Es ist mucksmäuschenstill im großen Vortragsraum der Schwedter Volkshochschule. Hier sollte an diesem Mittwoch eigentlich ein Sprachkurs stattfinden, für den sich der Schwedter Landtagsabgeordnete Mike Bischoff angemeldet hat. Gern wollte der Politiker die Idee der Volkshochschule unterstützen, dass bekannte Schwedter einen ihrer vielen Kurse besuchen und damit Werbung dafür machen. Hat er sich in der Zeit geirrt oder im Tag?

Stummer Beifall, wortloses Lachen

Mitnichten. Drinnen „quatscht“ der zehnköpfige Kurs schon seit einiger Zeit wild durcheinander. Dabei ist es allerdings still wie in einem Klassenraum zur Hofpause. Die Münder der Teilnehmer formen Buchstaben oder Worte, bleiben aber stumm. Die Hände formen Zeichen, Buchstaben und Bewegungen. Der Kurs Gebärdensprache ist vermutlich das leiseste Angebot der Volkshochschule und sorgt dennoch ununterbrochen für Lachen, Beifall und Zuspruch, nur eben geräuschlos.
Es muss die Hölle sein für einen Politiker, sich ausdrücken und mit anderen zu kommunizieren und dabei die Klappe zu halten. Der Sozialdemokrat bemüht sich redlich, die Handsprache der Gehörlosen schnell aufzufassen und sich zu merken. Meist jedoch verrät seine Gestik eher das Ringen nach „Worten“ oder seine Hilflosigkeit, Selbstverständliche Begriffe oder Sätze nun ohne Sprechen auszudrücken. Wer gewohnt ist, mit dem gesprochenen Wort andere Menschen zu überzeugen oder Sprechenden zuzuhören, verzweifelt angesichts seiner Sprachlosigkeit und Ausdrucksschwäche in Gebärden. Eine Stunde im Kurs, 60 Minuten die Klappe halten, das schafft Mike Bischoff natürlich nicht ganz.

L für Lila, Herz 4 für Hartz IV

Während der Kurs Tafelbild um Tafelbild vollgeschrieben mit Wörtern, Begriffen oder Sätzen still übt, die Teilnehmer sich einander Zeichen geben, erklären oder verbessern, lernt Mike Bischoff erste Bruchstücke dieser ihm völlig fremden Sprache. Der Satzbau folgt ganz anderen Regeln, für Farben zeigt man auf solche oder formt Anfangsbuchstaben wie das L für Lila, oder das Y für Gelb (englisch: Yellow). Oft werden Gleichnisse oder Assoziationen benutzt, die wir mit bestimmten Dingen verbinden, etwa das Zeigen aufs Herz und von vier Fingern. Im Kontext Arbeitslosigkeit wird das für den Begriff „Hartz IV“ verwandt. Stimmt nicht, ist aber verständlich. Mike Bischoff lernt, wie man Gras „spricht“, indem man es mit den Fingern nach oben wachsen und aufgehen lässt oder das Zeigen auf Körperteile Floskeln wie „Mit Herz und Hand“ möglich machen.

Zeichensprache hat auch ihren Reiz

Die Kursschüler neben Bischoff sind Isabel Stephan und Sascha Kunkel. Die 17-jährige Schülerin der Talsand-Gesamtschule und der Angestellte von Verbio sind weder gehörlos, noch haben sie zu Gehörlosen Kontakt. Sie lernen die Sprache aus reinem Interesse und Wissensdrang, andere nach Erlebnissen mit Gehörlosen und dem Bedürfnis, sich mit ihnen verständigen zu können. „Ein bisschen cool ist es aber auch“, gesteht Isabel, die ihre Mutter in den Kurs begleitete. „Und Gebärdensprache hat auch ihren Reiz“, findet Sascha, der daran erinnert, dass es in der Schulzeit von Schülern auch als Geheimsprache benutzt wurde. Kursleiterin Astrid Gehring arbeitet im PCK, ehrenamtlich engagiert sie sich im Verein Inklusionsvielfalt. Alle Menschen als Gleichberechtigt zu behandeln, schließt auch das Verstehen und Sprechen mit Gehörlosen ein. Die einzige Kursteilnehmerin, die selbst Hörschwierigkeiten hat und mit anderen Gehörlosenkommuniziert, ist Olivia Dokov. Sie übt im Kurs und unterstützt als Co-Dozentin gleichzeitig Kursleiterin Astrid Gehring und gibt ihr Wissen an die anderen weiter.

Kurs übt Nachsicht mit dem Politiker

Isabel und Sascha üben mit dem Neuling Bischoff das Gespräch mit Gehörlosen. Immer wieder rutscht Mike Bischoff doch ein Wort oder eine Frage heraus. „Das Thema Gebärdensprache wird aber auch bei uns im Landtag gerade Thema. Es wird Mitschnitte bestimmter wichtiger Sitzungen geben, die dann auch simultan in Gebärdensprache übersetzt werden“, erklärt er, hebt beide geöffneten Hände nach oben und dreht sie. „Das bedeutet Beifall“, hat er behalten. Am Ende gibt es noch ein Gruppenfoto des Kurses mit dem prominenten Gast. Der Kurs jedenfalls ist nachsichtig mit dem Politiker und bescheinigt ihm, sich wirklich wacker geschlagen zu haben.

Kurs Gebärdensprache an der VHS

Gebärdensprache ist eines von neun Sprachkursangeboten der Volkshochschule Schwedt. Neben Englisch, Polnisch, Spanisch, Französisch und Chinesisch ergänzen die Kurse Femdsprachen für Reise und urlaub, Deutsch als Fremdsprache, Sprachprüfungen und Gebärdensprache das Angebot.

Der Kurs Gebärdensprache DGS 1 für Fortgeschrittene lernen die Teilnehmer spielerisch die Kunst der nonverbalen Kommunikation und Gebärden zu verstehen. Der aktuelle Kurs mit den Dozentinnen Astrid Gehring und Olivia Dokov findet an ein bis zwei Tagen im Monat immer mittwochs von 17 bis 19 U statt und läuft bis Mitte Januar.

Die Teilnehmer lernen Gebärdenübungen zu zwei- und dreidimensionalen Objekten im Gebärdenraum, Wahrnehmungstraining von bewegten Objekten und Subjekten, grundlegende Vokabeln (Anrede, Begrüßung, Wortfragen) und erste einfache Satzübungen.

Kursbestandteil ist eine Einführung in die strukturellen Unterschiede verschiedener Satzbaupläne, Erweiterung der Dialogfähigkeiten, Rollenwechsel in der Erzählung und Lokalisation im dreidimensionalen Raum. Im Mittelpunkt steht die Konversation, ihre Vertiefung und Erweiterung für die Anwendung im Bereich der Freizeitgestaltung.

Gebärdensprach-Kurs an der VHS


Gebärdensprache ist eines von neun Sprachkursangeboten der Volkshochschule Schwedt. Neben Englisch, Polnisch, Spanisch, Französisch und Chinesisch ergänzen die Kurse Femdsprachen für Reise und urlaub, Deutsch als Fremdsprache, Sprachprüfungen und Gebärdensprache das Angebot.

Der Kurs Gebärdensprache DGS 1 für Fortgeschrittene lernen die Teilnehmer spielerisch die Kunst der nonverbalen Kommunikation und Gebärden zu verstehen. Der aktuelle Kurs mit den Dozentinnen Astrid Gehring und Olivia Dokov findet an ein bis zwei Tagen im Monat immer mittwochs von 17 bis 19 U statt und läuft bis Mitte Januar.

Die Teilnehmer lernen Gebärdenübungen zu zwei- und dreidimensionalen Objekten im Gebärdenraum, Wahrnehmungstraining von bewegten Objekten und Subjekten, grundlegende Vokabeln (Anrede, Begrüßung, Wortfragen) und erste einfache Satzübungen.

Kursbestandteil ist eine Einführung in die strukturellen Unterschiede verschiedener Satzbaupläne, Erweiterung der Dialogfähigkeiten, Rollenwechsel in der Erzählung und Lokalisation im dreidimensionalen Raum. Im Mittelpunkt steht die Konversation, ihre Vertiefung und Erweiterung für die Anwendung im Bereich der Freizeitgestaltung.