Berufswahl
: Junge Mitarbeiter sind in Seelow gesucht

Es wird wieder mehr ausgebildet, hieß es zuletzt aus der IHK. In Ostbrandenburg sind etwa 1200 Unternehmen dabei, in MOL 276.
Von
Anett Zimmermann
Seelow
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Auszubildende zur Restaurantfachfrau: Jasmin Laue im Landhaus Treptow in Letschin. Im Sommer könnte sie zwei jüngere Kolleginnen bekommen.

Anett Zimmermann

Nach den Einschränkungen der vergangenen Wochen versuche die Wirtschaft in der Region, wieder Fahrt aufzunehmen, zeigt sich Michael Völker zuversichtlich, dass der berufliche Nachwuchs weiterhin eine Chance erhält. So habe nach Pfingsten zum Beispiel der Deutsche Hotel– und Gaststättenverband (DEHOGA) positive Signale gesendet.

„In Ostbrandenburg sind uns zurzeit 557 freie Lehrstellen gemeldet“, berichtet der 41–Jährige. Er ist gelernter Kaufmann im Groß– und Außenhandel und hat zudem Betriebswirtschaft studiert. Für Märkisch–Oderland seien der IHK 124 offene Ausbildungsplätze bekannt, darunter allein 33 im Handel (Verkauf), gefolgt von der Hotelerie und Gastronomie (17), Elektrotechnik (14), Verkehr und Transport (14) sowie Büromanagement (12).

„Die Ausbildung ist ein gutes Mittel, Nachwuchs zu gewinnen“, sagt Michael Völker und verweist auf den teils bereits seit Jahren anhaltenden Fachkräftemangel in vielen Bereichen. Als Nachteil in diesem Jahr sieht er, dass coronabedingt zahlreiche Ausbildungsmessen abgesagt werden mussten. Schließlich würden diese beiden Seiten gute Gelegenheit bieten, zumindest Kontakte zu knüpfen.

Nicht systemrelevante Berufe könnten es bei Jugendlichen jetzt schwerer haben, vermutet er und nennt als Beispiel die Gastronomie, die lange auch mit einem schlechten Image zu kämpfen gehabt habe. „Vor zehn, 15 Jahren, als wir eine Überkapazität an jungen Leuten hatten, hieß es, die Ausbildung sei schlecht, später, dass die Lehrlinge ausgebeutet werden“, blickt Michael Völker zurück. Die Situation sei längst jedoch eine andere: „Die Gastwirte bilden für den Eigenbedarf aus, setzen selbst auf gute Qualität in der Ausbildung, sind meist flexibel, was die Arbeitszeiten angeht und haben gute Modelle gefunden, die auch eine Familiengründung möglich machen.“

Verlässliche Partner

Seiner Erfahrung nach sind Eltern und teils auch Großeltern mitentscheidend bei der Berufswahl. Nicht immer sei es die Richtige, weiß der IHK–Mitarbeiter. Ausbildungsabbrüche kämen vor. Allerdings spricht Völker lieber von vorzeitig aufgelösten Lehrverträgen. Die beziffert er auf etwa zwölf, 13 Prozent pro Jahr. Bei zirka 4000 Ausbildungsverträgen in Ostbrandenburg. An Gründen sei „alles dabei“ und meist geschehe dies im ersten Jahr, in dem es zu Beginn ja eine Probezeit gibt. „Die betroffenen Jugendlichen finden schnell eine Alternative oder hatten sogar einen doppelten Boden.“ Wirklich auf der Strecke bleibe selten jemand, selbst wenn eine Firma schließen müsse. „Auszubildende gehen immer als Letzte von Bord“, erinnert Michael Völker an die hier besondere Verantwortung der Arbeitgeber. Bisher hätten sich gegebenenfalls immer andere Unternehmer bereit erklärt, die Lehre fortzuführen. Die Agentur für Arbeit und Bildungsträger stünden bei Bedarf ebenfalls zur Seite.