Der durch den Corona-Lockdown gestrandete Ostfriesland Circus hat in Woltersdorf eine vorläufige Bleibe gefunden. Statt dem geplanten Weihnachtsgastspiel in Hoppegarten herrscht bis ins neue Jahr Zwangspause.
Statt Applaus gibt es für die Zirkusfamilie, die in der Uckermark gemeldet ist, einsame Trockenübungen. Doch die drei Generationen wurden in Woltersdorf bestens aufgenommen worden. „Kurz nachdem wir auf dem Sportplatz Quartier bezogen haben, kamen schon der Ortsvorsteher Herr Küchler und der Bürgermeister Herr Goetzke vorbei, um zu sehen, wie es uns geht“, erzählt Zirkusleiterin Diana Lauenburger, die sich für die herzliche Aufnahme bedankt. Der Fußballplatz wird über Winter nicht benötigt. So können die Gäste die Sanitäranlagen im Sportlerheim nutzen. Ansonsten haben sie ihre vier Wände auf Rädern ja immer dabei.

Kostenlose Tierschau

Auch die Nachbarn seien sehr freundlich. Viele Woltersdorfer kommen beim Spaziergang vorbei. Vor allem die Kinder freuen sich auf die Tierschau außer der Reihe und die Pferde und Ponys über eine Möhre als Eintritt. Eine ganze Schulklasse aus der Passower Grundschule war kürzlich mit ihrem Lehrer hier. „Die Sechstklässler haben wohl Flaschen gesammelt und brachten uns den Erlös von 50 Euro als Spende“, berichtet Randolf Kasper, der normalerweise mit der Wildwest-Show und als Feuerspucker auftritt. „Eine schöne Geste, wo man doch denkt, dass Kinder heutzutage vielleicht lieber vor dem Computer sitzen“, meint seine Schwiegermutter und Chefin.
Die Spendenfreudigkeit beeindruckt die zwölfköpfige Zirkusfamilie sehr. Die Schwedter Tafel hat eine Ladung Obst, Brot und Brötchen gebracht und will jetzt wöchentlich kommen. Aus der Nähe von Penkun kamen Leute mit fünf Rundballen Heu an. „Wir hatten auch dort gastiert“, sagt Diana Lauenburger. Eine Familie, die selbst Pferde hält, brachte ebenfalls Heu. Etliche Schwedter luden Hafer und Möhren aus ihren Autos, die sie preiswert aus Polen mitgebracht hatten. Sogar bis Pasewalk und Neubrandenburg hatte sich das Schicksal des Ostfriesland Circus herumgesprochen. Eine Frau aus Pasewalk hatte vom örtlichen Raiffeisenmarkt eine Kraftfutterspende im Wert von 300 Euro bekommen und vorbeigebracht.

Tolle Hilfsbereitschaft

Die Familie Lauenburger bedankt für die trolle Hilfsbereitschaft der Leute, die sogar Lebensmittel für die Menschen bringen und auch Geld spenden. „Wir müssen ja zu Weihnachten und über den Jahreswechsel für die Tiere alles vorrätig haben. Wer weiß, ab wann wir wieder gastieren können“, meint die Chefin. Zudem muss der Fuhrpark unterhalten werden. Anfang nächsten Jahres sind TÜV und Versicherungen für die Fahrzeuge fällig. Ohne Einnahmen ist das nicht einfach. Die erste Vorstellung nach der Zwangspause wird es dennoch kostenlos für die Kinder und Familien aus der Umgebung geben. „Wir freuen uns darauf, etwas zurückgeben zu können.“
Wie in den meisten Wohnungen in der Uckermark sind auch die Wagen der Zirkusleute jetzt, im Advent, festlich geschmückt, um in schwierigen Zeiten etwas Licht am Horizont zu sehen. Im großen Gemeinschaftswagen wird zum Weihnachten ein Tannenbaum stehen. Und sogar auf einen Weihnachtsmann müssen die Jüngsten nicht verzichten. Ein Mann aus dem Dorf hat versprochen, sie Heiligabend im Kostüm zu besuchen. Kein Wunder, dass sich die Zirkusfamilie hier wie zu Hause fühlt. Doch neben dem selbstverdienten Geld fehlt allen Künstlern auch der Applaus des Publikums in der Manege nach einer zweistündigen Vorstellung.

Kontakt: Ostfriedland Circus, Tel. 01577 7051680