Voting in Angermünde: Gärtnerei VERN im Wettbewerb – warum jede Stimme zählt

Schau- und Vermehrungsgarten beim VERN e. V. in Greiffenberg bei Angermünde. Hier werden vom Aussterben bedrohte Kultursorten erhalten und vermehrt.
Jutta Wurm- Der VERN e. V. in Greiffenberg bewahrt 2.000 alte, bedrohte Nutzpflanzensorten.
- Der Verein organisiert Bildungsangebote, wie Workshops und Feldtage, mit Fokus auf Nachhaltigkeit.
- Neues Projekt „Resilienz durch Vielfalt“ untersucht klimaresistente Gemüsesorten bis 2027.
- VERN beteiligt sich am Wettbewerb „Brandenburg wirkt“ – Publikumsvoting bis 30. November 2025.
- Ziel des Wettbewerbs: Auszeichnung sozial engagierter Unternehmen in Brandenburg.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Gestreifte Tomaten, schwarzer Kohl, Gurken in Schlangenform – wer ausgefallene Kuriositäten für die Küche sucht, der ist im Schaugarten des VERN e. V. in Greiffenberg bei Angermünde an der richtigen Adresse. Doch diese einzigartige Gärtnerei im Landkreis Uckermark ist mehr als ein Raritäten-Kabinett für Obst und Gemüse.
Der Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen VERN hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte, vergessene und teilweise vom Aussterben bedrohte Kulturpflanzen zu retten, zu vermehren und sie wieder in Gärten und auf Äcker zu bringen.
Rund 2.000 alte Nutzpflanzensorten werden so durch den VERN bewahrt und für die Allgemeinheit einfach zugänglich, von Kartoffeln über Gemüse, Kräutern bis zu Getreidesorten.
In Greiffenberg reifen alte Sorten aus Großmutters Garten
Wer kennt noch Amaranth oder Gartenmelde in der Küche? Wer weiß, wie Urgroßmutters Braunkohl aus dem Bauerngarten schmeckt oder was Bunte Forellen im Salatbeet suchen? In der Gärtnerei Greiffenberg werden solche alten, teils Rote-Liste-Sorten wieder angebaut und als Pflanzen oder Saatgut an Hobbygärtner und interessierte Bauern und Landwirtschaftsunternehmen abgegeben.
Im eigenen Saatgutarchiv werden über 2.000 verschiedene Herkünfte von Nutz- und Zierpflanzen gesichert. Eine Arche Noah für Pflanzen.

Der Verein VERN in Greiffenberg bei Angermünde rettet alte Kartoffelsorten und rekultiviert eine riesige Vielfalt der Knolle. Hier werden auch Pflanzkartoffeln an Kleingärtner abgegeben.
Oliver VoigtNeben der Erhaltungsarbeit betreibt der VERN e.V. auch Öffentlichkeits-, Bildungs-, Beratungs- und politische Arbeit zum Erhalt alter Nutzpflanzen. In Workshops, Vorträgen, bei Veranstaltungen oder Feldtagen wird fast vergessenes Wissen über den Anbau, den Umgang und die Nutzung der Kulturpflanzen weitergegeben, oft mit Verkostung und Küchen- und Rezept-Tipps.
Dabei stützt sich die gemeinnützige Non-Food-Organisation zum großen Teil auf ehrenamtliches Engagement der Mitglieder, Freiwilliger, Förderer und Sponsoren. Sie helfen bei der Pflege im Garten, bei der mühsamen Saatgutgewinnung, bei Aktionstagen, Führungen für Schulklassen und Gruppen und Veranstaltungen, wie der beliebte Tomatentag im Mai, zu dem alljährlich Hunderte Besucher strömen. So wird nicht nur Garten und Grünzeug gepflegt, sondern auch Gemeinschaft und solidarisches Miteinander.
VERN Greiffenberg kooperiert mit HNE Eberswalde
Doch nicht nur die Bewahrung alter Sorten und Traditionen stehen im Fokus der Vereinsarbeit. Auch an neuen Forschungen für zukunftsfähige Sorten arbeitet der VERN mit. Er kooperiert mit Forschungseinrichtungen wie der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) und Nichtregierungsorganisationen im Rahmen von Förderprojekten, führt Bildungsveranstaltungen durch und koordiniert Betriebsnetzwerke sowohl im Gemüse- als auch im Getreideanbau.
Jetzt startet ein neues Projekt „Resilienz durch Vielfalt“. Der Klimawandel stellt den Gemüsebau vor neue Herausforderungen. Im Projekt sollen klimaresiliente Gemüsesorten für den regionalen Anbau gewonnen werden.
Alte Sorten aus Greiffenberg im Klimawandel
Dabei stehen ausgewählte alte oder wenig genutzte Sorten aus der Sammlung des Saatgut-Erhalter-Netzwerks Ost im Mittelpunkt. Diese werden auf ihre Trockenheits- und Hitzetoleranz sowie Widerstandsfähigkeit gegenüber neuen Stressfaktoren untersucht.
Dafür werden gemeinsam mit Projektpartnern und Netzwerkbetrieben in den kommenden zwei Jahren 2026/27 Sortenversuche in der Praxis durchgeführt. „Das Projekt verbindet das praktische Wissen der Netzwerkbetriebe mit aktueller Forschung und fördert die Nutzung von regionalen, standortangepassten Sorten in der regionalen Wertschöpfungskette“, erklärt der VERN.
VERN Greiffenberg braucht Stimmen
Die Versuchsergebnisse fließen in Sortenbeschreibungen, Steckbriefe und Anbauempfehlungen ein. Sie sollen praxistaugliches Wissen vermitteln, wie man klimafeste Sorten sowohl im gewerblichen Gemüseanbau mit Direktvermarktung als auch im privaten Garten für die Selbstversorgung nutzen kann.
Seit fast 30 Jahren engagiert sich der Verein VERN Greiffenberg ökologisch und sozial für das gesellschaftlich relevante Thema Erhalt der Artenvielfalt, Nachhaltigkeit, regionale Wertschöpfung und Zukunftsforschung. 2015 wurde er dafür mit einem Preis im Wettbewerb „natürlich. nachhaltig. Wir in Brandenburg“ ausgezeichnet und trägt seit 2008 das Qualitätssiegel Regionalmarke Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Jetzt hat sich der engagierte Verein im Wettbewerb „Brandenburg wirkt“ beworben.
Wettbewerb „Brandenburg wirkt“
Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz des Landes Brandenburg zeichnet mit Brandenburg wirkt erstmals herausragendes soziales Unternehmertum in Brandenburg aus. Neben drei Jurypreisen wird auch ein Publikumspreis vergeben, der über ein Voting durch die Öffentlichkeit bestimmt wird.
Rund 78 Bewerber aus ganz Brandenburg und verschiedenen Branchen stehen für die Publikumsabstimmung zur Auswahl: Neben dem VERN e. V. in Greiffenberg unter anderem auch das Café am Markt in Biesenthal, die Wukantine, eine Großküche für gesunde Ernährung für Kinder und Jugendliche im Barnim, der Eine-Welt-Laden „Fair in Bernau“, die Kati Hausbrauerei Eberswalde, der Rofinpark Eberswalde, die Bäckerei Wiese und die „Kiez-Genoss:innen“, eine Kulturkneipe in Eberswalde.
Abgestimmt werden kann bis zum 30.November 2025.



