) sowie Frank Wernicke (r.) vom Verein Uckermark gegen Leukämie mit Brigitte und Werner beim Fotoshooting zur Erinnerung.

    Wünscheerfüller: Der Verein Uckermark gegen Leukämie erfüllt einem Paar aus Angermünde einen letzten Wunsch: Einmal noch ans Meer, nach Heringsdorf. Paula und Ines Baumgarten (links) sowie Frank Wernicke (r.) vom Verein Uckermark gegen Leukämie mit Brigitte und Werner beim Fotoshooting zur Erinnerung.

    Mandy Knuth
  • Wunscherfüller: Der Tisch im Hotel Upstalboom in Heringsdorf ist mit originell reserviert.

    Wunscherfüller: Der Tisch im Hotel Upstalboom in Heringsdorf ist mit originell reserviert.

    Daniela Windolff
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Barfuß im Sand laufen, nur noch einmal Hand in Hand in den unendlichen Horizont des Meeres schauen. Endlose Weite, in der sich alle Ängste und Sorgen verlieren. Das ist alles, was sich Brigitte und Werner wünschen. Am Meer, auf Usedom in Heringsdorf, hat sich das Paar aus Angermünde einst verlobt. Die Liebe hält. Doch ihnen bleibt nicht mehr viel gemeinsame Zeit. Brigitte hat Krebs, weit fortgeschritten und unheilbar. Den Traum von der letzten Reise ans Meer hatte das ältere Paar aufgegeben. Sie würden es alleine nicht mehr schaffen.

Zweite Verlobungsreise ans Meer

Und doch ging ihr größter Herzenswunsch jetzt in Erfüllung, noch viel schöner und bewegender, als sie es sich jemals hätten vorstellen können. Brigitte Tiska und Werner Koß erlebten eine zweite Verlobungsreise, die ihr gemeinsames Leben und ihre Liebe für immer unvergessen macht. Möglich wurde das durch ehrenamtliche Herzenswünsche-Erfüller, durch den Verein Uckermark gegen Leukämie.

Betroffene gründeten Uckermark gegen Leukämie

Den Tod vor Augen, das Leben im Herzen – was die Diagnose Krebs und Leukämie für Betroffene und Familien bedeutet, wie sich dadurch der Alltag, das Umfeld und auch die Wünsche verändern, wenn es ums Überleben oder einfach nur noch um ein wenig gutes Leben geht, das wissen die Gründer und Mitstreiter des ehrenamtlichen Vereins.

Initiatorin und Vorsitzende Ines Baumgarten hatte durch eigene schmerzvolle Erfahrungen auf der Suche nach Hilfe, Austausch, Verbündeten und vor allem Unterstützung mit ihrem Mann Axel 2009 die Initiative Uckermark gegen Leukämie gegründet. Axel Baumgarten war selbst an Leukämie erkrankt.

Verein ist das Vermächtnis von Axel Baumgarten

Er erlag leider nach langem Kämpfen und Hoffen der tückischen Krankheit. Der Verein Uckermark gegen Leukämie ist sein Vermächtnis. Er wurde in den Jahren bekannter, größer, stärker und hat inzwischen unzähligen Patienten und deren Familien geholfen, durch die schwere Zeit einer Krebserkrankung zu kommen. Er begleitet und unterstützt sie von der Diagnose über Hilfsangebote, Spenden, Typisierungsaktionen, Informationen über Therapiemöglichkeiten, durch mehr Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit, bis hin zur Begleitung auf dem letzten Weg und Trauerbewältigung.

Verein ist für alle schwerstkranke Patienten da

Der Verein ist für kranke Kinder ebenso da, wie für alte Menschen und längst weit über Angermünde und die Uckermark hinaus aktiv.

Inzwischen hat der Verein Uckermark gegen Leukämie seine Satzung dahingehend erweitert, dass er nicht nur für Menschen mit Krebs Ansprechpartner ist, sondern für alle Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen, und zwar von der ersten Diagnose an, informiert Ines Baumgarten. „Wir möchten auch anderen schwerstkranken Menschen Gutes tun.“

Ehrenamtliche Arbeit wird aus Spenden finanziert

Alles geschieht ehrenamtlich und wird allein durch Spenden finanziert. Eine Herzensangelegenheit der 18 Vereinsmitglieder und ihrer Helfer ist es, Herzenswünsche zu erfüllen. Seit einigen Jahren geht der Verein Uckermark gegen Leukämie (UgL) mit seinem Ugli-Patientenmobil auf Tour. Das Ziel bestimmen schwerkranke Menschen, die sich einen Traum oder letzten Wunsch erfüllen möchten.

Mal geht es mit einem Kind zum Lieblingsfußballverein, mal mit Jugendlichen zum Konzert, mit der Familie an traditionelle Urlaubsorte oder einfach nur noch einmal an den Wolletzsee, ganz nach Wunsch.

Noch einmal den eigenen Garten besuchen

Einem Patienten mit der unheilbaren Nervenerkrankung ALS erfüllte der Verein kürzlich den Wunsch, mit seiner Frau einen Tag im Botanischen Garten zu verbringen. Ein anderer sterbenskranker Patient aus dem Eberswalder Hospiz am Drachenkopf wünschte sich nichts weiter, als noch einmal seinen Garten zu sehen und seinen Koys Lebewohl zu sagen. Da er so geschwächt war, dass er liegend transportiert werden musste, halfen die Johanniter mit. Das Netzwerk und die gegenseitige Unterstützung funktionieren gut in der Region. Wenige Tage später starb der Patient.

Patientenmobil erfüllt Herzenswünsche

„Solche Momente, jemandem auf seinem letzten Lebensweg noch einen Herzenswunsch zu erfüllen, machen unfassbar glücklich und dankbar“, sagt Frank Wernicke.

Er engagiert sich seit einigen Jahren ehrenamtlich im Verein Uckermark gegen Leukämie und fährt selbst oft das Ugli-Patientenmobil. „Ich bin auf den Verein gestoßen, weil ich selber betroffen bin. Ich bin an einer Form der Leukämie erkrankt, die die Knochen zerfrisst“, erzählt Frank Wernicke, der aus Bad Freienwalde stammt. 2016 bekam er eine Stammzellentransplantation.

Typisierungsaktionen für Knochenmarkspende

Der Verein organisiert auch Typisierungsaktionen in Schulen, Vereinen, bei Veranstaltungen oder eigenen Events, und mobilisiert viele Menschen, sich als potenzielle Spender für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei registrieren zu lassen, um so im Notfall vielleicht Leben retten zu können.

Frank Wernicke hatte Glück. Seit der Transplantation schöpft er wieder Hoffnung. Der Verein gibt ihm Kraft. Seine Mitgliedschaft hat noch eine weitere kuriose Geschichte.

Dankbarkeit und Herzlichkeit

„Ich wollte immer ein Tattoo haben. Ines Baumgarten hörte zufällig davon und der Verein erfüllte mir meinen Wunsch. Deshalb wollte ich etwas zurückgeben. Wenn sie mir helfen, will ich das auch und mich selbst aktiv im Verein engagieren“, erzählt Frank Wernicke. Was er an Zeit, Kraft und Herzblut in Uckermark gegen Leukämie investiert, bekommt er nun vielfach zurück.

„Ich erlebe so viel Dankbarkeit, Freude, Glück, Zusammenhalt und Herzlichkeit, das kann man mit nichts vergleichen. Und die Tätigkeit hilft mir auch, selbst mit meiner Erkrankung besser umzugehen, sie anzunehmen, die Nebenwirkungen der Therapien zu vergessen und jeden schönen Moment auszukosten“, sagt Frank Wernicke.

Ausflüge sind für die Patienten kostenlos

Gerade sind er und Ines und Paula Baumgarten wieder von einer Glücksreise mit dem Wunscherfüller-Patientenmobil zurückgekehrt und noch ganz beseelt von den Eindrücken. Sie fuhren mit Brigitte Tiska und Werner Koß, dem Angermünder Paar, an die Ostsee, an den Ort ihrer Verlobung Heringsdorf.

Brigittes Krankenschwester hatte den Verein Uckermark gegen Leukämie angesprochen. Sie selbst hätte sich nicht getraut. Der Verein sagte sofort zu, diese Fahrt zu unternehmen. Für die Patienten ist das kostenlos. Es wird alles aus den Spenden des Vereins finanziert.

Spontane Unterstützer vor Ort

„Wir spazierten mit ihnen am Strand entlang, wanderten auf die Seebrücke und erlebten dort nicht nur ein vom Glück überwältigtes Paar, sondern auch selbst eine Überraschung“, berichtet Frank Wernicke. „Ich erzählte einer befreundeten Fotografin auf Usedom, Mandy Knuth, von unserem Besuch und sie bot spontan ein kostenloses Fotoshooting am Strand für unsere beiden an. So sind wunderschöne Erinnerungsfotos an diesen besonderen Tag entstanden.“ Natürlich gehört auch ein gutes Essen zu so einem Tagesausflug dazu.

Hotel spendierte Essen und Getränke

Der Verein hatte einen Tisch im Heringsdorfer Hotel „Upstalsboom“ reserviert. Das Hotel hatte auf das Reservierungsschildchen liebevoll „Familie Wunscherfüller“ geschrieben und - zur Überraschung der besonderen Angermünder Gäste - auch sämtliche Kosten für Speisen und Getränke übernommen, damit der Verein sein Spendenkonto schonen kann.

Projekt Patientenmobil soll noch mehr Menschen erreichen

„Wir sind selbst oft überwältigt und so dankbar, von wie vielen Seiten und oft ganz unverhofft Unterstützung für unser Projekt und unsere Arbeit kommt. Es ist auch für uns ein Geschenk. Wir hoffen, dass sich unser Angebot des Ugli-Patientenmobils in der Region etabliert und wir noch mehr Menschen Herzenswünsche erfüllen und sie glücklich machen können. Wir freuen uns über jegliche Anfragen und natürlich auch über jede Spende und Sponsoren. Ohne sie wären solche Projekte nicht möglich“, sagt Ines Baumgarten. Das glückliche Strahlen in den Augen von Brigitte Tiska und Werner Koß ist auch ein Dankeschön für alle Unterstützer. Ihre Spuren im Sand schreiben Erinnerungen in die Herzen.

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