Mit einem Appell hat sich der Landkreis an Parteien, Kreistagsabgeordnete und Gemeindevertreter der Uckermark gewandt. Es geht um den dringend notwendigen Ausbau des viel kritisierten Mobilfunknetzes auf dem Lande. Politiker und Abgeordnete werden dabei aufgefordert, die Telekommunikationsunternehmen besser zu unterstützen. Eine gute Versorgung sei Standort- und Wirtschaftsfaktor zugleich, heißt es in einem Bericht an den Kreistag.
Was ist passiert? Die Unternehmen sind von der Bundesnetzagentur aufgefordert worden, flächendeckend für Breitband und Mobilfunk zu sorgen. Das klappt momentan gerade in der Uckermark überhaupt nicht. Stattdessen gehören unterbrochene Telefongespräche, schlechte Internetverbindungen auf dem Handy und permanente Funklöcher zum Alltag. Sogar in Städten ist die Qualität und Leistung der Netze äußerst unterschiedlich. Es gibt Orte, in denen kaum jemand vernünftig mobil telefonieren kann, egal über welchen Anbieter.

Keine Funkmasten vor der Tür

Doch die Firmen haben ein Riesenproblem: Offenbar will keiner die Funkmasten vor der Tür. Im Normalfall sucht sich ein Betreiber einen geeigneten Standort für die Türme. Die Kommunen können nur eigene Grundstücke zur Verfügung stellen, wenn private Eigentümer sich weigern. Allerdings berichtet der Mobilfunkbeauftragte André Reichow, dass bei Standorten in der Nähe von Wohnhäusern sofort Unfrieden und sogar Bürgerproteste entstehen.
Die Folge: Auf der Grundlage des Nachbarrechts oder des Umwelt-Rechtsbehelfsgesetzes werden Gründe gesucht, die Masten soweit wie möglich in die Außenbereiche oder in die freie Landschaft zu schieben. Das wäre für die eigentliche Versorgung der Telefonkunden schon hinderlich, zieht aber ein noch ein weiteres Problem nach sich. Denn im Außenbereich kollidieren die Turmbauer gerade in der Uckermark mit Natur- und Landschaftsschutz.

Planung wird immer länger

Nach Darstellung des Mobilfunkbeauftragten sind die Probleme nicht aus der Luft gegriffen. Obwohl die Baugenehmigungen keine Öffentlichkeitsbeteiligung benötigen, gerät die Standortsuche zum Hindernis. Derzeit beantrage die Deutsche Funkturm GmbH im Auftrag der Deutschen Telekom Baugenehmigungen für zahlreiche Antennenträger im Landkreis. Der eigentliche Planungsprozess zieht sich in die Länge, weil gerade Naturschutz-Aspekte zu berücksichtigen sind. Überwiegt der Naturschutz, muss auch noch ein zeitraubendes Befreiungsverfahren in Gang gesetzt werden. Nach Information des Kreises stehen Schutzgebietsverwaltungen, anerkannte Naturschutzverbände und auch der Naturschutzbeirat des Kreises solchen Vorhaben wegen der damit verbundenen Eingriffe oft kritisch gegenüber.

Unbefriedigende Situation

Damit hängen die Betreiber zunehmend in der Luft, müssen zwischen Bürgerprotesten oder Naturschutzärger wählen. So verlängern sich die Genehmigungsverfahren weiter. Die Situation sei auch für die Firmen, die ihren gesetzlichen Versorgungsauftrag zu erfüllen haben und ihre Kunden zufriedenstellen wollen, „äußerst unbefriedigend“.
Der Bericht über den Mobilfunkärger wird auf dem Kreistag noch in diesem Monat öffentlich diskutiert.