Wohnen und Mieten
: Mietersorgen und Pläne der Vermieter in Schwedt

Stadtumbaustrategie bis 2030 abhängig von der Marktentwicklung
Von
Dietmar Rietz
Schwedt
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Markanter Standort: Der Wohnblock im Schwedter Julian-Marchlewski-Ring 123 bis 129 bleibt stehen. In der Stadtumbaustrategie der Nationalparkstadt wird er als Abrissreserve im Bestand der Wohnbauten-Häuser geführt. Mieter hatten besorgt nachgefragt.

Oliver Voigt

Die Sorge ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Von 1999 bis Ende 2018 hat die Wohnbauten GmbH ihren Wohnungsbestand deutlich verkleinert. 3250 Wohnungen wurden abgerissen. In diesem Jahr werden weitere gut 50 dazu kommen.

Im Marchlewskiring geht derweil die Sorge um, dass der Wohnblock Marchlewskiring 123 bis 129 mit 40 Wohnungen geschleift, abgerissen, weggenommen wird, und die Mieter umziehen müssen. Eine MOZ-Leserin macht die Aufregung am MOZ-Lesertelefon öffentlich: „Die Leute reden darüber.“ Mancher befürchtet zudem, in einer neuen Wohnung mit neuem Vertrag höhere Miete zahlen zu müssen. Und was dann noch der Umzug kosten wird. Die Gerüchteküche kocht.

Faktensuche beim Großvermieter Wohnbauten GmbH in Schwedt.  Die Geschäftsführung erklärt: Die Stadtumbaustrategie bis 2030 wird abhängig von der Marktentwicklung betrieben. Gemeint ist der Wohnungsmarkt. Es musste bis dato weniger abgerissen werden als ursprünglich prognostiziert.

Ganz klar sagt Maren Schmidt, Technische Geschäftsführerin: „Das Wohnhaus Julian-Marchlewski-Ring 123 bis 129 wird in der Schwedter Stadtumbaustrategie bis 2030 nur als strategischeRückbaureserve ausgewiesenen. Für einen Abriss gibt es derzeit keine Notwendigkeit, dafür ist kein Termin festgelegt.“ Der Leerstand in Mietwohnungen ist auf einem historischen Tief. Im Durchschnitt wohnen nur noch 1,7 Menschen in einer Wohnung. Abgerissen wird dennoch. Das Wohnhaus Kummerower Straße 2 bis 10 verschwindet. Exakt 52 Wohnungen. Zuletzt waren dort laut Vermieter nur noch 13 belegt. Jetzt wird leer gezogen. Die meisten Mieter haben ein neues Wunsch-Zuhause im Wohnbauten-Wohnungsbestand gefunden. Sie wurden bevorzugt bei der Vergabe berücksichtigt. Zum Umzugs-Privileg, dass der Vermieter gewährt, gehören Umzugs- und Einrichtungshilfen. Wer als langjähriger Mieter sich für eine Wohnung außerhalb des Wohnbauten-Bestandes entscheidet, bekommt eine Sondervereinbarung zur Kündigungsfrist.

„Mieter werden zeitnah informiert, wenn der Abriss des Gebäudes terminiert ist“, erklärt Maren Schmidt. „Für den Leerzug ist in der Regel ein Jahr vorgesehen.“

Erstmals erfuhren die Mieter in der Kummerower Straße 2 bis 10 im Jahr 2006, dass ihr Haus auf der Abrissliste steht. Mehr als ein Jahrzehnt später wird tatsächlich abgerissen. Die Mieter haben seit Januar 2019 die Abrissinformation. Nur noch 13 Wohnungen waren da vermietet.  Anfang Oktober wird das Gebäude an die Stadt zum Abriss übergeben.

Wohnbauten fährt wie ganz Schwedt eine Stadtumbau-Doppelstrategie: Abriss und Erneuerung. Im Mai ziehen die Mieter in die nächsten drei neuen Häuser im Bahnhofsviertel. Im gleichen Monat wird ein Bauantrag für den Sonnenhof nebenan gestellt.

Parallel wird eine Baulücke zwischen Berliner Straße und Flinkenberg geschlossen. Vier neue Wohnungen entstehen in dem Haus.

Die neuen Quartiere sind besser ausgestattet als ältere. Einige Mieter sorgen sich jetzt, dass die dort höheren Mieten über kurz oder lang das Wohnen in Schwedt verteuern.

Roald Helm, Kaufmännischer Geschäftsführer wiegelt ab: „Wohnbauten hat seit 2011 keine Bestandsmietenerhöhung durchgeführt aufgrund des geltenden Mietspiegels.“ Auf den gesamten Bestand gerechnet hätten sich allerdings Mieten in den zurückliegenden sieben Jahren im Schnitt um fünf Prozent erhöht, auch wegen Modernisierung, besserer Ausstattung, Aufzugeinbau. Das, so meint Roald Helm, sei der niedrigste Wert im Vergleich mit vielen Nachbarn im weiten Rund.

Mietenentwicklung 2011 bis 2017 im BBU-Verbandsgebiet

Wie haben sich die Bestandsmieten ausgewählter Mitgliedsunternehmen im Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen zwischen Eisenhüttenstadt, Angermünde, Schwedt und Zehdenick  entwickelt?

Nettokaltmiete am 31.12.2011 (erster Wert) im Vergleich zu Nettokaltmiete am 31.12.2017 (Euro/Quadratmeter):

Angermünde 4,88 - 5,24

Schwedt 4,43 - 4,75

Prenzlau 4,19 - 5,00

Templin 4,42 - 5,13

Eberswalde 4,47 - 5,23

Bad Freienwalde 4,09 - 4,44

Wriezen 4,33 - 4,62

Seelow 4,31 - 4,58

Frankfurt (Oder) 4,10 - 4,70

Fürstenwalde 4,18 - 4,95

Eisenhüttenstadt 4,43 - 4,83

Neuruppin 4,37 - 4,76

Pritzwalk 3,87 - 4,28

Rheinsberg 4,41 - 5,10

Wittstock 4,18 - 4,45

Zehdenick 4,43 - 4,70