Baudenkmal: Kulturhaus Seelow hat viel zu bieten
Petra Stadler, in der Stadtverwaltung für die Raumplanung zuständig, und Haustechniker Falk Angrick nutzen die Pandemie–bedingte Ruhepause zu Vorbereitungen. Der Förderverein Kreiskulturhaus hat per Skype seine Mitgliederversammlung abgehalten und Ute Radüg aus Podelzig zur neuen Vorsitzenden gewählt. Wir haben uns im Gebäude umgeschaut, für das vor 65 Jahren der Grundstein gelegt wurde.
Eines muss man den Planern vom Hochbau Potsdam lassen, die unter Leitung von Hans–Joachim Kluge einst den Kulturtempel entworfen haben: Er bietet die technischen und architektonischen Möglichkeiten für ein vielfältiges Kulturleben. Der Anekdote nach ist der Kulturtempel so groß, weil der damalige Landrat damit die Kirche übertrumpfen wollte.
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Falk Angrick, der seit Anfang März als Haustechniker von der Stadt angestellt wurde, ist quasi mit dem Gebäude aufgewachsen. Als Zwölfjähriger hat er im „Anbau“ die Kinderdisko miterlebt. Und mit 16 Jahren selbst schon als DJ im großen Saal gearbeitet. „Das hat mich geprägt“, sagt der gelernte Fliesenleger. Im oberen Flur, gleich neben dem Kleinen Saal, hat er sein Büro. Ein Fenster bietet ihm den Blick auf die kleine Saalbühne. Im Büro stehen die Berichtsordner zu den verschiedenen Sanierungsmaßnahmen, die das Haus im Laufe der Jahrzehnte erfahren hat. Im Keller hat er einen Werkstattbereich mit Lagerräumen. Noch fehlt dort aber eine Werkbank.
Vom Klo zum Kronleuchter
Wer hätte vermutet, dass es von der Herrentoilette aus zum Kronleuchter hinaufgeht? Tatsächlich steigt man von dort auf den Dachboden, überquert den Kleinen Saal und landet vor einem eingehausten Gebilde. Eine Treppe führt hinab „in den Kronleuchter“. Was natürlich nicht ganz stimmt. Der eigentliche Leuchter ist direkt unter der Kanzel angebracht. Ein Fenster geht zur Bühne und lässt das Licht der Scheinwerfer durch. Ferngesteuert ist auch der Kronleuchter. Der hängt an Drahtseilen. Er lässt sich nämlich bis zum Saalparkett hinunterfahren. „Das geht auch mit Kurbel, ist aber anstrengend“, sagt Falk Angrick. Bei einer Seniorenweihnachtsfeier musste er den Kronleuchter mal hinunterlassen, weil sich ein Glas gelockert hatte. Das war die Attraktion für die Gäste.
Vom Kleinen Saal aus kommt man in den ehemaligen Filmvorführraum. Die Schaltkästen für den Pausengong, die Beleuchtung im großen 400 Personen Platz bietenden Saal und vieles mehr sind noch vorhanden, aber abgeklemmt. Die große Vorführanlage wurde im Zuge der Sanierung vor etwa zehn Jahren dem Golzower Filmmuseum übergeben. Der Raum ist nun „Stuhllager“, könnte aber jederzeit mit einer digitalen Anlage wie im Letschiner „Haus Lichtblick“ reaktiviert werden. Allerdings müsste für den Kinobetrieb die noch aus der Eröffnungszeit 1957 stammende Leinwand, die an der Hauptbühne ihr aufgerolltes Dasein fristet, erneuert werden. „Die ist völlig hinüber“, sagt Angrick. Im Kleinen Saal, der 160 Plätze hat, wäre theoretisch Kino möglich. Aber Beamer und Leinwand gehören nicht der Stadt.
Denkmalstatus begründet
Viele Details begründen, warum das Haus ein Denkmal ist: Die Deckengemälde im Foyer von Werner Nerlich, die Kunstschmiedearbeiten, die versenkbare Orchesterbühne oder die einstige Kasse, die nun Brandmeldezentrale ist. Vieles ist noch in Schuss und kann genutzt werden.
Ansprechpartner:Petra Stadler, Tel. 03346 802155;Falk Angrick Tel. 03346 802222


