Aufnahme!
: In Worin wird filmisch Geschichte geschrieben

Beth Lane dreht einen Film über die Geschichte der jüdischen Weber-Kinder. Ihre Mutter überlebte dank mutiger Woriner.
Von
Ines Weber-Rath
Vierlinden
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  • Drehort Mühlenhof: Ein amerikanisch-deutsches Filmteam unter Leitung von Beth Lane (m.) und Ilja Stahl (2.v.l.) hat am Samstag Woriner zur Geschichte der versteckten jüdischen Weber-Geschwister befragt.

    Drehort Mühlenhof: Ein amerikanisch-deutsches Filmteam unter Leitung von Beth Lane (m.) und Ilja Stahl (2.v.l.) hat am Samstag Woriner zur Geschichte der versteckten jüdischen Weber-Geschwister befragt.

    Wolfgang Rakitin
  • Gedenktafel: Beth Lane befestigt das kleine Messingschild an der Wand des Hauses am "Grünen Wald", wo ihre Mutter und deren Geschwister bis zum Kriegsende versteckt waren.

    Gedenktafel: Beth Lane befestigt das kleine Messingschild an der Wand des Hauses am "Grünen Wald", wo ihre Mutter und deren Geschwister bis zum Kriegsende versteckt waren.

    Wolfgang Rakitin
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Schade, dass mein Mann das nicht mehr erleben kann“, sagt Marlis Schüler. Die 67-jährige ehemalige Worinerin ist Hunderte Kilometer aus ihrem neuen Wohnort in Schleswig-Holstein gefahren, um am Wochenende dabei sein zu können – beim Filmdreh zur Geschichte der Weber-Kinder.

Marlis Schülers vor zwei Jahren verstorbener Mann Herbert hatte die Geschichte als Ortschronist von Worin gemeinsam mit Alfons Weber erforscht. Der inzwischen ebenfalls verstorbene Amerikaner war das älteste der sieben Kinder des Berliner Gemüsehändlers Alexander Weber. Mutter Lina, eine ungarische Jüdin, war 1943 verhaftet und im KZ Auschwitz ermordet worden. Der Woriner Bauer Arthur Schmidt und seine Frau Paula nahmen die sieben Kinder des Paares auf, versteckten sie auf ihrem Grundstück „Grüner Wald“ an der B1.

Gedenktafel an der Hauswand

Dort verkündet seit Samstagabend ein kleines Messingschild: „Hier befand sich der Obstgarten von Arthur und Paula Schmidt, in welchem die sieben Kinder der Familie Weber während des Holocaust 1943 bis 1945 beschützt wurden“ auf Deutsch und Englisch. Als Beth Lane es an der Hauswand festschraubte, kamen ihr die Tränen.

Die in Los Angelas lebende Schauspielerin und Filmemacherin ist die Tochter der Jüngsten der Weber-Geschwister, von Ginger Speigel Lane (79), die damals Bela Weber hieß. Beth will die Geschichte ihrer Mutter und von deren Geschwistern filmisch aufarbeiten. – Auf eigene Kosten, ohne Auftrag eines Senders.

Drei Wochen lang wird sie mit einem deutsch-amerikanischen Filmteam durch Deutschland und Europa reisen – von Berlin über Budapest und Auschwitz bis nach Bremerhaven, wo 1946 das Schiff nach New York mit den Geschwistern an Bord ablegte.

In Worin hatten sich die Filmemacher auf der Suche nach Zeitzeugen an den Wassermühlenverein gewandt. Dessen Vertreterinnen, Vereinsvorsitzende Karin Nawroth und Gisela Seifert, hatten am Samstag unter anderem Bärbel (75) und Herbert Speer (79) mitgebracht. Beide leben seit 1948 im Dorf und kannten Paula und Arthur Schmidt, die 1958 aus Worin weggezogen sind. Karin Nawroth zeigte Beth Lane vor laufender Kamera ein Foto aus dem Mühlenmuseum. Auf dem Konfirmationsfoto ihres Cousins Ingbert hatte Christine Seidel aus Berlin, eine Nichte des letzten Woriner Müllers, Paula Schmidt entdeckt. Das Paar fand sich auch auf einer alten Einwohnerliste.

Am Sonntag war Drehtag auf dem Hof am „Grünen Wald“, wo die Weber-Kinder einst in der Waschküche lebten. Die neuen Grundstücksbesitzer, Schauspieler Sebastian Haller und seine Frau, haben das Filmen erlaubt. Am Montag wird um 16 Uhr auf dem Mühlenhof im Beisein von Amtsdirektorin Roswitha Thiede ein Baum gepflanzt und eine Gedenktafel angebracht. Dazu sind alle Interessierten willkommen.