Doch in den Einrichtungen war sie aufgrund der Corona-Krise schon seit Wochen nicht mehr. "Wir halten zu den Schulabgängern seither per Telefon und E-Mail Kontakt", berichtet die 65-Jährige. Sie begleitet Jugendliche in der Region bereits seit 1982 bei der Berufswahl.

Berufsorientierung ab Klasse 7

Auf der Wunschliste in diesem Jahr stünden auch die Ausbildung zum Sozialassistenten als Vorstufe zum Erzieher, Kfz-Mechatroniker, aber ebenso Land- und Baumaschinenmechatroniker. Viele ihrer jetzigen Zehntklässler hätten bereits einen Ausbildungsplatz gefunden. Einige aber auch ohne ihre Hilfe. Wer sich jetzt noch für den Beruf Pflegefachkraft, der neu geordnet wurde und sowohl die Gesundheits- und Kranken- als auch die Altenpflege vereint, interessiere, werde es wohl schwer haben. "Die meisten Arbeitgeber setzen auch hier ein Praktikum voraus, was in der  Corona-Zeit schwer umsetzbar ist", erinnert Silvia Bauch.
In Klassenstufe 7 gehe es mit der Berufsorientierung los. Berufsberater gingen auch da schon direkt in die Klassen. Im letzten Schuljahr stünden stärker Einzelgespräche an, in denen es um die Fragen wie "Was wollt ihr machen?" und "Habt Ihr konkrete Pläne?" geht. Einbezogen seien immer auch die Eltern. In Gesprächen unter vier Augen oder mit den Eltern lasse es sich zum Beispiel leichter über Probleme wie Gesundheit und Zensuren  reden. "Bei Bedarf können dann unsere Fachdienste wie der Ärztliche Dienst hinzugezogen werden", so Silvia Bauch. Ihr Rat an die Jugendlichen lautet zudem, sich bei Praktika auszuprobieren. Oder ein solches zu nutzen, um sich von der besten Seite zu zeigen. Etwa, wenn die schulischen Leistungen vielleicht nicht ganz den geforderten entsprechen. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels empfiehlt sie Firmen, die ausbilden wollen, wiederum, in die Schulen zu gehen.
Für 15-, 16-Jährige sei die Berufswahl nicht ganz einfach, selbst wenn die Ausbildung heute nicht mehr bedeutet, dann bis zur Rente nicht mehr zu wechseln. Nutzen könnten sie zum Beispiel aber auch längere Praktika wie die Einstiegsqualifizierung.

Herausforderungen wachsen

Fehlentscheidungen kämen schon vor, sagt Silvia Bauch. Doch dies sei zum Glück nicht so häufig der Fall. Aufgrund der Herausforderungen, die nicht nur die Digitalisierung ins Berufsleben bringt, werde neben dem lebenslangen Lernen auch die lebenslange Berufsberatung eine größere Bedeutung bekommen. Sie selbst wird dies bald allerdings nur von außen beobachten: In vier Monaten geht Silvia Bauch in Ruhestand.

Die Lehrstellen-Aktion im Überblick


Noch bis zum 14. Juni läuft die Last-Minute-Lehrstellen-Initiative der Agenturen für Arbeit Frankfurt (Oder) und Eberswalde mit der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg sowie der Handwerkskammer Frankfurt (Oder)–Region Ostbrandenburg.

Über die Internetseite www.zukunftklarmachen-ostbrandenburg.de werden Interessierte zu allen wichtigen Lehrstellenbörsen weitergeleitet. Ausbildungssuchende finden dort zudem die Kontakte zu den jeweiligen Berufsberatungen. azi