"Wir wissen zurzeit einfach nicht, wohin die Entwicklung geht", sagte Stefan Kastner, Leiter des Fachdienstes Hygiene und Umweltmedizin des Kreis-Gesundheitsamtes, in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Mit der zunehmenden Lockerung von Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus gebe es natürlich wieder mehr Kontakte.
Diese seien bei Neuerkrankungen für die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes nun oft jedoch schwer nachzuvollziehen. "Unsere Ermittlungen deuten darauf hin, dass sich die Betroffenen in Berlin angesteckt haben und das eher im beruflichen Bereich", erklärt Kastner. Deshalb beobachte man die Entwicklung in der Hauptstadt sehr aufmerksam.
Punktuelles Handeln
Bei fünf Erkrankten in Märkisch-Oderland sei ein flächendeckendes Agieren keinem Bürger zu vermitteln, machte Landrat Gernot Schmidt deutlich und denkt zurzeit je nach Infektionsgeschehen an ein punktuelles Handeln, darunter zum Beispiel das Schließen einzelner Einrichtungen. Das vom Kreis aufgebaute Meldesystem bezeichnet er als das zentrale Element bei der Eindämmung des Virus. Und schon früh habe man beschlossen, die Zahlen ungeschönt an die Öffentlichkeit zu geben. "Wir wollen die Gutwilligen aktivieren und einen sachlichen Umgang mit dem Thema", sagte Schmidt auch mit Blick auf immer wieder auftauchende Verschwörungstheorien.
Ab 10. März hatte sich die Lage in Märkisch-Oderland zugespitzt. Eine Woche später reagierte der Kreis mit ersten Allgemeinverfügungen. Auch deshalb sei die Öffentlichkeitsarbeit wichtig, sagte der Beigeordnete Friedemann Hanke jetzt in der Rückschau. Zumal man einiges anders als Nachbarkreise gemacht habe. Als Beispiel nannte er das Besuchsverbot in Heimen, letztlich aber auch die frühere Öffnung der Kitas.
Eigene Reserven wichtig
Die Drei sind sich einig, dass die erste Coronawelle noch läuft. Angesichts des aktuellen Geschehens sei es aber auch Zeit für eine erste größere Auswertung. Gernot Schmidt lobt die große Unterstützung durch die niedergelassen Ärzte im Landkreis. Dank kommunaler Betriebe wie dem Krankenhaus seien Wege zudem oft kurz und schnell sowie unkonventionelle Entscheidungen möglich gewesen.
Mit dem Barnim denke man unter anderem über eine kreisübergreifende Lagerhaltung nach. So habe der Barnim nur acht Kilometer Deich, Märkisch-Oderland aber 74. Die Frage sei, wer was wo vorhält und wie man sich unterstützen könne. "Dass wir eigene Reserven an Schutzausrüstung hatten, war wichtig", sagte der Landrat. Verärgert sei er dagegen über Reaktionen des DRK-Kreisverbands Märkisch-Oder-Havel-Spree und des Landesverbands in der Krise. "Daraus werden wir Konsequenzen ziehen."
Eine Auswertung vom Katastrophenstab her werde man im Juli vornehmen, sagte Friedemann Hanke und fügte hinzu, dass man dazu Zuarbeiten von Trägern, darunter der Pflegedienste, erbeten hat.