Bauerntag
: Kritik an Wolfsschutz, Mindestlohn und Bürokratie

Landwirte und Schäfer forderten beim Bauerntag stärkere Berücksichtigung der Interessen der Betriebe und Höfe
Von
Ulf Grieger
Seelow
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Für langjähriges Engagement: Henrik Wendorff (v.r.) dankte zum Kreisbauerntag Otto Knoll (Neureetz), Gerd Hasse (Güstebieser Loose), Margrit Kain (Landwirtschaftsschule Märkisch-Oderland in Seelow) und Wilhelm Manzel (Steinbeck).

Ulf Grieger/MOZ

Neben den Politikern hatten natürlich die Landwirte des Kreises beim Bauerntag ihre Sicht auf die aktuelle Situation der Branche diskutiert. Wolfgang Brand, Chef der Agrarprodukte Altreetz, mahnte die Landesregierung, Versprechen einzuhalten. In seinem Betrieb habe es nicht die versprochene Milchsonderbeihilfen gegeben, nachdem der Neuküstrinchener Betrieb Teil des Altreetzers wurde. Dies war dann ein  Grund, weshalb die Altreetzer sich erst gar nicht der Mühe unterzogen haben, Dürrehilfen zu beantragen. Ein weiteres Problem sei die im Gegensatz zu  Nachbarländern viel zu restriktive Bürokratie. So dürfe der Raps nicht  gebeizt werden. Dies habe zur Folge, dass man der Schädlinge nicht mehr Herr werde. „Sollen wir denn alle Kulturen ausstreichen? Was wird denn dann aus der Fruchtfolge?“, stellte Brand die Fragen in den Raum. Worauf ihm aus dem Podium beschieden wurde, doch polnischen gebeizten Rapssamen zu verwenden. Man kennt das Problem in Potsdam.

Brand sprach die Vermehrung von Biber und Wolf an. Überflutete Flächen mit Staunässe entstehen, wo der Biber agiert. Angesichts solcher Probleme und der Ankündigung, die EU–Beihilfen zu kappen, brauche sich niemand über den Nachwuchsmangel in der Branche zu wundern. Minister Jörg Vogelsänger kündigte an, mit den Landnutzerverbänden über die Gestaltung der neuen EU–Förderperiode zu verhandeln. Dabei werden auch die angesprochenen Fragen eine Rolle spielen.

Greet van Casteren aus Bliesdorf hinterfragte den Umstand, dass immer mehr fruchtbarster Acker für Energiegewinnung verwendet wird. Es werden Solarfelder darauf gebaut, ohne dass es tatsächlich den Bedarf an der Energie vor Ort gibt. Durch den Transportverlust sei dann niemanden geholfen. Landrat Gernot Schmidt unterstützte dies. Es müsse tatsächlich hinterfragt werden, ob Flächen mit höchster Bodenwertzahl nur deshalb zu Solaranlagen werden, weil sie an den Bahntrasse liegen.

Die Debatte um Wolf und Biber hatte die Schäfermeister auf den Plan gerufen. Wilfried Vogel aus Dolgelin fragte den Minister, wie sich das Land das vorstelle, wenn sich die Wolfspopulation wie bislang alle drei Jahre verdoppelt. Viele Schäfereien hätten  schon aufgeben: „Das ist ein massives Problem. Und wir haben den Eindruck, dass es in Brandenburg verharmlost wird.“ Ähnlich äußerte sich auch Manfred Wercham vom Bauernbund und Schäfermeister Dirk Schulze.

Jörg Vogelsänger verwies die Verantwortung dafür auf das Kanzleramt. Es sei so, dass sich zwei Bundesministerinnen, die für Umwelt und die für Landwirtschaft, nicht einigen könnten. Bereits drei Landwirtschaftsminister hätten gefordert, den Schutzstatus, der im Bundesnaturschutzgesetz verankert ist, zu senken. Andere Länder haben es auch geschafft. „Das ist kein EU–Problem. Das muss jetzt die Bundesregierung lösen“, so Vogelsänger, der erreichen will, dass auch die Jägerschaft eine rechtssichere Lösung bekommt, um handeln zu können. Gerd Hass aus Güstebieser Loose fragte an, wie die Landwirte die gestiegenen Lohnkosten noch zahlen sollen, wenn das Einkommen der Höfe weiter sinkt.

Der alte und neue Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Henrik Wendorff nutzte die Gelegenheit, sich bei langjährigen Mitstreitern zu bedanken. Er überreichte Otto Knoll, Gerd Hasse, Margrit Kain und Wilhelm Manzel das im Oderbruch–Museums Altranft kürzlich erschienene Jahresbuch zum Thema Landwirtschaft.