Bahn-Nostalgie: Letzter Güterschuppen seiner Bauart gerettet
Dem Letschiner Eisenbahnverein ist es gelungen, den in seiner Bauart letzten Güterschuppen auf der Strecke Eberswalde-Frankfurt zu retten. Der 43 Mitglieder zählende Verein hat in vielen ehrenamtlichen Arbeitsstunden das Dach dicht bekommen und eine neue Schrankenanlage für die Feldbahnstrecke installiert.
„Wir haben hier noch Arbeit für 20 Jahre“, sagte Bernd Kutzke, Vorsitzender des Eisenbahnvereins, der sich nun in seinem Ruhestand noch mehr um die Vereinsarbeit kümmern kann. Das ist auch nötig. Denn die Beliebtheit des Stützpunktes des Vereins am Letschiner Hauptgraben nimmt zu. Mit Reisebussen kommen die Fans der Loks und Waggons, um sich die Austellung anzuschauen. Um darauf künftig besser vorbereitet zu sein, und auch am eigentlichen Bahnhofsareal einen Imbiss anbieten zu können, hat der Verein den einstigen Güterschuppen vorm Verfall gerettet.
Müll beräumt
Einen Großteil des Mülls, zehn Kubikmeter insgesamt, haben die Vereinsmitglieder aus dem 20 mal 12 Meter großen Gebäude geholt. Dort, wo einst Weizen, Rüben und Holz gelagert wurde, weil fast alles im Oderbruch per Schiene transportiert werden musste, sollen künftig Gäste des Vereins bewirtet werden. Wenn sie etwa mit der Draisine auf der Strecke zwischen dem Bahnhof und der Landesstraße gependelt sind. Für diese Kurzstrecke wurden in diesem Jahr die Voraussetzungen geschaffen. Die beiden Schienenstränge dafür wurden vom Wildwuchs befreit.
„Wir haben ganz schön was erreicht in unserem 20. Vereinsjahr“, freut sich Bernd Kutzke. Doch bis zur Eröffnung des Güterschuppens für Gäste sei es noch ein weiter Weg, sagt Kutzke. So seien die Anschlüsse für Strom und Abwasser erst noch zu legen. Froh sei der Verein, dass sich ein Spender für die Fenster gefunden hat. Ein begabtes Vereinsmitglied auch auch schon den weithin sichtbaren Schriftzug „Letschin“ am Giebel erneuert.
„Die Dachsanierung war schwere körperliche Arbeit“, sagt der Vorsitzende. Etliche Dachbalken mussten ausgetauscht werden. Zum Glück gebe es einen Fachmann im Verein, der die entsprechenden Anleitungen gegeben hat. Überhaupt sei er allen dankbar, die mit geholfen haben.
Doch der Güterschuppen ist bei Weitem nicht das einzige Projekt der Vereinsmitglieder. In dem anderen Schuppen, direkt an der Landesstraße, der bereits äußerlich hergerichtet werden konnte, gibt es jetzt schon viele Möglichkeiten, seine Freizeit sinnvoll zu verbringen sowie lokalhistorisch Interessantes. Denn neben alten Pferdekutschen, Dreschmaschinen und abgetakelten Modellbahnanlagen findet sich auch das Modell des Irrgartens, den der BBV Wriezen 1997 zwischen Jäckelsbruch und Altkietz anlegen lassen wollte. Europas größter Irrgarten sollte es mal werden. Später hatte die Arbeitsinitiative Letschin Interesse daran gezeigt.
Neue Schrankenanlage
Auch an der 689 Meter langen Feldbahn zwischen „Bahnhof Jungfernheide“ und Vereinsstützpunkt gibt es Neues zu entdecken. Zum Beispiel eine beschrankten Fußgängerübergang. Die originale Technik stammt aus der Zeit, da die Hersteller solcher Anlagen verpflichtet waren, sich auf einheitliche Bauteile zu verständigen, so dass die Bahn jederzeit Reparaturen vornehmen konnte. „Diese Zeiten sind vorbei. Nun baut wieder jeder Hersteller seine eigenen Teile, um sein Monopol zu wahren“, erzählt Bernd Kutzke ein Stück Bahngeschichte. Die Schranke schließt automatisch, sobald sich die Feldbahn dem Übergang nähert.
Für alle, die stundenlang die Fahrten der kleinen Bahnen über Miniaturlandschaften beobachten können oder sich einmal als Lokführer fühlen wollen, öffnet der Eisenbahnverein Letschin am 7. Dezember von 9 bis 16 Uhr seine Pforten. Witterungsabhängig ist dann auch eine Fahrt mit der Feldbahn möglich.


