Aktion Kita-Kollaps
: Warum ein Kindergarten aus Neuhardenberg sich am Protest beteiligt

Das Kita-Personal im Land Brandenburg protestiert gegen die Zustände in den Einrichtungen. Worum es ihnen geht und was Eltern wissen sollten.
Von
Peter Grenz
Neuhardenberg
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Vorbereitungen für den Protesttag: Katja Schulz, Leiterin der Kita "Windmühlenkids" in Neuhardenberg, präsentiert die Banner und Transparente, die am 15. Mai am Zaun der Kita angebracht werden,

Vorbereitungen für den Protest: Katja Schulz, Leiterin der Kita "Windmühlenkids" in Neuhardenberg, präsentiert die Banner und Transparente, die am Zaun der Kita angebracht werden,

Peter Grenz

Bereits zum zweiten Mal beteiligt sich die Kita ‚Windmühlenkids‘ in Neuhardenberg an der Protestaktion ‚Kitakollaps‘, die am 15. Mai 2024 in Einrichtungen im gesamten Land Brandenburg stattfindet.

Im Vorjahr beteiligten sich neben der Einrichtung in Neuhardenberg auch noch Kitas aus Bad Freienwalde, Seelow und Wriezen an den Protesten. Und in diesem Jahr nimmt laut Übersichtskarte der Aktion aus der näheren Umgebung nur noch die DRK-Kita ‚Bollersdorfer Spatzen‘ teil.

Kita-Protest in Brandenburg: Vereinbarkeit von Job und Familie

„Wir möchten weiterhin ein Zeichen setzen“, sagt Kita-Leiterin Katja Schulz zur Motivation, warum sich ihre Einrichtung erneut an der Aktion zu beteiligt. „Es gibt noch so viele Probleme, die ungelöst sind. Und deswegen möchten wir am 15. mit Transparenten und vielen Elterngesprächen darauf aufmerksam machen“, so Katja Schulz.

In der Hauptsache geht es um das Personal, erklärt die Kita-Leiterin. Zwar werde der Personalschlüssel im Großen und Ganzen eingehalten, dieser berücksichtigt aber nicht die Krankheitstage. Da könne es sehr schnell passieren, dass vier, fünf oder noch mehr Kolleginnen und Kollegen ausfallen, was zu Betreuungsengpässen führen kann. „In diesen Fällen sind wir dann auf Unterstützung und Verständnis der Eltern angewiesen“, berichtet sie. Das könnte dann so aussehen, dass Eltern ihre Kinder früher, zum Beispiel ab Mittag, aus der Kita holen.

Doch nicht immer können Eltern ein früheres Abholen realisieren, da auch sie einer Arbeit nachgehen und meist an feste Arbeitszeiten gebunden sind. Für sie ist eine gut funktionierende und verlässliche Kita ein elementar wichtiger Baustein im Tagesablauf. „Und wenn unser Arbeitsablauf aufgrund Personalmangel gestört ist, wirkt sich das somit direkt auch auf die Familien aus“, sagt Katja Schulz.

Hinzu komme, dass die wenigen verbleibenden Erzieherinnen und Erzieher diese Ausfälle ausgleichen müssen. Und auch sie haben Familie und oftmals eigene Kinder, auf die sich derartige Situationen auswirken. „Wir fordern mehr Personalreserven und eine bessere Vereinbarkeit von Job und Familie – für uns und die Familien, deren Kinder wir betreuen“.

Kita-Protest in Brandenburg: Problem ist der Betreuungsschlüssel

Auch Steffen Lübbe, Amtsdirektor vom Amt Seelow-Land, sieht das Hauptproblem im Betreuungsschlüssel, der in der Tat keine Personalreserven vorsieht. „Als Kommune stecken wir in dem Dilemma, dass wir zusätzliches Personal nicht vom Kreis erstattet bekommen“, so Lübbe. „Deshalb müssen wir immer gut überlegen, ob wir uns zusätzliches Personal finanziell leisten können“, sagt er weiter und fordert die Landespolitik auf, hier Lösungen zu finden.

Darüber hinaus fordert er, den Beruf einer Erzieherin oder eines Erziehers generell attraktiver zu gestalten, vor allem in finanziellen Hinsicht. Denn selbst wenn er noch Personal einstellen wollen würde, dann ist es sehr schwer, Bewerber zu finden. Das Amt stehe im engen Austausch mit der Kita und begrüßt diese Form des stillen Protests, um auf die Problematik aufmerksam zu machen.

"Gute Fachkräfte verdienen gute Bezahlung", steht auf dem Plakat, was noch vom Vorjahr hängt und immer noch aktuell ist.

Kita-Protest: „Gute Fachkräfte verdienen gute Bezahlung“, steht auf dem Plakat, was noch vom Vorjahr hängt und immer noch aktuell ist.

Peter Grenz

Kita-Protest: Kosten und Verdienst stehen nicht im Verhältnis

„Erzieherinnen und Erzieher in der Kita sind mehr als nur Aufpasser und Betreuer“, erklärt Katja Schulz. Gerade in dieser Phase der Entwicklung sei es wichtig, mit gut ausgebildeten Fachpersonal die Kinder früh zu fördern und auf die Schule vorzubereiten. Doch die Ausbildung dauert zirka fünf Jahre, wobei es sich um eine schulische Ausbildung handelt, die an speziellen Berufsfachschulen stattfindet. Daher besteht kein rechtlicher Anspruch auf Ausbildungsvergütung. „Es ist kein Wunder, dass sich immer weniger für den Beruf eines Erziehers interessieren“, so die Kita-Chefin.

Die Erzieherinnen und Erzieher der Kita „Windmühlenkids“ in Neuhardenberg haben sich für den stillen Protest mit Plakaten am Gartenzaun entschieden.

Die Erzieherinnen und Erzieher der Kita "Windmühlenkids" in Neuhardenberg haben sich für den stillen Protest mit Plakaten am Gartenzaun entschieden.

Auch in diesem Jahr werden die Erzieherinnen und Erzieher der Kita „Windmühlenkids“ in Neuhardenberg still protestieren. Dazu werden am 15. Mai 2024 Plakate und Banner am Gartenzaun entschieden.

Katja Gehring

Breite Unterstützung für stillen Protest in Brandenburg

Wie auch im Vorjahr wird still protestiert“, berichtet Katja Schulz. „Das heißt, dass Eltern keine Einschränkungen fürchten müssen“, sagt sie und weiter: „Vielmehr suchen wir das Gespräch mit den Eltern, um über die Lage aufzuklären“. Unterstützung bekommen die Bediensteten unter anderem vom Kita-Ausschuss, der für diesen Tag für die Kinder eine Kutschfahrt organisiert hat, vom Airport sowie aus Politik. So kündigte die Bundestagsabgeordnete Simona Koß (SPD) ihren Besuch an, um mit Kita-Erzieherinnen und Eltern über ihre Sorgen und Nöte zu sprechen.

„Die Weiterentwicklung der Qualität in Kitas und in der Kindertagespflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagt Simona Koß. „In Zeiten des Fachkräftemangels kommt es besonders darauf an, dass die Arbeitsbedingungen stimmen.“ (www.kitakollaps.de)