Weltrettung: Mit Demos die Welt retten

Zwischen Zirkel und Lehrertisch: Schauspieler Benjamin Schaup spielt im Klassenzimmerstück "Fridays" einen Putzmann in der Schule. Der Darsteller ist den Schülern dabei sehr nahe. Daraus ergibt sich eine besondere Wirkung für die Zuschauer. Bei dieser Produktion arbeiten die Uckermärkischen Bühnen Schwedt mit der Oberschule Dreiklang und mit den Schwedter Stadtwerken zusammen.
Oliver VoigtMit ihrem neuesten Theaterstück gehen die Uckermärkischen Bühnen Schwedt ins Klassenzimmer. Das Stück heißt „Fridays“ und nimmt Bezug auf ein Thema, das manche Erwachsene belächeln — die Demos Jugendlicher gegen den Klimawandel. Die Theaterpremiere an der Oberschule Dreiklang war eigentlich eine Uraufführung. Auf der Suche nach einem aktuellen Text, der junge Leute ins Herz trifft, sind die ubs nicht so recht fündig geworden. Sie haben ihn sich deshalb selbst geschrieben, genauer gesagt Felix Gattinger.
Ubs–Schauspieler Benjamin Schaup und Regisseurin Anke Salzmann durften für die Endproben ein Dreiklang–Klassenzimmer nutzen, ehe sich am Donnerstag der „erste Vorhang“ in einer 10. Klasse hob. Benjamin Schaup erzählt in „Fridays“ die Geschichte eines Putzmannes, der in der Schule sauber macht und in einen fiktiven Monolog mit Schülern tritt. Sie seien ja zur Demo „Fridays for future“, schließlich sei demonstrieren ja sexy und cool. Der Wachmann übertreibt und regt mit seinen Provokationen zum Nachdenken an: „Wenn man Fridays für future ernst nimmt, dann sind doch die Folgen für unsere Zukunft gar nicht absehbar. Nicht mehr nach Malle fliegen, kein Rindfleisch essen und trotzdem für alles mehr bezahlen.“ Der Text schlägt einen großen Bogen zu attac–Protesten und zur Bankenpleite von 2008. Das ist viel Politikgeschichte auf der Klassenzimmerbühne und wirkt manchmal oberlehrerhaft und dozierend. Dass der Zuschauer trotzdem dranbleibt am Geschehen, ist dem Spiel von Benjamin Schaup zu danken.
Gerade die attac–Proteste in Genua mit Polizeieinsatz und Toten, von denen der Putzmann als Augenzeuge erzählt, lassen Bilder im Kopf des Zuschauers entstehen. Es wird nachvollziehbar, warum sich der Putzmann von der Welt abgewendet und ins Private geflüchtet hat. Staunend erkennt er, dass er mit den „Fridays“-Leuten sympathisieren könnte, obwohl er selbst keine Lösung für die Probleme dieser Welt hat.
Das Theater bietet Zuschauern nach jeder Aufführung ein Gespräch an. Das im Stück verhandelte Thema hat die 10. Klasse offenbar berührt. Schüler fanden es gut, dass der Klimawandel zum Theaterstück wurde und dass der Putzmann in seiner Rolle auch Humor durchschimmern ließ.
Schüler denken nach
Den meisten ist klar, es wird weh tun, wenn man die Welt retten will. Schüler Timo Bartel ist überzeugt: „Die Auswirkungen des Klimawandels werden die Älteren nicht mehr sehr treffen. Aber unsere Generation wird das spüren. Wir werden die Fehler der jetzigen Erwachsenen ausbaden müssen.“ — Einen schöneren Schlusssatz hätten sich die Theaterleute für die Premiere nicht wünschen können. Es gibt weitere Aufführungen an Schulen in Schwedt und der Uckermark. Während der Umweltwoche der Stadtwerke Schwedt ist „Fridays“ am 12. und 13. September im Schwedter Filmforum zu sehen.