Bildung
: Jugendliche auf historischen Pfaden

18 Freiwillige der Internationalen Jugendbauhütte Brandenburg arbeiteten im Park von Schloss Trebnitz und diskutierten zu Fragen des Klimwandels.
Von
Ingo Mikat
Trebnitz
Jetzt in der App anhören

Filmabend: Christoph Boche und Janina Schümannn (v.l.) übernahmen beim Treffen der Internationalen Jugendbauhütte in Trebnitz die Getränkeversorgung. Beide leisten gegenwärtig in Trebnitz ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Jugendbauhütte.

Cornelia Mikat

Gemeinsame Arbeit, Gesprächsrunden über Denkmalschutz, ein Naturfilmabend sowie ein Vortrag und eine Exkursion standen im Mittelpunkt eines viertägigen Treffens von 18 Freiwilligen der Internationalen Bauhütte Brandenburgs im Schloss Trebnitz. Die Jugendlichen aus Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien absolvieren zurzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in verschiedenen Einrichtungen der Brandenburger Denkmalpflege.

Vielfältige Einsatzbereiche

Zwei der Freiwilligen, Janina Schümannn und Christoph Boche, arbeiten ständig in Trebnitz. Sie freuten sich über die Unterstützung durch die anderen Jugendlichen. Zu den in den letzten Tagen gemeinsam realisierten Projekten gehörte, wie sie berichteten, unter anderem eine archäologische Grabung am kleinen Teich des Schlossparks. Dort konnten sie nach einem Aushub von 30 cm Boden mit Hilfe einer Archäologin den Verlauf eines historischen Weges nachweisen.

Eine zweite große Aufgabe betraf die Neukartierung aller im Park befindlichen Bäume. Außerdem führten die Jugendlichen Forschungen über eine Begräbnisstätte weiter. Dafür befragten die Freiwilligen Zeitzeugen. Schließlich beschäftigten sich die Seminarteilnehmer inhaltlich mit dem Erbbegräbnis derer von Brünnecks im Trebnitzer Park. Den gemeinsamen Workshop rundete ein Besuch des Leibnitz–Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg und ein Vortrag von Prof. Dr. Caroline Rolka von der Hochschule Neubrandenburg zum Thema: „Gartendenkmalpflege konkret — von der Planung zur Umsetzung“ ab.

Im Zuge des Treffens der Jugendlichen fand auch ein öffentlicher Film–Abend mit anschließendem Ökofilm–Gespräch im Schloss Trebnitz statt. Gezeigt wurde der Dokumentarfilm „Der auf die Tiere wartet“ über Jan Haft sowie sein Streifen: „Geheimnisvoller Garten: Frühlingserwachen“. Der erste Film vermittelte Einblicke in die Arbeitswelt des renommierten bayrischen Naturfilmers und seine Intentionen. So erklärt er unter anderem: „Es macht mich fassungslos, dass es Menschen gibt, denen es egal ist, dass Meere mit Plastik verschmutzt und der Regenwald vernichtet wird“. Aber auch in seiner Heimat Bayern setzt sich der Naturfilmer für den Erhalt der Artenvielfalt ein. So legte er zum Beispiel auf einem früheren Feld einen großen Froschteich an.

Ein zweiter in Trebnitz gezeigter Film widmete sich der Naturvielfalt in Hausgärten und bestach durch eine eigenständige Filmsprache mit herausragenden Naturbildern. Besonders begeistert zeigte sich das Publikum von ungewöhnlichen Zeitlupen– und Zeitraffer– sowie Makroaufnahmen und einer interessanten, bewegten Kameraführung. Im Anschluss fand ein Filmgespräch mit Ernst–Alfred Müller, dem Leiter des jährlichen Ökofilmfestes Brandenburgs statt. Zu Beginn informierte er über bisher auf der Ökofilmtour gezeigte Filme von Jan Haft.

Rückgang der Insekten

Die Teilnehmer diskutierten mit Müller zahlreiche ökologische Probleme. Das Themenfeld reichte von zu viel Mikroplastik und Pestiziden in Böden und Wasser und dem Rückgang der Insektenpopulationen um ein Dreiviertel, bis zur Bedrohung von Vögeln durch zu viel frei laufende Hauskatzen. Besonders die Landwirte, so Ernst–Alfred Müller, aber auch Hausgartenbesitzer könnten mehr zur Artenrettung beitragen. Den Gärtnern unter dem Publikum empfahl er eine Kreislaufwirtschaft. Die Diskussion verdeutlichte, dass der Klimawandel und das Artensterben bereits jetzt ein existenzbedrohendes Ausmaß erreichen.

Die Veranstaltung beendete Ernst–Alfred Müller mit einer Empfehlung an alle Gäste des Abends und darüber hinaus. Jeder Brandenburger sollte sich an der gegenwärtig im Land laufenden Volksinitiative für Artenvielfalt beteiligen. Dazu stellte der Leiter des jährlichen Ökofilmfestes Brandenburg fest: „Die Frage ist doch, wie wir und unsere Kinder in Zukunft leben wollen!“