2. Weltkrieg in Seelow: Gedenken an jeden Gefallenen, Gong ertönt bei Seelow

Sonnenaufgang über den Seelower Höhen: Regina Kursawe schlug vor einem Jahr den Gong, der an das Sterben vieler Tausender bei der Schlacht um die Seelower Höhen erinnert.
Ulf GriegerVom 16. bis 19. April jährt sich die Schlacht um die Seelower Höhen zum 81. Mal. Wie im vergangenen Jahr soll es eine Gong-Aktion auf dem Krugberg geben. 2025 kamen in den vier Tagen und Nächten mehr als 200 Menschen auf den Krugberg, um den Gong anzuschlagen. Wir haben mit Heike Mildner gesprochen, die sich diese Form der Erinnerung ausgedacht hat und sie organisiert.
Die Journalistin und Musikerin Heike Mildner ist 60 Jahre alt und wohnt in Lietzen bei Seelow.
Meinen Sie, die Aktion wird auch in diesem Jahr große Resonanz finden, obwohl es kein runder Jahrestag ist?
Ich hoffe das. So viele werden es vielleicht nicht, aber wir werden den Gong zum Klingen bringen, so lange, wie die Schlacht gedauert hat, etwa 87 Stunden. Die Zeitfenster von jeweils einer Viertelstunde sind mit den bisherigen Anmeldungen schon bis auf ein paar Lücken gefüllt. Sonnabendnachmittag und in den Nächten sind aber noch viele Zeiten unbesetzt.
Es gibt andere Gedenkveranstaltungen. Warum ist Ihnen diese Form der Erinnerung wichtig?
Als im vergangenen Jahr im Vorfeld des 80. Jahrestages diskutiert wurde, wer seiner Toten gedenken darf und wer nicht, wer reden darf und wer nicht, fand ich das unwürdig. Und offenbar ging das nicht nur mir so, sonst wären nicht so viele Menschen auf den Krugberg gekommen. Die bundespolitisch verordnete „Zeitenwende“ ändert nicht die Geschichte, die hier an der östlichen Grenze Deutschlands so tiefe Spuren hinterlassen hat. Viele hatten das Bedürfnis, zu diesem Erinnern beizutragen, viele haben in einem Büchlein, das wir ausgelegt hatten, notiert, was ihnen dabei durch den Kopf gegangen ist. Und viele vom vergangenen Jahr sind nächste Woche wieder dabei.
Was genau wird denn da passieren auf dem Krugberg?
Wer in dieser Zeit auf den Krugberg kommt, hört den Gong – je nachdem, wie der Wind steht – schon von Weitem. Man lässt auf der Kuppe neben dem Friedenswald sein Auto stehen und geht die letzten hundert Meter zu Fuß. Es gibt Sitzgelegenheiten – mehr als letztes Jahr, es wird auch die Möglichkeit geben, sich auszutauschen. Wer laut Zeitplan mit dem Gongen dran ist, löst seinen Vorgänger ab, sodass die akustische Kette nicht unterbrochen wird.
Wie lange klingt denn der Gong? Es war die Rede von sieben Gefallenen je Gongschlag.
Ja, das hatte ich so überschlagen bei 87 Stunden und einer halben Minute Nachhall des Gongs. Aber es lässt sich nicht so pauschal sagen. Einer schlägt mit Wucht, ein anderer zaghaft, einer meditativ, einer wütend – je nachdem, was einem durch den Kopf geht, wie sehr man sich einlässt und wie man in dem Moment drauf ist.
Wer Krieg will, wird sich durch diese Aktion nicht aufhalten lassen...
Ich will aus dieser Ohnmacht heraus. Die Mächtigen agieren, als gäbe es kein Morgen. Nicht nur Trump. Ich finde es unerträglich, dass Deutschland an Waffenexporten Geld verdient, nicht erst seit der „Zeitenwende“, und man uns „kriegstüchtig“ machen will. Wir brauchen Verständigung zwischen den Völkern. Gerade Deutschland sollte sich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass das Völkerrecht wieder mehr Gewicht bekommt. Es war die Lehre, die nach dem Zweiten Weltkrieg gezogen wurde. Wir müssen es immer wieder einfordern. Die Seelower Höhen sind ein geeigneter Ort, von dem ein Impuls ausgehen kann, der vielleicht nicht ungehört verhallt.
Was stimmt Sie optimistisch?
Wir bereiten zum Beispiel eine Postkartenaktion vor. Und man kann die Aktion mit dem Handy filmen, seinen Friedenswunsch mit Gleichgesinnten teilen und vielleicht den einen oder anderen Kriegstreiber zum Umdenken anregen oder ihm zumindest auf die Nerven gehen. Es gibt ein ganz konkretes Echo: ein Grußwort des Erzpriesters von Sologubowka, einer Gedenkstätte in der Nähe von Petersburg, wo auch 50.000 deutsche Soldaten und mehr als eine Million Russen begraben sind, die bei der Blockade von Leningrad starben. Er zitiert darin Albert Schweitzer: „Soldatengräber sind die besten Prediger des Friedens!“ Und von den „Seelower Höhen“ hat man sogar im tiefsten Westen dieses Landes schon mal gehört, zumindest die Älteren.
Wie kann man die Gong-Aktion unterstützen?
Wer den Gong schlagen will, kann mich anrufen. Wir finden sicher noch eine Viertelstunde oder länger. Man kann aber auch einfach so auf den Krugberg kommen. Der Krugberg-Verein Werbig stellt auch ein Zelt und Sitzegelegenheiten auf. Dafür bin ich sehr dankbar.

Friedensmahnung auf dem Krugberg 2025: Joachim Kozlowski, Umbetter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, hat tagtäglich mit den Folgen des vor 80 Jahren beendeten Krieges zu tun. In ganz Deutschland finden sich noch immer Kriegstote an.
Ulf GriegerWie kommt man derzeit auf den Krugberg?
Laut Straßenverkehrsamt wird die Straße bis dahin zumindest einspurig befahrbar sein. Allerdings sollte man ein paar Minuten für die Bauampel einplanen. Oder man nähert sich über Gusow und nimmt den Weg an der Derfflinger Eiche.
Kontakt: Heike Mildner, Mail: mildnerhei@gmx.de, Tel. mobil: 0173 433 75 25


