Bombenentschärfung
: Zünder in Sachsendorf kontrolliert gesprengt

Ein 100 Kilogramm schwerer Blindgänger russischer Bauart ist am Freitag in Sachsendorf unschädlich gemacht worden.
Von
Anett Zimmermann
Sachsendorf
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Geschafft: Matthias Metke, Truppführer von Märkisch-Oderland und Frankfurt (Oder) beim Zentraldienst der Polizei und Kampfmittelbeseitigungsdienst, sowie Munitionsfacharbeiter Maik Wesner (r.) entschärften die Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Zünder, die im Heck – wie hier der Fall – verbaut wurden, seien seltener deformiert, so Metke. Das erleichtere dann auch seine Arbeit.

Matthias Lubisch

Vorn an der Landesstraße Richtung Dolgelin steht ein Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr und auch ein Rettungswagen. Der Verkehr ruht. Die Revierpolizisten lassen schon seit etwa einer Dreiviertelstunde niemanden mehr durch. Marlis Zachert ruft bei Karola Andreas, der Frau des Ortsvorstehers, an. Dort sind eine Handvoll Nachbarn des Grundstückes untergekommen, auf dem die Bombe gefunden worden ist. Ursprünglich war für sie das Bürgerhaus als Aufenthaltsort vorgesehen, doch dort funktioniert die Heizung nicht.

Für Marlis Zachert sind Bombenentschärfungen nichts Neues. Mal seien es zwei, mal vier im Jahr. Meist dann, wenn Baugrundstücke erschlossen würden. Ihre Mutter habe in einem Bombentrichter schwimmen gelernt, erzählt sie. Was sich noch an Munition im Boden befindet, wisse keiner so recht, gibt sie mit Blick auch auf die Leitungen, die  im Zuge des Breitbandausbaus verlegt werden müssen, zu bedenken. Mit den Vorbereitungen auf die Bombenentschärfung habe sie am Mittwoch begonnen, die Anlieger im Sperrkreis — soweit möglich — persönlich informiert und Infozettel hinterlassen.

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„Möchten Sie einen Kaffee?“, fragt plötzlich eine Frau von einem der Grundstücke. Marlis Zachert und ein Mitarbeiter der Munitionsbergungsfirma Kemmer, der inzwischen zu ihr gestoßen ist, lehnen dankend ab. Kerstin Mithoff hat gerade erst erfahren, was in ihrem Ort los ist. „Mein Chef hat mich angerufen und gefragt, ob alles in Ordnung ist“, berichtet sie. Dabei habe sie doch nur einen „Haushaltstag“ genommen, sagt sie und steckt ihren Handstaubsauger wieder zusammen. „Wirklich kein Kaffee?“, fragt sie noch einmal. Aber da kommt schon die Meldung „Wir sind fertig.“ Es sind keine 15 Minuten vergangen.

Marlis Zachert telefoniert erneut, ruft zuerst die Nummer der Flugsicherheit an. „Die Sprengung ist erfolgreich beendet“, sagt sie. „Wunderbar“, ist vom anderen Ende der Leitung eine Männerstimme zu hören. Die Leiterin des Ordnungsamtes von Seelow–Land wählt die nächste Nummer, erneut die von Karola und Uwe Andreas.

Dort verabschiedet sich kurz darauf Sieglinde Krüger. „Wir sind hier sehr herzlich aufgenommen worden.“ Ihr Mann Kurt war 20 Jahre Bürgermeister von Sachsendorf. „Bis 1990“, fügt er auf Nachfrage hinzu. In einer Tasche hat er die wichtigsten Papiere dabei. „Es kann ja doch mal etwas passieren.“ Er ist Jahrgang 1936 und in Sachsendorf aufgewachsen. Bei Kriegsende seien sie geflüchtet. "Der Gutsbesitzer hat Pferdewagen zur Verfügung gestellt.“ Bei der Rückkehr sei alles geplündert gewesen. Doris Grohn kennt den Krieg nur vom Hörensagen. "Wir haben als Kinder und auch später nicht gefragt“, scheint die heute 66–Jährige etwas zu bedauern. Für sie ist es die erste Bombenentschärfung. Dann entdeckt sie ihren Bruder, der die Straße heraufkommt. „Er braucht bestimmt Eier.“